Coronavirus: SWING näht jetzt Schutzmasken und verteilt sie kostenlos

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Wo sonst Abendkleider entstehen, werden jetzt in der Schermbecker Firma SWING Schutzmasken genäht. 3000 Stück sollen in zehn Tagen fertig sein - und kostenlos verteilt werden.

30.03.2020, 13:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Partykleider, Cocktailkleider, Ballkleider: Das ist eigentlich das Kerngeschäft der Schermbecker Firma SWING. Nur: Wer braucht die in der aktuellen Situation? Eine schwierige Situation. „Wir sind mittlerweile im Stadium, dass wir uns mal ein bisschen sortieren konnten mit unseren Kunden“, sagt Geschäftsführer Moritz Schwack (26) nach dem Coronavirus-Schock von vor etwa zwei Wochen. „Wir wollen auf die Herausforderung auf die Textilbranche gemeinschaftliche Lösungen finden. Es ist für alle nicht einfach.“

Derzeit arbeitet das Team laut Schwack bei SWING in zwei Schichten. „Wir achten darauf, dass diese Teams sich nicht treffen. Zwischen den Wechseln wird alles gereinigt.“ Einige Mitarbeiter seien im Homeoffice. „Wir sind noch nicht in Kurzarbeit.“

SWING-Geschäftsführer Moritz Schwack

SWING-Geschäftsführer Moritz Schwack © Berthold Fehmer

In der besonderen Situation wurde das Musteratelier kurzfristig umfunktioniert. „Wir produzieren in den nächsten zehn Werktagen 3000 Schutzmasken. Mit Option auf weitere 3000.“ Diese Masken werden kostenlos an die Gemeinde Schermbeck verteilt, der Ordnungsdienst verteile sie an die Haushalte, so Schwack.

Das bedeutet nicht, dass derzeit keine Kleider mehr in Schermbeck genäht werden. „Wir haben nicht das komplette Team umgestellt“, sagt Schwack, denn es gebe immer noch Anfragen nach Kleidern und im Juli sei die „Order-Runde“ für die Sommersaison. Man werde Kompromisse finden, sagt Schwack.

Kochbare Baumwolle

Für den Mund-Nasen-Schutz nahmen die SWING-Mitarbeiter frei verfügbare Anleitungen und verfeinerten diese laut Schwack ein wenig. „Die Schutzmaske aus kochbarer Baumwolle ist eine sinnvolle Alternative, wenn keine medizinische Schutzausrüstung zur Verfügung steht“, sagt Schwack. Weder geprüft noch zertifiziert seien die Masken, die waschbar sind und vor allem das Gegenüber vor kleinen Tröpfchen schützt, die das Virus übertragen können.

Vier Regeln für die Verwendung schreibt das Unternehmen auf einen Beipackzettel:

  • Den Mundschutz trocken lagern.
  • Den Mundschutz nach der Benutzung vorsichtig ausziehen, dabei die Außenfläche möglichst nicht berühren.
  • Nach dem Ausziehen des Mundschutzes sorgfältig die Hände waschen.
  • Den Mundschutz nach der Benutzung (oder mindestens einmal täglich) reinigen: bei 90 Grad in die Waschmaschine geben oder in einem Wasserbad auf dem Herd fünf Minuten lang auskochen. Anschließend gut trocknen lassen.

Schutzausrüstung in großem Stil?

Das Musteratelier liefert, wie der Name schon sagt, eigentlich die Musterkleider für die Fertigungen in Osteuropa. Wäre es jetzt nicht möglich, auch dort Schutzausrüstung herzustellen? „Das würden wir sehr gerne, ist aber eine wahnsinnig große Herausforderung“, sagt Schwack.

Zum einen werde es kaum möglich sein, derzeit Schutzausrüstung zu importieren, sagt Schwack: „Jeder Staat beansprucht diese für sich selbst.“ Zum anderen müsse man auch, wenn man im medizinischen Bereich arbeite, eine Zertifizierung für die Schutzausrüstung haben: „Da steckt eine Verantwortung dahinter“, sagt Schwack: „Wir beschäftigen uns mit dem Thema, sind aber noch in der Findungsphase.“ Jetzt sei es erst einmal darum gegangen, „der Region zu helfen“, so Schwack.

Was das Unternehmen noch auf die Beipackzettel schreibt, könnten derzeit wohl viele Leute unterschreiben: „Wir wissen nicht, wie unsere Welt in den nächsten Wochen aussehen wird. Aber wir wissen eines: Wir brauchen Zusammenhalt, Gemeinschaft, Menschlichkeit. Darum sind wir verpflichtet zu helfen, wo wir können.“

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