Cybermobbing kann jeden treffen

Theaterstück

Cybermobbing kann Menschen zur Verzweiflung treiben. Wie sehr, verdeutlichte das Theaterstück "Klick & Kill" den Siebtklässlern der Schermbecker Gesamtschule.

Schermbeck

, 30.09.2015, 17:40 Uhr / Lesedauer: 2 min
Cybermobbing kann jeden treffen

Sarah glaubt, dass Marco ein Bild von ihrem Po ins Internet gestellt hat.

"Wenn man ein Foto ins Internet stellt, bleibt es da. Überlegt euch grundsätzlich, ob ihr euch hier in Schermbeck nackt oder in Reizwäsche oder in Badehose auf den Marktplatz stellen würdet. Das gleiche gilt für Saufbilder." Diesen Rat gab Schauspieler Mario Zuber von der Schultheatergruppe „Bühnengold“ aus Berlin dem siebten Jahrgang der Schermbecker Gesamtschule im Anschluss an das Theaterstück „Klick & Kill“, das „Cybermobbing“ zum Thema hat. Schulleiter Norbert Hohmann macht sich dazu keine Illusionen: „Natürlich gibt es das auch bei uns. Eine Schule, die was anderes behauptet, ist ahnungslos oder erzählt nicht die Wahrheit.“ Seine Erfahrung ist: „In der Regel melden sich nicht die Opfer, sondern Mitschüler.“

"Bettnässer"

Der Inhalt des Stücks: Das Liebespärchen Sarah (Maria Luka) und Marco (Mario Zuber) kommuniziert, wie die anderen Mitschüler, ständig über soziale Netzwerke. Eines Tages wird ein Foto von Sarahs Po ins Netz gestellt. Ein Bild, das außer Sarah und Marco niemand kannte. Sarah verdächtigt Marco – der beteuert, damit nichts zu tun zu haben. Das Foto wird verbreitet, erhält Likes und Kommentare wie „Wie viel kostest du?“. Sarah rächt sich an Marco, schreibt ins Netz, dass er ein Bettnässer sei und gerne Strumpfhosen trägt. Eine „Marco-Hass-Gruppe“ wird gegründet, die am Ende 6000 Mitglieder hat.

Beeindruckend war die Szene, in der Maria Luka als Sarah kleine Zettel im Publikum verteilte, auf denen „Bastard“, „Opfer“ oder „Lügner“ stand. Mit der Folge, dass plötzlich viele Schüler „Bastard“ oder „Lügner“ in Richtung Bühne brüllten, wo Mario Zuber später zugab: „Das ist zwar nur ein Stück. Aber es ist nicht angenehm.“

Tragweite nicht erkannt

Marco versucht mit seiner Mutter (ebenfalls gespielt von Maria Luka) zu reden, die die Tragweite nicht erkennt: „Ich kann ja mal mit dem Lehrer reden, dann wird das Problem mit der Klasse besprochen.“ Marco: „Das ist das Internet – das ist weltweit.“ Sehenswert war die Wandlung von Maria Luka (29), die zwischen pubertierendem Girlie und erwachsener Frau auch sprachlich mühelos wechselte. Marco wird aus seinem Fußballverein ausgeschlossen, bekommt von Unbekannten Schläge angedroht. Er versucht, mit Sarah zu reden – die jedoch verbreitet die Lüge, dass er sie vergewaltigt hätte. Marco löscht seinen Account und erhängt sich in seinem Zimmer. Dass Marcos Account gehackt wurde, erfahren die Zuschauer am Ende des Stücks. Und, dass die Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht.

"Weil alle mitgemacht haben"

Mit den Schülern diskutierten die Schauspieler, was Marco in seiner Lage hätte tun können. Etwa zur Polizei oder zum Vertrauenslehrer gehen, die „Nummer gegen Kummer“ anrufen oder die Mobbing-Beiträge beim Anbieter der jeweiligen Seite melden. Maria Luka wollte von den Schülern aber auch wissen, wieso sie „Bastard“ oder „Lügner“ gerufen hätten: „Warum habt ihr alle mitgemacht?“ Die Antwort eines Schülers: „Weil alle mitgemacht haben. 

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