„Wenn Kinder mit leuchtenden Augen vorm Fenster stehen, spielt die Stromrechnung keine Rolle.“ Michael Brandt und seine Familie haben ihr Haus zu Weihnachten zum echten Hingucker gemacht.

Schermbeck

, 25.12.2019, 15:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wenn man im Wohnzimmer bei Familie Brandt sitzt, ist man fast ein bisschen enttäuscht. Weihnachtlich geschmückt ist es zwar auch hier, und das nicht zu knapp. „Ich bin auch noch nicht ganz fertig“, sagt Diana Brandt (39). Nach dem, was man alles vorher draußen am Haus an der Brunnenstraße 8 gesehen hat, konnte es drinnen vermutlich aber auch nicht genau so weitergehen.

Das ist das Weihnachtshaus der dekoverrücktesten Familie Schermbecks

Eigentlich wollte Familie Brand in den Fenstern im Obergeschoss noch weitere weihnachtliche Projektionen abspielen. Doch ein verspäteter Liefertermin machte dies zunichte. Doch auch so sind die Fenster im Erdgeschoss echte Hingucker. © Berthold Fehmer

Ein feines Sirren ist zu hören, wenn man am Wohnzimmertisch sitzt. Das sind die Motoren von den Winterlandschaften im Fenster, die mit Elektromotoren betrieben sind und etwa drehende Karussells oder rodelnde Kinder zeigen. „Wir haben dieses Jahr wieder ein bisschen aufgestockt“, sagt Michael Brandt (49). Bei Flohmärkten, in Baumärkten und im Internet ist die Familie ganzjährig auf der Suche nach allem, was in der Weihnachtszeit das Haus, in dem die Familie seit 2013 lebt, weiter verschönern könnte.

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Wie ein miniaturisierter Freizeitpark im Winter sind die Fenster bei Familie Brand gestaltet. © Berthold Fehmer

Aufstocken heißt in diesem Jahr beispielsweise: Für die neuen Winterlandschaften, die fast alle eigentlich per Batteriebetrieb laufen, musste eine alternative Stromversorgung geschaffen werden. „Das kann man sonst nicht bezahlen“, sagt Michael Brandt. Sein Sohn Jason-Luca, der nach der Hauptschule gerne im Bereich Elektrotechnik, Smarthome und Netzwerktechnik arbeiten möchte, schwang daraufhin den Lötkolben und stellte auf Netzteilbetrieb um.

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Schneebedeckte Landschaften zieren die Fenster bei Familie Brand. © Berthold Fehmer

Rentiere, Sterne und Schneemänner aus Lichterketten oder Weihnachtsmänner, die wechselseitig aus Kisten hochsteigen und dort wieder verschwinden. Riesige Christbaumkugeln, Zuckerstangen, von innen beleuchtete Weihnachtsmänner: Die Einfahrt am Haus ist voll. Und für das Familienauto ist dort kein Platz mehr, wie Michael Brand berichtet.

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Familie Brandt hat ihr Haus wieder zu einem Weihnachtshaus umdekoriert. © Berthold Fehmer

Woher kommt die Faszination für die farbenfrohe Dekoration zu Weihnachten? Diana Brandt sagt: „Unsere Familie war schon immer so dekoverrückt.“ Sie kommt eigentlich aus Dorsten, wo die Familie schon vor mehr als 20 Jahren so viel Dekomaterial an den heimischen Balkon auf der Hardt brachte, dass die gegenüberliegende Kneipe nicht habe mithalten können, erzählt Brandt.

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Neben der Beleuchtung sind auch die Figuren Hingucker. © Berthold Fehmer

Im vergangenen Jahr hatte die Familie am Zaun der Einfahrt einen 2,40 Meter hohen, aufblasbaren Schneemann stehen. „Oskar“, hatte ihn Diana Brandt getauft. Der sei aber vermutlich „kaputt gestochen worden“. Sie hätte im nächsten Jahr gerne einen sechs Meter hohen Nikolaus am Haus.

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Auf viele Details hat die Familie Wert gelegt. © Berthold Fehmer

Anderen mag die Fülle an Dekoration am Haus der Familie Brandt vielleicht übertrieben vorkommen - es ist aber nur ein Teil dessen, was eigentlich für dieses Jahr geplant war. „Ich hatte bei eBay Projektoren für beide Fenster im Obergeschoss gekauft“, erzählt Michael Brandt. Auf einer Leinwand im Fenster hätte sich dann der Lebkuchenmann bewegt und den Passanten unten auf der Straße zugewunken, so der Plan von Diana Brandt. Doch beim Versand seien die Projektoren verschwunden, sagt Michael Brandt und da es dann eh zu spät gewesen wäre, habe er sich das Geld zurücküberweisen lassen.

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Ein weihnachtliches Karussell © Berthold Fehmer

Ein Weihnachtsmann wird per Beamer, wenn es dunkel wird, auf das Pflaster der Brunnenstraße projiziert. Der Schnellballprojektor sei leider kaputtgegangen, sagt Michael Brandt. „Das ist schon ein bisschen Logistik, auch mit den paar Metern Kabel“, sagt Brand. Und was sagt der Stromzähler nach der Weihnachtszeit?Michael Brandts Motto: „Augen zu und durch.“

Für einen anderen Plan versucht Diana Brandt ihre beiden Männer schon länger zu überzeugen: „Eine Lokomotive, die ums Haus fährt.“ Ihren Mann beschäftigen derzeit andere Gedanken: „Ich muss nächstes Jahr im Fenster ein Brett tiefer setzen, und das andere höher. Sonst wird es nicht mehr passen.“ Und für draußen hat Diana Brandt noch einen Auftrag an ihre Familienmitglieder: „Ihr habt meinen Eisregen noch nicht aufgehängt.“

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Wie ein miniaturisierter Freizeitpark im Winter sind die Fenster bei Familie Brand gestaltet. © Berthold Fehmer

Dass in diesem Jahr nicht alles so klappte, wie Diana Brandt sich das vorgestellt hatte, lag auch daran, dass sie gesundheitlich angeschlagen war. Und es gibt einen in der Familie, der seinen eigenen Geschmack beim Thema Dekoration hat: „Unser Kater Eddie. Der schmeißt alles um, was ihm nicht gefällt.“ Familienhund Tequila ist da nicht ganz so anspruchsvoll.

Vor allem samstags und sonntags würden viele Leute vorbeikommen und vor allem die Fenster ausgiebig studieren. Dann macht sich Familie Brandt, die hinter einem Vorhang im Wohnzimmer sitzt, gern einen Spaß und lässt aus dem Briefkasten per Bluetooth-Box weihnachtliche Musik erklingen. „Da hört man manchmal Unterhaltung wie: ‚Da ist Musik im Briefkasten.‘ ‚Ach komm, hör auf!‘“, sagt Michael Brandt und lacht.

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Wie ein miniaturisierter Freizeitpark im Winter sind die Fenster bei Familie Brand gestaltet. © Berthold Fehmer

Vor allem Kinder blieben gerne vor den Fenstern stehen und machten oft dort Fotos, sagt Michael Brandt. „Viele Leute haben genug Stress und Ärger in ihrem Leben“, begründet er, warum er und seine Familie den anderen gerne eine Freude machen wollen. An die Stromrechnung denken Michael Brandt und seine Familie auch nicht mehr, wenn er sehe, wie sie die Kinder vor den Fenstern stehen sehen. Michael Brandt: „Die freuen sich einfach.“

Wer das Schermbecker Weihnachtshaus noch anschauen möchte, hat bis zum Dreikönigstag (6. Januar) dazu noch Gelegenheit.

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