Drei Schermbeckerinnen haben Unterschriften-Aktion gestartet

Bücherei-Rettung

Die Schließung der Gemeindebücherei hat in der letzten Zeit für viel Wirbel gesorgt. Viele Bürger sind empört und haben kein Verständnis für die Entscheidung. Doch drei engagierten Bürgerinnen reicht der verbale Protest nicht – sie haben beschlossen, zu handeln. Mit einer Unterschriftenaktion wollen Gabriele Dickmann, Heidi Wirtz und Ursula Lüttge nun an ihre Mitbürger appellieren, ihre Stimme zu erheben.

SCHERMBECK

, 16.03.2017, 18:11 Uhr / Lesedauer: 2 min
Um die Gemeindebücherei vor der Schließung zu bewahren, lassen Heidi Wirtz, Gabriele Dickmann und Ursula Lüttge (v.l.) die Schermbecker mit einer Unterschrift zu Wort kommen.

Um die Gemeindebücherei vor der Schließung zu bewahren, lassen Heidi Wirtz, Gabriele Dickmann und Ursula Lüttge (v.l.) die Schermbecker mit einer Unterschrift zu Wort kommen.

In vielen Geschäften liegen die Listen bereits aus. Zwei Monate lang können sich diejenigen, die wollen, dass die Bücherei weiterhin betrieben wird, dort eintragen. Das Damen-Trio hofft auf die tatkräftige Unterstützung der Schermbecker Bevölkerung. Je nach Resonanz ziehen sie auch weitere Aktionen, wie einen Infostand, in Erwägung.

Erinnerungen an Jahrzehnte der schönen Stunden

Seit meinem 14. Lebensjahr bin ich immer regelmäßig in der Bücherei gewesen“, erinnert sich Gabriele Dickmann. „Ich habe dort alles gelesen, was mir in die Hände fiel.“ Auch ihre Schwester und Mitstreiterin Heidi Wirtz besuche seit 40 Jahren regelmäßig die Gemeindebücherei. Darüber, dass bald nicht nur ihre Erinnerungen an die schönen Stunden in der Gemeindebücherei, sondern die Bildungseinrichtung selbst der Vergangenheit angehören, sind beide Frauen verärgert.

Es müsse auch etwas geben, das nicht mit der heutigen, schnellebigen Zeit geht, sagt Gabriele Dickmann. Heidi Wirtz ergänzt: „Finanzielle Dinge sind natürlich auch wichtig, doch man sollte ihnen sich nicht immer alles unterordnen. Außerdem würde sie die Bücherei nicht bloß zum Lesen oder Ausleihen besuchen. Sie sei auch ein gesellschaftlicher Treffpunkt, ein Ort, an dem man verschnaufen und zur Ruhe kommen könne.

Warum nicht "Jedem Kind ein Buch"

„Man muss auch auf die Menschen Rücksicht nehmen, die sich den Kauf eines Buches nicht leisten können“, betont Dickmann. Ursula Lüttge fügt hinzu, dass die Bücherei vielleicht nicht für alle wichtig sei, „jedoch etwa für viele Senioren“. Und auch für die Kinder sei die Bücherei ein wichtiges Bildungsangebot, meint Gabriele Dickmann: „Wenn es ‚Jedem Kind ein Instrument‘ gibt, warum dann nicht ‚Jedem Kind ein Buch?“

Die Unterschriftenaktion ist für Gabriele Dickmann ein Hilferuf. Was sie mit ihr bewegen kann, mag die Schermbeckerin nicht einzuschätzen. Doch sie hofft auf eine Möglichkeit, ihre geliebte Bücherei irgendwie zu erhalten. Wenigstens ein Versuch Und sie will wissen, wie sich die Bevölkerung für das Thema interessiert. „Ich kann dann wenigstens sagen, dass ich es versucht habe“, sagt Dickmann. Denn tue man gar nichts und nehme die Entscheidung einfach hin, so Dickmann, gestehe man sich auch eine Art von Machtlosigkeit ein.

Die Aktion scheint bereits Sympathisanten gefunden zu haben. Eine Besucherin hört unser Gespräch und fragt sofort nach der Liste. Sie finde es toll, dass sich die drei Frauen für den Weiterbetrieb einsetzen. Die nächsten Wochen werden zeigen, wie vielen sie aus der Seele spricht.

> Unterschriften-Listen liegen aus an folgenden Stellen: Rewe (Tisch bei Malzer), Burg-Apotheke, Kilian-Apotheke, Lotto Pimiak, Sparkasse, Edeka (an der Kasse), Bäckerei Schult, Bürgertreff (Klaus Roth), Hallenbad (Fr. Ulrich).
> Weitere Listen sollen noch an verschiedenen Stellen in Gahlen ausgelegt werden.
> Unterstützer der Gemeindebücherei können sich per E-Mail melden unter heidi.wirtz@arcor.de

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