Ein Landwirt erklärt, wie viele EU-Mittel er erhält. Und, was ihm lieber wäre

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Ohne EU-Mittel könnten die meisten Landwirte nicht überleben, sagt Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer. Ein Schermbecker Landwirt erklärt, wie sich die Prämien zusammensetzen.

Schermbeck

, 16.05.2019, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am 15. Mai endete wieder die Antragsfrist, innerhalb derer Landwirte melden, welche Flächen sie wie bewirtschaften. Milchquoten oder ähnliches gibt es nicht mehr in der EU, sondern nur noch Gelder für Flächen.

Der Schermbecker Landwirt, der seinen Namen nicht öffentlich machen möchte, sagt, dass er für die komplizierte Antragsstellung die Hilfe der Landwirtschaftskammer in Anspruch nimmt. „Die Stunde kostet 70 Euro, drei Stunden Arbeit sind das.“ Nicht eingerechnet ist die Arbeit, die das Sammeln von Informationen macht.

Familienbetrieb

Zwischen etwa 700 und 84.500 Euro liegt die Auszahlung, die Landwirte und Flächenbesitzer Ende des Jahres in Schermbeck erwartet. Der Schermbecker Landwirt erhielt für seinen Familienbetrieb, den er mit seinem Sohn führt, im Jahr 2017 rund 70.000 Euro.

Rüb sagt, dass die EU-Fördermittel 40 bis 70 Prozent der Betriebseinnahmen ausmachen. Der Schermbecker Landwirt spricht in diesem Zusammenhang vom Betriebsgewinn. Doch von diesem müssten schließlich auch Ersatzbeschaffungen, etwa Traktoren, die sechsstellige Beträge kosten, reinvestiert werden. Nicht nur die Familie, sondern auch die zwei Festangestellten und der Auszubildende auf dem Hof müssen ebenfalls davon leben können.

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Rund 30.000 von 70.000 Euro erhält der Landwirt als Basisprämie, also für die gemeldeten Flächen. Fast 15.000 Euro gibt es aus dem Topf für Agrarumwelt- und Klimaschutzmaßnahmen. Einige Flächen würden etwa spät gemäht, ein Teil seiner Flächen liege auch im Naturschutzgebiet. Extensive Bewirtschaftung ist dort angesagt. Ebenfalls rund 15.000 Euro fallen bei dem Schermbecker Landwirt auf die „Greening-Prämie“, die ebenfalls für Naturschutzmaßnahmen anfallen. So hat der Landwirt etwa Uferrandstreifen angelegt. Diese Prämien seien also mit Gegenleistungen verbunden, die die Gesellschaft so wolle, sagt der Landwirt.

Eine Besonderheit auf seinem Hof ist das Junglandwirtegeld, das sein Sohn für den Start in den ersten fünf Jahren erhält. Neben kleineren Beträgen aus der Umverteilungsprämie (fast 2000 Euro) und der Erstattung nicht genutzter Mittel der Krisenreserve (660 Euro) gibt es noch 8000 Euro aus dem Topf „Maßnahmen zur Stützung der Agrarmärkte“.

„Es ist ein Riesenwust“

Den eigentlichen Antrag zu stellen, „das ist in einer knappen Stunde gemacht“, sagt der Landwirt. Doch immer wenn sich etwas an den Flächen ändere, werde es problematisch. Immer wieder gebe es Überfliegungen, nach denen andere Flächen bestimmt würden. Wenn Bäume etwa über eine Fläche wachsen, oder ein Feld an der einen Seite 30 Zentimeter und an der anderen 50 Zentimeter größer oder kleiner werde, gebe es eine Fehlermeldung. „Es ist eine Riesenwust“, sagt der Landwirt.

Was er von den EU-Hilfen hält? „Ich hätte lieber einen fairen Preis für unsere Produkte“, sagt er. Und er erinnert an Zeiten zurück, in denen auch um Nahrung Krieg geführt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg hätten die Menschen in Deutschland noch 50 Prozent ihres Geldes für Lebensmittel ausgegeben, heute seien es 10 Prozent. „Nahrungsmittel in so einer Fülle und Qualität hat es noch nie gegeben.“

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