"Es ist mir alles über den Kopf gewachsen"

79-Jährige vor Gericht

"Es ist mir alles über den Kopf gewachsen“, gestand eine 79-jährige Kirchhellenerin, die sich wegen Betrugs am Mittwoch am Weseler Amtsgericht verantworten musste. Am Ende plädierte die Staatsanwältin für die Einstellung des Verfahrens.

Schermbeck

, 28.09.2016 / Lesedauer: 2 min

Eine Pferdepension und einen Hausmeisterservice hatten die 79-Jährige und ihr Ehemann in Schermbeck betrieben. In Kirchhellen kamen Mieteinnahmen aus Wohnungen hinzu. Beredtes Beispiel von den früheren finanziellen Möglichkeiten des Paares gibt eine Geldstrafe, die vor zwei Jahren gegen die Frau vom Amtsgericht Borken verhängt wurde. „15 Tagessätze zu 200 Euro? Da geht man davon aus, dass 6000 Euro Einkommen vorliegen“, sagte der Weseler Richter und zog die Augenbrauen hoch: „Eine solche Tagessatzhöhe sieht man selten.“

Mieten wurden nicht gezahlt

Als der Mann starb, nahm das Unheil seinen Lauf. „Nachdem der Ehemann tot war, dachten alle, sie müssten nicht mehr zahlen“, sagte der Rechtsanwalt. Die Zahlungen der Mieter seien plötzlich ausgeblieben, erklärte die 79-Jährige. Als sie ihren langjährigen Steuerberater zur Klärung der Finanzen hinzuziehen wollte, erfuhr sie, dass dieser ebenfalls verstorben war. Ein neuer Steuerberater, so der Rechtsanwalt, hätte sich zunächst in die komplexen Verhältnisse einarbeiten müssen. „Sie schämt sich sehr“, sagte der Rechtsanwalt über das, was dann im August und September 2013 geschah und der Frau nun vorgeworfen wurde.

Material für Terrasse

Ihr Sohn hatte für die Firma der Mutter den Auftrag übernommen, eine Terrasse in Schermbeck zu bauen. Material im Wert von 5000 Euro wurde dafür bestellt, allerdings nicht bezahlt. Er habe zu diesem Zeitpunkt nichts von der finanziellen Misere der Muter gewusst, hatte der Sohn, der wegen derselben Angelegenheit bereits vor Gericht gestanden hatte, damals ausgesagt. Die Mutter sei für das Finanzielle zuständig gewesen. Die Firma ist mittlerweile insolvent. Die Mutter sagte aus, dass auch sie zum Zeitpunkt der Bestellungen keine Ahnung gehabt habe, wie schlimm es finanziell um sie stand. Das Verfahren wurde schließlich eingestellt.