Flüchtling aus dem Irak hospitiert im Reisebüro

Vermittlung durch Job-Coaches

Die beste Integration für Flüchtlinge ist ein Arbeitsplatz. Das hat jetzt auch Abdulrahman Al-Dainy erfahren. Der Iraker hat zwei Wochen lang im „Schermbecker Reisebüro“ als Hospitant gearbeitet - mit Erfolg.

Schermbeck

, 27.09.2017 / Lesedauer: 3 min
Flüchtling aus dem Irak hospitiert im Reisebüro

Dr. Jana Magdanz hat den Kontakt zwischen dem Ehepaar Katrin und Frank Herbrechter (stehend v.l.) und dem irakischen Flüchtling Abdulrahman Al-Dainy (vorne) hergestellt, damit dieser als Hospitant im ?Schermbecker Reisebüro? arbeiten konnte.

Den Kontakt zwischen dem 22-jährigen Iraker und dem Reisebüro-Inhaber-Ehepaar Katrin und Frank Herbrechter hat Dr. Jana Magdanz hergestellt. Sie gehörte im vergangenen Jahr zu den fünf Job-Coaches, die in Zusammenarbeit mit der Caritas und der Universität Würzburg ausgebildet wurden, um Flüchtlinge in Arbeit zu bringen.

Kontaktvermittlung

Die eigentliche Aufgabe der Job-Coaches besteht darin, Arbeitgeber und arbeitswillige Flüchtlinge miteinander in Kontakt zu bringen. So werden sie zu Brückenbauern, um den Prozess der Arbeitsvermittlung zu beschleunigen und zu vereinfachen.

„Das ist gelebte Integration“, begründet Katrin Herbrechte. Dr. Jana Magdanz half bei der Suche eines geeigneten Flüchtlings. Abdulrahman Al-Dainy hat nach dem Abitur im Irak ein Jahr lang den Beruf eines Buchhalters erlernt. 2015 verließ er mit seinen Eltern den Irak und gelangte über die Türkei, Griechenland, Serbien und Österreich nach Deutschland. Seit Sommer 2016 wohnt er in Schermbeck. Der junge Mann hat von Beginn an Wert darauf gelegt, möglichst schnell die deutsche Sprache zu erlernen, was als wichtigste Voraussetzung für den Einstieg in eine berufliche Beschäftigung gilt.

Erstaunlich offen

Als Hospitant hätte Abdulrahman Al-Dainy eigentlich nur den Mitarbeitern des „Schermbecker Reisebüro“ über die Schultern schauen müssen, aber von Beginn an hat er gesehen, wo eine Arbeit ansteht, die er schon selbst bewältigen kann. So half er nicht nur bei der Schaufensterdekoration und beim Einsortieren von Urlaubskatalogen, sondern nahm auch am Telefon Gespräche entgegen, wenn die anderen Mitarbeiter gerade beschäftigt waren.

Erstaunlich offen ging der junge Mann auf Kunden zu, die das Reisebüro betraten, um sich nach ihren Wünschen zu erkundigen und dann an die zuständige Mitarbeiterin zu verweisen. „Abdu hat keinerlei Berührungsängste“, lobt Katrin Herbrechter die höfliche Offenheit, mit welcher der Iraker den Besuchern begegnete und mit den überwiegend weiblichen Mitarbeitern des Reisebüros auskam.

Intensive Betreuung

„Ich habe von beiden viel gelernt“, freut sich Abdulrahman Al-Dainy über die intensive Betreuung durch Katrin und Frank Herbrechter, die dem jungen Mann viel über die Lebensweise der Deutschen und die Gepflogenheiten im Arbeitsalltag erzählt haben. Dazu gab’s noch viele Infos über deutsche Landschaften und Bundesländer. Als hätte er eine Schermbecker Schule besucht und die kommunale Neuordnung des Jahres 1975 miterlebt, rasselte Abdulrahman Al-Dainy alle acht Schermbecker Ortsteile namentlich herunter.

Zur Belohnung für das besondere Engagement als Hospitant lud Frank Herbrechter Abdulrahman Al-Dainy zu einem Besuch auf Schalke ein. Bereits auf der Hinfahrt mit dem Fan-Bus und erst recht im Stadion bewies der junge Mann seine Kontaktfreudigkeit zu den anderen Fans und war nicht weniger traurig und enttäuscht über die 0:3-Niederlage der Blau-Weißen gegen Bayern München als die „Königsblauen Schermbecker“.

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„Ich möchte gerne eine Ausbildung machen“, hofft er auf eine Stelle, in der er seine erworbenen Qualifikationen im Bereich der Buchhaltung anwenden kann. Zudem verfügt er über besondere mathematische Kenntnisse und arbeitet intensiv an der Verbesserung seiner Deutschkenntnisse. Vielleicht findet er ja einen Betrieb, in dem er während eines dreimonatigen Praktikums diese Fähigkeiten einbringen kann.

Arbeitgeber, die nähere Auskünfte wünschen, können sich mit Dr. Jana Magdanz in Verbindung setzen: Handy: (0170) 2 33 59 94. Das gilt auch für Arbeitgeber, die einen Praktikumsplatz für eine 25-jährige Irakerin anbieten können, die im Kindergarten oder in der Altenpflege eine Beschäftigung sucht, und für deren Schwiegermutter, die sich um eine Beschäftigung in der Altenpflege bemüht.

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