Gesamtschüler inszenierten "Hysterikon"

Zwei Aufführungen

In die weich gespülte Welt eines Supermarktes entführte der Q2-Projektkurs der Gesamtschule am Freitag- und Samstagabend jeweils rund 200 Zuhörer.

Schermbeck

, 12.03.2017, 16:51 Uhr / Lesedauer: 2 min
Gesamtschüler inszenierten "Hysterikon"

Wo die Emotionsakkus im mitmenschlichen Leben verkümmern, bleibt häufig nur der Griff zu Flaschen mit hochprozentigem Alkohol.

Bereits vor den Sommerferien hatten sich die Mitglieder des Projektkurses mit ihren Lehrern Safiye Aydin, Christian Völtz und Anna Zerhusen getroffen und sich wegen der Lebensnähe für Ingrid Lausunds Konsumsatire „Hysterikon“ entschieden. „Es steckt viel Arbeit drin“, erinnerte Anna Zerhusen vor allem an den Endspurt in den vergangenen 14 Tagen, als die 35-köpfige Theatergruppe fast öfter in der Schule gewesen sei als zu Hause.

„Es war ein totales Vergnügen“, bescheinigte Christian Völtz dem gesamten Team. Aber es war alles andere als ein gemütlicher Theaterabend, an dem die Schauspieler in ihren fiktiven Supermarkt einluden. Bereits vor Beginn der Aufführung beteiligten sich viele Besucher an einer Fragebogenaktion zur Parallelität zwischen Supermarkt und eigenem Leben. Wäre das Leben ein Supermarkt, was würden Sie reklamieren, was wäre reduziert, was wäre schon abgelaufen?

Zuschauer waren vorbereitet

So waren die Zuschauer auf das Geschehen auf der Bühne vorbereitet, in dem es inmitten von gefüllten Geschäftsregalen, auf denen Joghurt neben Schießpulver lagerte, um eine Kette von Sinnfragen ging. Schrill, skurril und teils extrem komisch traten die unterschiedlichen Menschentypen auf, um gemeinsam ein Zerrbild des Kaufrausches zu zeichnen. Das Warenhaus im „Hysterikon“ war aber weit mehr als ein Zentrum zur Versorgung mit Gütern. Neben Tomaten lagerten Karrieren zwischen Intrige und Verrat, indische Räucherstäbchen neben Menopausen, Träumen, Ehrlichkeit und Würde. Und bezahlt wurde auch mit Abbuchungen auf einer Life-Card. Zur fulminanten Revue aus dem satten Konsumentenleben wurde das Theatergeschehen, eine Aneinanderkettung von mehr als einem Dutzend amüsanter und zugleich provozierender Szenen, in denen der Kaufrausch schonungslos sichtbar gemacht wurde.

Menschliche Tragödien

Da begegnete man einem Mann, der Schwefelsäure, Draht und eine Eisenstange kaufte, um wie selbstverständlich Menschen umzubringen. Dem Mann, der beim Lesen von Nachrichten am Zeitungsstand derart hysterisch reagierte, dass er fortwährend einen Psychiater namens Dr. Petter anrufen musste. Ob Frau, die noch genug Schlaftabletten hat, ob „Mann in Armani“ oder „Mann in der groben, bunten Jacke“: Irgendwie verbarg sich hinter jeder witzigen Typisierung ein gehöriges Stück menschlicher Tragik, die von den Schauspielern großartig transportiert wurde.

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