Gespachtelte Kunst in der Nispa

Ausstellung

So ändern sich die Zeiten: Als Ralph Heeger noch als Pressefotograf im Einsatz war, konnte er Angela Merkel oder Joe Cocker ins rechte Licht rücken. Als Rentner, der nach Eintritt in den Ruhestand (2012) von Schermbeck nach Raesfeld zog und die Kunst als Hobby wiederentdeckte, musste er am Freitag bei der Eröffnung seiner Ausstellung „Abstraktes“ in der Niederrheinischen Sparkasse Rhein-Lippe in die Objektive der Kameras schauen.

Schermbeck/Raesfeld

, 06.06.2017 / Lesedauer: 2 min
Gespachtelte Kunst in der Nispa

Nispa-Center-Leiter Tim Scholz (Mitte) und sein Kollege Norbert Besten (l.) freuen sich, dass sie Ralph Heeger (r.) für eine Ausstellung in der Nispa-Zweigstelle in Schermbeck gewinnen konnten.

„Ich wollte im Ruhestand irgendetwas tun“, begründet der 67-jährige Heeger die Zuwendung zur Kunst, wobei er erst überlegte, ob er sich Literatur oder Malerei zuwenden sollte. Schließlich gewann die Malerei, obwohl er das Wort gar nicht mag. „Eigentlich mache ich nichts anderes als Acrylfarben auf Großleinwände zu spachteln“, beschreibt er seine Tätigkeit.

„Dann muss Farbe drauf“

Seine künstlerische Arbeit ist mehr von handwerklichen Tätigkeiten geprägt als von Reflexionen über die Inszenierung eines gedanklichen Entwurfes. „Das ist wie eine Sucht. Wenn ich eine leere Leinwand sehe, dann muss Farbe drauf“, so Heeger. Dann wird der Teppich im Wohnzimmer zur Seite geräumt, die Leinwand ausgelegt und im ersten Schritt mit Binder- oder Acrylfarbe ein- bis zweimal vorgestrichen, meist weiß. Für den zweiten Schritt, das Überstreichen bzw. -spachteln, stehen zwar alle Farben bereit, aber welche Heeger auswählen wird, ist vom Zufall abhängig. „Ich weiß vorher nicht, was dabei rauskommt. In dem Moment lasse ich meinen Händen freien Lauf und das Denken wird ausgeschaltet“, gesteht er.

Seine Spachtelarbeiten strahlen die pure Lust an Farben und Linienschwüngen aus. Damit sich die Schwünge richtig entfalten können bei ausgetreckter Hand, wurden die ausgewählten Leinwände mit der Zeit immer größer. In der Nispa haben die meisten seiner mehr als zehn Exponate eine Höhe von 1,40 Meter erreicht bei einer Breite von 70 Zentimetern. Die Bilder hängen in den Arbeitszimmern der Mitarbeiter und können während der Öffnungszeiten kostenlos betrachtet werden – sofern nicht gerade eine Kundenberatung im jeweiligen Raum stattfindet.