Große Pläne am Lühlerheim starten mit 349 Hühnern

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349 Hühner, die derzeit im Hühnermobil vor sich hingackern, sollen nur der Anfang sein. Das Lühlerheim hat große Pläne, die nicht nur einen Bioland-Hof umfassen.

Schermbeck

, 21.08.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ursprünglich 1886 als Arbeiterkolonie gegründet ist das Lühlerheim in Schermbeck mittlerweile ein Ort der Wohnungslosenhilfe mit Altenpflegeheim und dem Café Lühlerheide geworden. Der geschäftsführende Vorstand Theo Lemken berichtete am Donnerstag beim Besuch der Grünen aus Kreis- und Ortsverband, darunter Landratskandidatin Petra Schmidt-Niersmann und Bürgermeisterkandidat Stefan Steinkühler, von neuen Plänen der Einrichtung.

Beim Besuch der Grünen zeigte Theo Lemken die Pläne für den Bau eines Gebäudes mit 35 Wohnappartements für Wohnungslose, der in wenigen Tagen beginnen soll.

Beim Besuch der Grünen zeigte Theo Lemken die Pläne für den Bau eines Gebäudes mit 35 Wohnappartements für Wohnungslose, der in wenigen Tagen beginnen soll. © Berthold Fehmer

In wenigen Tagen wird mit dem Bau eines Gebäudes begonnen, das 35 Wohnappartements für Wohnungslose bieten wird. Mit eigener Nasszelle und Küche ausgestattet, sollen diese Appartements gegenüber den jetzigen Zimmern - ein Wohnblock soll abgerissen werden - den Vorteil bieten, dass Klienten das eigenständige Wohnen wieder trainieren können.

Dieser veraltete Wohnblock soll abgerissen werden.

Dieser veraltete Wohnblock soll abgerissen werden. © Berthold Fehmer

Dafür gibt es bislang schon vereinzelt „Trainingswohnungen“ auf dem Gelände. Selber putzen, selber kochen, selber einkaufen, selber waschen im kleinen Waschsalon im Keller - dies seien Dinge, die die Wohnungslosen wieder erlernen müssten, sagt Theo Lemken. „Die Menschen, die hierher kommen, sind vom Leben gezeichnet.“

„Das kann jedem passieren“

Er betont: „Das kann jedem passieren.“ Man habe auch Klienten, die studiert hätten und einen Beruf in verantwortungsvoller Position gehabt hätten. Oft seien es Schicksalsschläge, wie der Verlust des Ehepartners, eines Kindes oder des Berufs, mit denen diese Menschen nicht fertig würden.

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Fast ausschließlich Männer betreue man derzeit, nur zwei Frauen. Lemken sagt, man arbeite derzeit daran, auch ein Angebot für wohnungslose Frauen zu schaffen, das allerdings außerhalb der Einrichtung stationiert werden müsse.

Prämie aus eigener Tasche bezahlt

Lemken ärgert sich derzeit darüber, dass zu Corona-Zeiten nur die Altenpfleger der Einrichtung vom Staat mit einer Prämie ausgestattet wurden. Um Gerechtigkeit zu den Sozialarbeitern der Einrichtung herzustellen, habe man die Prämie aus eigener Tasche auch an diese gezahlt.

Die Altenpflegeplanung am Lühlerheim ist übrigens noch nicht abgeschlossen: Man wolle das Altenheim erneut erweitern. Und man plane einen ambulanten Dienst, sagt Lemken, der pflegerische Tätigkeiten nicht nur in der Wohnungslosenhilfe, sondern auch im „weißen Fleck“ etwa fünf, sechs Kilometer um das Lühlerheim in Haushalten anbieten könne.

Ganz zu Beginn der Einrichtung war das Lühlerheim ein landwirtschaftlicher Betrieb, der sich selbst versorgte. Die Landwirtschaft will Lemken wieder reaktivieren. Ein Landwirt wurde eingestellt, 349 Hühner bereits angeschafft, die auf der Wiese vor dem Gelände untergebracht sind. Bio-Eier sollen demnächst im Lühlerheim verkauft werden.

Die Tiere am Lühlerheim sollen draußen und in Unterständen leben.

Die Tiere am Lühlerheim sollen draußen und in Unterständen leben. © Berthold Fehmer

Das „Archehof-Konzept“ Lemkens sieht vor, auch Thüringer Waldziegen, Glanrinder und weitere Tiere wie Schweine oder Esel zu halten - allerdings ausschließlich alte Tierrassen. 45 Hektar, die für Landwirtschaft verpachtet waren, wird das Lühlerheim demnächst selbst bewirtschaften und dort Futter anbauen.

Käserei und tiergestützte Therapie

Nach Bioland-Kriterien soll der Hof geführt werden. „Fernziel ist eine eigene Käserei“, sagt Lemken. Neben dem Verkauf ist ihm aber auch der Umgang der Lühlerheim-Bewohner, sowohl der älteren als auch jüngeren, mit den Tieren wichtig. Tiergestützte Therapie will Lemken etablieren.

Lemken macht häufig die Beobachtung, dass er bei Spaziergängen mit seinem Hund über das Gelände plötzlich ganz andere Gespräche erlebt. „Wenn die Menschen nicht mehr die Verantwortung für andere Menschen übernehmen können, können sie vielleicht damit beginnen, Verantwortung für die Tiere zu übernehmen.“

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