Grüne stellen Strafanzeige gegen Firma Nottenkämper

Ölpellet-Skandal

Strafanzeige gegen die Firma Nottenkämper hat der Schermbecker Ortsverband Bündnis 90/Die Grünen bei der Staatsanwaltschaft Duisburg gestellt. Grund: die unerlaubte Einlagerung von etwa 30 000 Tonnen Ölpellets und etwa 35 000 Tonnen Kronocarb (Petrolkoks) in die Verfüllung Mühlenberg (wir berichteten).

Schermbeck

, 10.08.2017 / Lesedauer: 2 min

Holger Schoel, Sprecher des Ortsverbands: „Wir können uns nur schwer vorstellen, dass mehrere tausend Lastkraftwagen die Eingangskontrolle am Mühlenberg durchfahren haben und niemandem bei Nottenkämper etwas aufgefallen ist.“ In der Kreistagsfraktion der Grünen sei eine Strafanzeige erwogen worden, doch aus formellen Gründen habe diese nicht die Möglichkeit dazu gehabt.

Es könne nicht sein, so Schoel, dass die Firma Nottenkämper nun mit einer „Augen zu und durch“-Einstellung weitermache. „Die Firma Nottenkämper ist zur Eigenkontrolle verpflichtet und dazu gehört unter anderem auch die Sichtkontrolle der Ladung. Über den gesamten Zeitraum von 2010 bis 2013 ist bei der Kontrolle nichts bemerkt worden. Wir vermuten hier grob fahrlässiges Verhalten bei der verantwortlichen Firma Nottenkämper.“

„Freibrief für alle“

Schoel zieht einen Vergleich: „Wenn unsereins etwas verbuddelt oder das Auto Öl leckt, ist man sofort dran.“ Folge man der Argumentation des Kreises und der Gutachter, dass die Ölpellets im Mühlenberg bleiben sollten, weil eine Tonschicht das Wasser erst in einer Million Jahren durchlasse, stelle dies „einen Freibrief für alle anderen“ dar. „Als hätte es überhaupt kein schlimmes Vergehen gegeben.“ Was die Zukunft der Ölpellets und des Kronocarbs im Mühlenberg betrifft, hat Schoel eine klare Meinung: „Auf Dauer muss das alles raus“, sagt Schoel und hat dabei etwa die nahegelegene Deponie im Auge. „Da gehört das eigentlich rein.“

Auf die Frage, ob er nicht der Arbeit der Ermittlungsbehörden traue, sagt Schoel: „Ich traue keinem mehr.“ Zu oft sei das Vertrauen der Bürger missbraucht worden, das zeigten etwa das Atommülllager Asse oder auch der neuerliche Diesel-Skandal. Beim Ölpellet-Skandal hätte nach Schoels Meinung die Öffentlichkeit viel früher informiert werden müssen. Auch die Aufsichtspflicht des Kreises müsse man in dem Fall hinterfragen, so Schoel. Selbst wenn die Strafanzeige der Grünen im Sande verlaufen sollte, ist Schoel der Überzeugung: „Immerhin muss ich mir dann als Bürger nicht vorwerfen, die Augen zugemacht zu haben.“