Der Borkenkäfer hat den Fichten in der Üfter Mark den Garaus gemacht. Förster Christoph Beemelmans will die Baumart in Mischbeständen wieder anpflanzen. © Berthold Fehmer
Holzpreise

Holzpreis-Boom hat dem RVR-Forstbetrieb nicht genutzt

Bei den Holzpreisen war in diesem Jahr ein Boom zu beobachten. Auf die Frage, ob er nun im Geld schwimme, sagt RVR-Revierleiter Christoph Beemelmans lächelnd: „Leider nicht.“

Im Höhenrausch waren die Holzpreise in diesem Jahr – teilweise fehlte es sogar an Bauholz. Mittlerweile hat sich der Markt etwas beruhigt. Einen „Wahnsinnswert“ habe Holz zwischenzeitlich bekommen, sagt Förster Christoph Beemelmans, vor allem wegen des amerikanischen und chinesischen Marktes.

„Der Forstbetrieb hat nicht profitiert“, sagt der Förster. Man sei noch damit beschäftigt, „die Flächen, die wir durch den Borkenkäfer verloren haben, in Kultur zu bringen“. Heißt: wieder aufzuforsten.

Von 2018 bis 2020 wütete der Borkenkäfer. Beemelmans: „In meinem Bereich in den Kreisen Recklinghausen und Wesel hat sich die Fichte komplett verabschiedet.“ In Reststandorten in der Hohen Mark werde die Fichte ebenfalls verschwinden.

Trockenheit begünstigte die Borkenkäfer

Grund für das Massensterben waren auch die viel zu trockenen Jahre. „Dadurch ist der Borkenkäfer in die Massenvermehrung gekommen“, sagt Beemelmans. Wenn die Fichte in Trockenheitsstress gerate, bilde sie Pheromone. Deren Nachricht „Mir geht es gerade nicht gut“ würden „Borkenkäfer über Kilometer Entfernung mitbekommen und diese Baumarten gezielt anfliegen“. Dann bleibt den Waldarbeitern nur eine „Lösung“: Fällen.

„Wir hatten Glück, dass wir die Baumart nur zu fünf Prozent im Bestand hatten“, sagt Beemelmans. Sonst, so der Förster, wäre die Veränderung den Bürgern mehr ins Auge gefallen, wie es beispielsweise im Sauerland der Fall sei. „Da stehen Hänge komplett nackt da.“

Auch die Lärchen hätten unter der Trockenheit gelitten und seien zu einem Viertel bis einem Drittel abgestorben. „Selbst die Kiefer leidet“, sagt Beemelmans, erwartet aber, das die Kiefer als Ersatzbaumart für die Fichte an Wert steigen wird.

Gemischte Bestände werden angestrebt

Er gehöre nicht zu denjenigen, die sagten, die Fichten gehörten nicht in den hiesigen Baubestand, so Beemelmans. Aber man müsse etwa Eichen, Linden, Buchen oder Kirschen dazu pflanzen. In Naturschutzgebieten seien die Baumarten vorgegeben.

Zu Beginn seiner Berufszeit sei er Anfang der 80er-Jahre im Sauerland belächelt worden, wenn es um das Einbringen von Mischbaumarten ging. „Die Privatbesitzer werden es lernen müssen“, sagt Beemelmans heute. Er glaubt, dass man reine Fichtenbestände in Zukunft nicht mehr auf großer Fläche finden werde.

„Für den Boden war es ein tolles Jahr“

2021 habe es „ordentliche Niederschlagsmengen“ gegeben, sagt Beemelmans. Die Bestände hätten sich dadurch stabilisiert. „Für den Boden war es ein tolles Jahr.“ Was nach den trockenen „Gewalt-Jahren“, wie Beemelmans sie nennt, aber auch notwendig gewesen sei.

Derzeit bereiten er und seine Mitarbeiter die Wiederaufforstung vor. Der Boden sei gut durchnässt, deshalb hofft Beemelmans, dass die Bäume im Frühjahr einen guten Austrieb bekommen. Auch mit Schulen soll es wieder Projekte im Schulwald geben, die wegen Corona ausgefallen sind. Beemelmans: „Das lag alles auf Eis.“

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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Berthold Fehmer