Kanu-Anlegestelle: Kanu-Verband und Betreiber ärgern sich über Politikeraussagen

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Kontrovers diskutiert wird eine neue Kanu-Anlegestelle in Schermbeck. Über die Aussagen mancher Politiker ärgern sich der Kanu-Verband NRW und Michael Seibert (Lippe-Kanu-Touren).

Schermbeck

, 15.03.2020, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Um die geplante Kanu-Anlegestelle hatten die Politiker im Haupt- und Finanzausschuss lange diskutiert. Einige Aussagen der Politiker, so Randolf Wojdowski, Geschäftsführer des Kanu-Verbands NRW, seien aber sachlich falsch.

Man dürfe beispielsweise nicht, wie von Ulrike Trick (Grüne) behauptet, „mit allem über die Lippe schippern“. Nur nicht-motorisierte Boote seien erlaubt, und die Untere Landschaftsbehörde Wesel habe 2019 angekündigt, genauer definieren zu wollen, welche Boote in welchem Umfang auf der Lippe fahren dürfen.

Gesperrt seien auch, anders als von Trick behauptet, im Kreis Recklinghausen keine Lippeabschnitte. Wojdowski: „Im Landschaftsplan Lippeauen im Kreis Recklinghausen gilt, dass auf 11 von 64 Flusskilometern die Zahl der Boote auf 30 je Tag begrenzt ist.“

„Das ist mir sonst zu gefährlich“

Dass bei Touren auf der Lippe Alkohol getrunken wird, bestreitet Michael Seibert, Chef der Dorstener Firma Lippe-Kanu-Touren nicht. Er habe allerdings in seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen hineingeschrieben, dass bei übermäßigem Alkoholkonsum Touren abgebrochen werden. „Wenn jemand schon stark alkoholisiert ankommt, schließe ich ihn aus. Das ist mir sonst zu gefährlich“, sagt Seibert.

Randolf Wojdowski wehrt sich gegen pauschale Kritik an Kanusportlern: „Sieht man sich die Vorfälle im Einzelnen an, sind es regelmäßig nicht organisierte Personen außerhalb des Kanusports, die am Flussufer picknicken, in der Lippe baden gehen, mit Schlauchbooten herum planschen und dabei zum Teil ohne Rücksicht auf die Natur lärmen, feiern, übermäßig Alkohol konsumieren und ihren Müll hinterlassen.“ Die Mitglieder des Verbands, so Wojdowski, würden in Ökologie-Schulungen ausgebildet und reinigten sogar das Gewässer und Ufer von Unrat.

Seibert glaubt, dass die Schermbecker Kanu-Anlegestelle neben der in Lippstadt zu den meist genutzten auf der gesamten Lippe zählt. 12.000 bis 15.000 Ein- und Ausstiege pro Jahr schätzt Seibert in Schermbeck: „Ein Drittel davon“ seien Touren seines Betriebs. Gleichwohl setze er sich „als einziger der Anbieter“ für eine Verbesserung der Situation ein.

Exkremente am Parkplatz

Seibert pachtete den Parkplatz an der Maassenstraße, der auch von anderen Anbietern und privaten Kanuten genutzt wird. „Aber auch von Lkw-Fahrern, die da übernachten.“ Angesichts einer fehlenden Toilette muss sich Seibert sogar mit deren Exkrementen rumärgern. Den Müll entferne er, müsse dafür teilweise aber „selbst in zweiter oder dritter Reihe parken“. In diesen Tagen wolle er noch Nistkästen gegen Eichenprozessionsspinnerraupen dort aufhängen.

Den positiven Effekt der Kanu-Touren für die Schermbecker Wirtschaft bezweifelte Klaus Roth (BfB) im Ausschuss. „Es ist ein hoher fünfstelliger Betrag, den ich jährlich in Schermbeck lasse“, sagt hingegen Seibert. Taxi- und Busunternehmen aus Schermbeck profitierten, ebenso die Gaststätte Ramirez, früher auch die Gaststätte „Hohes Ufer“, jetzt das „El Capitan“.

„Noch viel mehr Potenzial drin“

Wer alles wo nach den Touren einkehre, wisse er nicht, sagt Seibert, aber vor Jahren habe er einmal berechnet, dass er insgesamt etwa 1500 Leute in einem Jahr ins Ramirez geschickt habe. Touristisch gesehen, sei für Schermbeck „noch viel mehr Potenzial drin“.

Seibert plädiert für eine bessere Beschilderung des Landschaftsschutzgebiets an der Lippe, „auf denen auch Verhaltensregeln stehen“. 50 bis 80 Schulklassen im Jahr befördere er im Jahr und wie seinen eigenen vier Kindern gebe er ihnen Verhaltensregeln mit auf den Weg. Dass man beispielsweise seinen Müll wieder mit nach Hause nimmt - wichtig sei, dass dies jemand den Kindern zeige.

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