Rinderhalterin Nicola Moers hat nach dem Kontakt eines Kindes mit einem ihrer Herdenschutzzäune Warnschilder angebracht. © Berthold Fehmer
Wolfsgebiet Schermbeck

Kind fasst an Herdenschutz-Zaun: „Das hat wahrscheinlich geschrien“

Erbost war der Großvater, der Rinderhalterin Nicola Moers anrief: Sein Enkelkind habe an einen ihrer Herdenschutzzäune gefasst. Drei Tage später wurde ein Kalb in der Nähe halb gefressen.

Fünf Galloway-Rinder hält Nicola Moers auf Weiden in Schermbeck-Dämmerwald. Und einen ausgeliehenen Bullen, da Moers auf Jungtiere hofft. Seit 2017 betreibt die Beamtin die Rinderhaltung im Nebenerwerb. Als 2018 erstmals ein Wolf in der Nähe ihres Hauses Schafe riss, kümmerte sich Moers schneller als viele Haupterwerbsbetriebe um den Schutz ihrer Tiere.

„Das stärkste Gerät, das es für Rinder gibt“, schickt mittlerweile Strom an die Zäune ihrer Weiden und auch an die Stromlitzen, die Moers oben und unten an den Toren ihrer Weiden befestigt hat. Denn selbst, wenn nur 20 Zentimeter unter dem Tor Platz sei, könnten sich Wölfe darunter durchwinden, sagt sie.

„Mir tut es total leid für das Würmchen“

An einem Tor an einer Weide an der Straße „Am Festplatz“ kam es am Donnerstag der vergangenen Woche für ein Kind zu einer unangenehmen Begegnung mit einer Stromlitze am Tor. Nachmittags habe sie der Großvater des Kinds wütend angerufen, das an den Stromdraht gefasst habe.

Hinter wolfsabwehrenden Stromzäunen sind die Galloway-Rinder von Nicola Moers untergebracht. © privat © privat

„Mir tut es total leid für das Würmchen – das hat wahrscheinlich geschrien“, sagt Moers mitfühlend, die selbst schon ab und zu aus Versehen an die Stromdrähte gekommen ist. Wie sich das anfühlt? Moers: „Sch …!“

An diesem Tor geriet das Kind an die unterste Stromlitze – eine schmerzhafte Erfahrung. © privat © privat

Der Großvater habe sie aufgefordert, den Strom abzuschalten, sagt sie. „An seinem Verhalten habe ich gemerkt, dass es an Aufklärung fehlt“, sagt Nicola Moers, die sich aber zunächst beim Ordnungsamt und bei der Herdenschutzberaterin informierte, ob sie mit ihrer Haltung richtig liege.

Aufsichtspflicht verletzt

Seitens des Ordnungsamts sei ihr Rückendeckung signalisiert worden. Im Zweifel habe der Großvater seine Aufsichtspflicht verletzt. Und auch die Herdenschutzbeauftragte habe gesagt, dass der Strom auch tagsüber fließen solle und auch, wenn wie im aktuellen Fall, gar keine Tiere hinter dem Zaun stehen. Die Wölfe müssten die Botschaft erhalten „Nutztiere tun weh“, so Moers.

Dass die Vorsicht durchaus ihre Berechtigung hat, wurde drei Tage später deutlich. Denn auf einer Weide am Wachtenbrinker Weg in Hünxe, etwa anderthalb Kilometer entfernt, wurden am Sonntag nur noch Überreste eines Kalbs gefunden. Der Besitzer vermute eine Totgeburt, „da auch das Zwillingskalb tot aufgefunden wurde“, so das Gahlener Bürgerforum. „Aufgrund der großen Fraß-Menge und der durchtrennten Gliedmaße, wie Rücken, Becken, Keulenknochen, kann man die sonstigen postmortalen Fresser wie Fuchs und Dachs ausschließen.“

Moers hat nun zusätzlich Warnschilder an ihren Zäunen angebracht. In die aktuelle Diskussion um die Wölfe mag sie sich nicht einmischen, sagt aber angesichts der aktuellen Risse: „Man macht sich natürlich seine Gedanken.“

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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Berthold Fehmer

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