Kläranlage wird im laufenden Betrieb umgebaut

Dauerbaustelle

Kein Stein wird auf dem anderen bleiben auf dem Gelände der Kläranlage Schermbeck. Bagger sind unterwegs, ein Baukran ragt vor den Faultürmen auf, dicke Leerrohre aus Beton werden angeliefert und der Weg über die Anlage ist gespickt mit Löchern, Kabeln und Paletten mit Baumaterial. Seit Ostern wird die Anlage komplett saniert und erweitert, der Betrieb muss aber weitergehen.

Schermbeck

, 16.09.2016, 18:01 Uhr / Lesedauer: 3 min
Die Kläranlage in Schermbeck wird in den nächsten vier Jahren aufwendig saniert und erweitert.

Die Kläranlage in Schermbeck wird in den nächsten vier Jahren aufwendig saniert und erweitert.

Schließlich kommt weiterhin wie gewohnt das Abwasser aus der Schermbecker Kanalisation bei der Kläranlage an. Normalerweise landet es dann erst einmal im Rechengebäude, wo unter anderem Textilien, Papier und andere Teile, die größer als 16 Millimeter sind, rausgefischt werden. Doch dieses Gebäude wurde bis auf einige Betonpfeiler abgerissen. Bagger bringen den Bauschutt weg, Bauarbeiter wuseln herum und bearbeiten den Betonboden mit einem Presslufthammer. Denn nicht nur technisch wird der Rechen auf den neuesten Stand gebracht, es entsteht ein komplett neues Gebäude.

Rost

„Hier ist eine Sanierung notwendig, weil Schwefelwasserstoff im Wasser dafür gesorgt hat, dass einige Teile rosten. In Verbindung mit Sauerstoff entsteht außerdem Schwefelsäure, die den Beton angreift“, erklärt Michael Steinbach, Sprecher des Lippeverbandes, die Notwendigkeit der Sanierung. Ein Provisorium übernimmt zurzeit die Aufgabe des Rechens. „Schließlich kann das Abwasser nicht tagelang hier stehen. Wir müssen weiter klären“, sagt Christian Wolf, Betriebsleiter der Hauptstelle in Dorsten.

Sandfang

Wenn die groben Teile im Rechen aus dem Wasser entfernt wurden, fließt es in den Sandfang. Hier werden mineralische Stoffe rausgefiltert. Schmale Bretter, auf denen die Bauarbeiter stehen können, liegen als Brücken auf den beiden hüfthohen Wänden, zwischen denen das dreckige Wasser entlang fließt. Provisorische Kabel und Rohre wurden verlegt und neben dem Sandfang steht ein riesiger Container bereit, um in der Zeit des Provisoriums den Sand und Schlamm zu sammeln. Auch diese Wasserstraße wird komplett saniert und bekommt eine neue Betonwand. Doch vorher muss noch ein anderes Problem gelöst werden. Ironischerweise fehlt in der Kläranlage nämlich zwischenzeitlich das Wasser. „Wir brauchen immer wieder Wasser auf der Baustelle. Das Abwasser dürfen wir dafür nicht nutzen, Trinkwasser ist zu teuer“, erklärt Christian Wolf. „Wir mussten den Grundwasserspiegel für die Bauarbeiten absenken. Das heißt, wir müssen erst einen tieferen Brunnen bohren, um an das Grundwasser zu kommen.“

Bakterien

Nach dem Sandfang kommt das Belebungsbecken. Zwei Wasserstraßen sind es momentan, in denen sich Bakterien den Schadstoffen im Wasser annehmen. Von Kohlenstoff, Stickstoff und Phosphor ernähren sich die kleinen Tierchen und säubern so das Wasser auf natürliche Weise. In einem 4,5 Meter tiefen Becken fressen sie sich satt. Von unten pumpen Belüfter Sauerstoff in das Becken. „In der Natur passiert das durch die Strömung“, sagt Christian Wolf. Die beiden Belebungsbecken in der Mitte der Anlage sind momentan fast die einzige Station, die von der Baustelle nicht betroffen ist. Aber auch hier soll etwas passieren. „Der Beton wird saniert und wir bekommen neue Belüfterteller am Boden des Beckens“, sagt Michael Steinbach. Außerdem soll es in Zukunft ein drittes dieser Becken geben, damit noch mehr Wasser zeitgleich geklärt werden kann.

Nachklärbecken

Das immer noch sehr trübe Wasser fließt weiter ins Nachklärbecken – die letzte Station der Kläranlage. In dem riesigen runden Becken sinkt der Bakterienschlamm nach unten. Nach einigen Stunden fließt das Wasser sauber und klar in den Schermbecker Mühlenbach und dann in die Lippe. „Die Qualität dieses Wassers muss unabhängig von der Baustelle immer gleich sein. Wir können also nicht einfach eine Station abschalten. Vor jedem Schritt muss über ein Provisorium nachgedacht werden“, erklärt Christian Wolf.

Wie kompliziert das ist, zeigt sich beim Vorgehen der Umbauarbeiten. Neben der Kläranlage grasten früher Kühe, heute werden dort zwei neue riesige Nachklärbecken gebaut. Zwischen diesen neuen Becken und den beiden alten Belebungsbecken legen die Bauarbeiter ein dickes Rohr. Dazu haben sie eine Trasse gebuddelt und viele alte Leitungen gefunden, die sie nun umgehen müssen. Wenn die neuen Nachklärbecken dann in Betrieb sind, wird das alte in ein drittes Belebungsbecken umgebaut. Sobald das fertig ist, können die beiden alten Belebungsbecken saniert werden. „Es gab im Vorfeld wahnsinnig viele Planungen, Ideen und Genehmigungen, die wir einholen mussten“, sagt Michael Steinbach. Bereits vor zwei Jahren haben die Vorbereitungen begonnen.

Arbeiten im Container

Mitten auf der Baustelle, zwischen Löchern und Wegen für die Bagger, stehen zwei Container. Sie sind das Reich von Thomas Frieling, der als einziger Arbeiter die Kläranlage in Schermbeck betreut. Da das Betriebsgebäude auch gerade entkernt wird, steuert er die Anlage von hier aus. „Lärm, Kälte, Hitze. Es ist schon ein ganz anderes Arbeiten in so einem Container“, sagt Thomas Frieling. Im November soll das neue Betriebsgebäude fertig sein, dann zieht Frieling wieder um. Mit dem Baustellenlärm wird er aber noch länger leben müssen. Erst in vier Jahren werden die Bauarbeiten an der Kläranlage in Schermbeck abgeschlossen sein. 

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