Knoblauchkröten fühlen sich wohl in der Dammer Lippeaue

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Mit sechs Männchen und zwei Weibchen begann vor vier Jahren die Nachzucht der bedrohten Knoblauchkröte. Die Art hat die Lippeaue inzwischen als ihre Heimat akzeptiert.

Schermbeck

, 15.04.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Um den Bestand der Knoblauchkröte zu erhöhen, die in der nordrhein-westfälischen Roten Liste der gefährdeten Tierarten geführt wird, startete die Biologische Station des Kreises Wesel (BSKW) im Jahr 2014 ein Projekt, das sechs Jahre später als gelungen gilt.

„Dass sich die Knoblauchkröte in der Lippeaue so wohlfühlt, ist kein Wunder“, sagt Projektleiterin und Diplom-Landschaftsökologin Johanna Kasper. „In die offenen Sandböden der Binnendünen, Magerweiden und -wiesen können sich die Kröten besonders gut eingraben – so verbringen sie den Großteil des Jahres.“

Nachtaktive Kröten graben sich für zehn Monate im Boden ein

Bei der gezielten Suche nach den äußerst seltenen Knoblauchkröten wurden die BSKW-Mitarbeiter Anfang der 2010er-Jahre im Kreis Wesel nur im Naturschutzgebiet Lippeaue Damm-Bricht fündig. Das etwa 1000 Hektar große Gebiet entlang der Lippe besteht vorwiegend aus Wiesen und Weiden mit eingestreuten Eichen-, Buchen und Erlenbruchwäldern.

Insbesondere die großflächigen Magerrasen und -weiden in der sandgeprägten Auenlandschaft der alten Lippe bei Damm sind ideal für die Knoblauchkröte, die auf offene, warme Standorte in direkter Nähe zu ihrem Laichgewässer angewiesen ist. „Denn fast zehn Monate eines Jahres verbringt die nachtaktive Art im Boden vergraben in einer Art Wohnhöhle – bis zu 60 Zentimeter tief und geschützt vor Austrocknung und Fressfeinden“, so Johanna Kasper.

Artenschutzprojekt des NABU Münsterland startete 2012

Um dem Aussterben der Knoblauchkröte entgegenzuwirken, entwickelte die NABU-Naturschutzstation Münsterland ab 2012 in Kooperation mit dem LANUV und den Kreisen Warendorf und Borken ein Artenschutzprojekt zum Schutz der Knoblauchkröte. Ein wichtiger Bestandteil war dabei die Nachzucht der vom Aussterben bedrohten Art. 2014 startete auch das Projekt der BSKW mit fachlicher und finanzieller Unterstützung durch den Kreis Wesel und die NRW-Stiftung. Die Neuanlage von vier Gewässern in der Lippeaue wurde darüber hinaus vom Land NRW getragen.

Nach dem regenreichen Jahresbeginn 2016 führte die BSKW im März 2016 eine Fangaktion in der Dammer Lippeaue durch. Mit Hilfe eines 400 Meter langen Amphibienfangzauns entlang von zwei Laichgewässern gelang es, acht Knoblauchkröten zu fangen. Im April wurden diese sechs Männchen und zwei Weibchen der NABU-Naturschutzstation Münsterland übergeben. Bereits nach zwei Tagen laichten die Weibchen in der Nachzuchtstation.

387 junge Exemplare wurden 2016 in der Lippeaue ausgesetzt

387 junge Knoblauchkröten mit einem Gewicht von mehr als 15 Gramm wurden am 23. August 2016 von Westfalen aus ins rheinische Damm gebracht und zusätzlich zu etwa 1800 Kaulquappen auf einer Weide der Dammer Familie Steinkamp in der Lippeaue ausgesetzt. Inzwischen sind fast vier Jahre vergangen, und die Kröten scheinen sich prächtig vermehrt zu haben.

Mit der Aussetzung von 387 jungen Knoblauchkröten wurde im August 2016 im Rahmen eines NABU-Projekts begonnen.

Mit der Aussetzung von 387 jungen Knoblauchkröten wurde im August 2016 im Rahmen eines NABU-Projekts begonnen. © Helmut Scheffler (Archiv)

„Anfang der letzten Woche waren tagsüber etwa ein Dutzend Knoblauchkröten in den Gewässern der Lippeaue zu hören“, berichtet Johanna Kasper. „Das ist schon einmal ein gutes Zeichen. Wie viele nachts rufen, kann ich nicht sagen. Der Wasserstand ist in vielen Gewässern in der Lippeaue leider schon wieder gesunken, aktuell aber noch okay. Bei schönsten Sonnenstrahlen und gut gefüllten Gewässern beginnt das Krötenkonzert unter Wasser. Mit leisem ,wock-wock-wock‘ werben die männlichen Knoblauchkröten um die Gunst der Weibchen. Die Rufe können dabei kaum bis an Land gehört werden, hier hilft ein Unterwassermikrofon.“

Das regenreiche Frühjahr macht Hoffnung auf Kröten-Nachwuchs

In den letzten Frühjahren fanden regelmäßig Kontrollgänge an den Gewässern statt, um den Wasserstand, eine mögliche Beschattung und Fischbesatz zu überprüfen und natürlich nach rufenden Tieren zu hören. „In sehr trockenen Jahren - wie 2018 und 2019 - blieben die Tiere aber die meiste Zeit im Boden, denn es fehlten Laichgewässer“, sagt Johanna Kasper. Doch jetzt, nach einem regenreichen Frühjahr, seien die Gewässer entlang der Lippe voll und die Chancen für ein erfolgreiches Knoblauchkröten-Jahr stünden gut.

Im Sommer 2020 sollen erneut junge Kröten ausgesetzt werden

„Diesen Sommer sollen erneut junge Knoblauchkröten aus der Nachzucht im Naturschutzgebiet ausgesetzt werden und die Population der älteren Knoblauchkröten aus 2016 ergänzen“, kündigt Johanna Kasper an. Ermöglicht werde dies durch das Integrierte LIFE-Projekt ,Atlantische Sandlandschaften‘, koordiniert durch die Bezirksregierung Münster.

Neben 15 Lebensraumtypen sei die Knoblauchkröte eine von zehn Fokusarten, für die in diesem Großprojekt zwischen 2016 und 2026 zahlreiche Naturschutzmaßnahmen umgesetzt würden. Ausführliche Informationen dazu gibt es unter www.sandlandschaften.de.

„Wenn alles gut läuft, gibt es in der Lippeaue somit dieses Jahr Nachwuchs von Knoblauchkröten aus verschiedenen Generationen. Wir halten die Ohren offen und die Daumen gedrückt“, freut sich Johanna Kasper über die erwartete Stärkung der Population.

Angst-Sekret riecht nach Knoblauch

2007 wurde die Knoblauchkröte „Lurch des Jahres“
  • Um auf ihre Gefährdung in der Natur aufmerksam zu machen, wurde die Knoblauchkröte zum „Lurch des Jahres“ 2007 ernannt.
  • Der namensgebende Knoblauchgeruch, der diesem Froschlurch nachgesagt wird, ist höchstens bei einer starken Schreckreaktion wahrnehmbar. Das dabei abgegebene Sekret dient der Feindabwehr.
  • Zum Verhaltensrepertoire bei der Feindabwehr sollen auch das aktive Angreifen und Beißen des Gegners gehören sowie das Ausstoßen eines Schreckrufes, der Kleinkindschrei ähnelt.
  • Wesentlich regelmäßiger sind in Bedrohungssituationen jedoch passive Verhaltensweisen wie das Aufblähen des Körpers oder geducktes Zusammenkauern zu beobachten.
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