Kontroverse Diskussion um problematische Kanu-Anlegestelle

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Eine neue Kanu-Anlegestelle mit Parkplatz und WC soll an der Lippe geplant werden. Doch vor dem Beschluss lieferten sich die Ausschussmitglieder eine kontroverse Diskussion.

Schermbeck

, 11.03.2020, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass Kanu- und Kajak-Fahrer ein Wirtschaftsfaktor für Schermbeck seien, bezweifelte Klaus Roth (BfB). Diese würden nach dem Ausstieg in Schermbeck wieder nach Hause und nicht in ein Schermbecker Restaurant fahren. Zudem werde die Anlegestelle vor allem von einem Dorstener Unternehmen genutzt: „Dann soll sich doch die Stadt Dorsten bemühen“, so Roth mit Blick auf den Dorstens Kämmerer Hubert Große-Ruiken (CDU), und eine Anlegestelle bauen. Der konterte: „Wir haben eine.“

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Bürgermeister Mike Rexforth sagte zu Roths Äußerungen, diese seien „von so viel Unkenntnis geprägt, da fehlen mir die Worte“. Wenn sich Roth die Mühe gemacht hätte, so Rexforth, mit Schermbecker Gastronomen zu sprechen, wisse er, dass viele Kanuten in den Gaststätten einkehrten. Man rede von 12.000 bis 15.000 Kanuten, die bei gewerblichen Touren pro Jahr in Schermbeck ein- und aussteigen. Hinzu kommen die privaten Wassersportler.

„Der Binnentourismus zieht stark an“, sagte Rexforth. Wirtschaftsförderer Gerd Abelt sagte, dass andere Kommunen gerne die touristische Möglichkeit von Kanutouren hätten. Im Kreis Recklinghausen seien einige Abschnitte für Kanus gesperrt, so Rexforth.

„Die Naturschutzverbände laufen Sturm dagegen“

Es gebe einen „enormen Druck auf das Naturschutzgebiet Lippe“, sagte Ulrike Trick (Grüne) und kritisierte: „Man kann mit allem über die Lippe schippern im Kreis Wesel. Das führe zu Betriebsfeiern mit Alkoholgenuss und Lagerfeuern - „die Naturschutzverbände laufen Sturm dagegen“.

Auch die Anlegestelle unter der Maassenstraße ist durch „Gewohnheitsrecht" entstanden, wie Thomas Heiske (parteilos) es nennt. Die Politiker fürchten, dass Kanuten sich wieder „wilde" Einstiege suchen könnten, wenn es keinen Ersatz für diese Anlegestelle gibt.

Auch die Anlegestelle unter der Maassenstraße ist durch „Gewohnheitsrecht" entstanden, wie Thomas Heiske (parteilos) es nennt. Die Politiker fürchten, dass Kanuten sich wieder „wilde" Einstiege suchen könnten, wenn es keinen Ersatz für diese Anlegestelle gibt. © Berthold Fehmer

Thomas Heiske (parteilos), der selbst in seiner Freizeit auf der Lippe unterwegs ist, gab ihr Recht. „Das stimmt, es wird gesoffen. Und zum Teil wild uriniert.“ Engelbert Bikowski (CDU) gab aber zu bedenken, dass dies natürlich nicht auf alle Wassersportler zutreffe. Heiske und Rainer Gardemann (CDU) prognostizierten, dass die Kanuten sich wilde Ausstiege suchen würden, wenn die derzeit genutzte Anlegestelle an der Lippebrücke der Maassenstraße geschlossen werde. Straßen.NRW will den dortigen Parkplatz aufgeben.

Finanzielle Beteiligung soll geklärt werden

Die Verwaltung wurde bei einer Gegenstimme von Ulrike Trick beauftragt, die Planung voranzutreiben. Dabei soll nicht nur geklärt werden, wer die Betriebskosten und die Unterhaltung (unter anderem WC-Reinigung) der Anlegestelle übernehme, sondern auch, inwieweit der kommerzielle Anbieter aus Dorsten sich an der Finanzierung der Anlegestelle beteiligt, die auch von privaten Kanuten genutzt werden wird.

Sowohl mit den Betreibern der Forellenzucht Naroda, in deren Nähe die Anlegestelle entstehen soll, als auch dem Kanutouren-Anbieter seien diese Dinge bereits vorbesprochen worden, sagte Rexforth - beide hätten Bereitschaft signalisiert.

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