Kreis kündigt Überprüfung weiterer Campingplätze an

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Die Kündigung aller Bewohner eines Campingplatzes schlägt bei den Betroffenen hohe Wellen. Der Kreis will auch andere Campingplätze auf baurechtliche Mängel überprüfen.

Schermbeck, Dorsten

, 07.02.2020, 13:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich hatte die Familie Strauch, Betreiber des Campingplatzes Sybergshof in Gahlen, beabsichtigt, mit einer Änderung des Flächennutzungs- und Bebauungsplans den Schritt von der rechtlichen Grauzone in die Legalität zu machen.

Statt eines „Camping- und Zeltplatzes“ sollte in den Plänen ein „Camping- und Wochenendplatz“ eingezeichnet werden. Dies sowie eine Klärung aller Brandschutzfragen hätte Holzhäuser der Bewohner, die lange geduldet wurden, wieder auf die rechtlich sichere Seite gebracht.

„Gefahr für Leib und Leben“

Doch eine Klage eines ehemaligen Bewohners des Platzes bei der Bezirksregierung sorgt nun dafür, dass jetzt alles anders läuft. Fehlenden Brandschutz, sogar eine „Gefahr für Leib und Leben“, machte der Kläger geltend. Der Kreis ordnete nach Erstellung einer umfangreichen Mängelliste die Stilllegung des Campingplatzes an, wogegen die Campingplatz-Betreiber Einspruch erhoben.

Eva Richard, Sprecherin des Kreises: „Die beanstandeten Mängel könnten durch eine Vielzahl einzelner Rückbauten behoben werden. Es haben mehrere konstruktive Gespräche zwischen Kreis und Betreiber stattgefunden. Zuletzt konnte aber keine vollständige Einigung über die weiteren erforderlichen Maßnahmen erzielt werden.“

Eilantrag gestellt

Dies sei der Grund gewesen, weshalb der Kreis Wesel am 20. Dezember 2019 dem Betreiber des Campingplatzes Sybergshof vor allem wegen Brandschutzmängeln per Ordnungsverfügung die Nutzung untersagt habe. „Dagegen hat der Betreiber Klage eingelegt und einen Antrag auf Herstellung der aufschiebenden Wirkung, einen sogenannten Eilantrag, gestellt. Die Entscheidung, ob die Nutzungsuntersagung vollzogen wird, liegt somit beim Gericht. Eine Entscheidung zu beiden Fragen steht noch aus“, so Richard.

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Der Kreis Wesel habe als untere Bauaufsicht unter anderem die Aufgabe, sicherzustellen, dass brandschutzrechtliche Vorgaben eingehalten werden. Dies liege im allgemeinen öffentlichen Interesse und geschehe außerdem zum Schutz der Bewohnerinnen und Bewohner des Campingplatzes. Richard: „Andere Campingplätze im Kreisgebiet werden ebenfalls hinsichtlich bauordnungsrechtlicher Mängel geprüft werden.“

Wirtschaftsförderer kann Ärger der Betroffenen verstehen

Zur Anordnung der Stilllegung sowie zur Frage des Brandschutzes wollte sich der Schermbecker Wirtschaftsförderer Gerd Abelt auf Anfrage nicht äußern: Der Kreis sei zuständig. Den Ärger der Betroffenen könne er aber „gut verstehen“, sagt Abelt.

„Es wurde schon einiges umgesetzt“, so der Wirtschaftsförderer mit Blick auf die Campingplatzbetreiber und -bewohner, und die Schermbecker Politik habe Aufstellungsbeschlüsse für den Flächennutzungs- und Bebauungsplan gefasst. „Man ist auf einem guten Weg gewesen“, sagt Abelt und dies sei, wie er aus Gesprächen mit dem Kreis erfuhr, bei diesem auch bekannt.

Die Campingplatzbetreiber monieren unter anderem, dass von Betreibern anderer Campingplätze in der Vergangenheit nicht so ein aufwendiges Verfahren mit Änderung von Flächennutzungs- und Bebauungsplan gefordert worden sei. Dies sei im vorliegenden Fall nach Aufforderung durch den Kreis Wesel so geschehen, sagt Abelt.

Falls die Campingplatzbetreiber das Änderungsverfahren für Flächennutzungs- und Bebauungsplan weiter betreiben wollte, werde man dies natürlich weiter begleiten.

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