Landeskrebsregister sieht derzeit keine Häufung von Krebsfällen nach Ölpellets-Skandal

rnÖlpellets-Skandal

Bislang ist beim Landeskrebsregister keine Häufung von Krebsfällen in Schermbeck und Hünxe zu verzeichnen. Angesichts des Ölpellets-Skandals soll nun genauer hingeschaut werden.

Schermbeck

, 18.01.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hiltraud Kajüter ist Sachbearbeiterin beim Landeskrebsregister in Bochum. Die Befürchtungen, die Krebsrate könne in Gahlen und Gartrop in der Nähe des Mühlenbergs, wo 30.000 Tonnen giftiger Ölpellets illegal vergraben wurden, gestiegen sein, sind bereits zu ihr vorgedrungen.

Auswerten könne das Landeskrebsregister nur bis auf die Gemeindeebene, sagt Kajüter. Ortsteile, selbst in Großstädten wie Köln, würden nicht erfasst. Für Schermbeck und Hünxe habe es bereits eine Anfrage des Gesundheitsamts des Kreises Wesel gegeben. „Damals wurden die 2015er-Daten überprüft“, so Kajüter. Auffälligkeiten hätten diese nicht gezeigt.

Im aktuellen Bericht des Landeskrebsregisters finden sich die 2016er-Zahlen. „Ende des Monats bekommen wir die Zahlen für 2017“, sagt Kajüter. „Wir können die Daten also noch nicht bis 2019 ansehen.“

Mit Behörden in Kontakt

„In keinster Art und Weise“ könne das Landeskrebsregister kausale Beziehungen zu Emissionen herstellen, sagt Kajüter. Da ihr die Problematik um den Ölpellets-Skandal bewusst ist, will Kajüter, sobald die Daten für 2017 vorliegen, mit dem Gesundheitsamt des Kreises Wesel sowie mit dem Gesundheits- und Umweltministerium in Kontakt treten, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Auch mit den Bürgermeistern will Kajüter eventuell Kontakt aufnehmen.

Angesichts vieler unterschiedlicher Krebsformen sagt Kajüter, dass hilfreich wäre, wenn man wüsste, wonach man suchen solle. Wenn exakt bekannt wäre, welche Schadstoffe im Mühlenberg vergraben wurden, könnte man daraus auf möglicherweise resultierende Krankheiten schließen. Die Forderung, exakt zu untersuchen, welche Giftstoffe im Mühlenberg sind, hat das Gahlener Bürgerforum schon oft wiederholt. Klarheit könnte vielleicht das von der Umweltministerin versprochene unabhängige Gutachten bringen.

Empfinden deckte sich nicht mit den Zahlen

Die Aussagen von Anwohnern, dass sich Krebsfälle im Umfeld häufen, könne auch auf das subjektive Empfinden zurückzuführen sein, sagt Kajüter. Als Beispiel nennt sie eine Diskussion in Dortmund-Dorstfeld, wo auf einem ehemaligen Zechengelände in den 1980er-Jahren ein Wohngebiet entstand. Kontaminierte Böden vermuteten Anwohner als Ursache dafür, dass sie mehr Krebsfälle im Umfeld feststellten. Doch dieses Empfinden deckte sich nicht mit den Zahlen.

„Krebs ist eine Erkrankung des Alters“, sagt Kajüter. In einem älter werdenden Wohngebiet steige die Wahrscheinlichkeit für Krebserkrankungen. „Dass die Menschen älter werden, sorgt auch dafür, dass sie ihren Krebs erleben“, so Kajüter. Auch die besseren Heilungschancen durch die moderne Medizin bewirkten, dass Menschen mit Krebs beispielsweise nach zehn Jahren erneut an Krebs erkranken können, die früher wesentlich früher gestorben wären.

„Die Hausbesitzer waren nicht amüsiert“

Wenn die Statistik tatsächlich höhere Krebszahlen für ein bestimmtes Gebiet ausweise, könne es sich immer noch um einen Zufall handeln, so Kajüter. Mit der Veröffentlichung müsse man sensibel umgehen. „Die Hausbesitzer waren nicht amüsiert“, sagt Kajüter über den Dortmunder Fall, als die Krebsfälle zum öffentlichen Thema wurden. Wer will in so einem Gebiet schon ein Haus kaufen oder eine Wohnung mieten?

Ungeachtet dieser ganzen Bedingungen sei das Landeskrebsregister aber bereit zu helfen, betont Kajüter. Jeder Bürger könne Auskunft erhalten. Klaus Roth (BfB), der eine Anfrage ans Robert-Koch-Institut gestellt hatte, wurde von dort zwischenzeitlich zum Landeskrebsregister verwiesen und hat seine Nachfrage nun dort gestellt.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt