"Luther-Eiche" ist verschwunden

"Verkehrssicherungspflicht"

An mehreren Stellen werden derzeit im Gemeindegebiet Bäume beseitigt. An einem dieser Bäume hängt sogar ein Stück Gemeindegeschichte. Umso mehr ärgern sich einige Schermbecker, dass die vor 80 Jahren gepflanzte Eiche vor der ehemaligen reformierten Kirche nahe der Burg ohne Beteiligung der Öffentlichkeit entfernt wurde.

von Von Helmut Scheffler

, 19.11.2013, 17:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Es ist keine x-beliebige Eiche", schrieb Pfarrer Wolfgang Bornebusch in der Dezember-Ausgabe (1983) des Gemeindebriefes der evangelischen Georgsgemeinde und verwies darauf, dass die Eiche am 19. November 1933 im Rahmen einer Feier zum 450. Geburtstag Martin Luthers gepflanzt worden sei.

Es gibt sogar noch ein Programm der Feier vom Sonntag, dem 19. November 1933. Der Eingangsgesang mit der Dankzeile an Gottes Gnade, "dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade", hat fast auf den Tag 80 Jahre seine Wirkung nicht verfehlt. Vielleicht hätte der Baum überleben können, wenn die Verantwortlichen den Vorschlägen des Gutachters Carsten Müller-Neuhöffer gefolgt wären. Der war im Zusammenhang mit der anstehenden Renovierung des kleinen Kirchleins am 11. März 1999 von der Gemeinde beauftragt worden, die Bäume im Umfeld der ehemaligen reformierten Kirche zu untersuchen.

"Stark beeinträchtigt"

Das Ergebnis für die noch stehende Linde und die jetzt beseitigte Eiche wurde am 16. April 1999 dem gemeindlichen Bau- und Denkmalausschuss vorgelegt. Für die Luthereiche, die damals einen Stammumfang von 1,60 Meter besaß, formulierte der Gutachter folgendes:

  • "Infolge der zu kleinen Baumscheibe von nur 2,50 m Durchmesser und der Versiegelung der angrenzenden Flächen ist der Baum in seinem Wachstum sehr stark beeinträchtigt. Dieses zeigt sich besonders am schlechten Triebwachstum und dem vielen Totholz... Das Totholz ist fachgerecht auszuschneiden. Zur langfristigen Sicherung und Erhaltung dieser Luthereiche muss die Baumscheibe im Traufbereich ausreichend vergrößert werden. Die angrenzenden Flächen sind mit wasser- und luftdurchlässigem Pflaster zu versehen. Sollte im mit Fahrzeugen befahrenen Wurzel- und Traufbereich eine Vergrößerung der Baumscheibe nicht möglich sein, sind Wurzelbrücken einzubauen. Eine Vitalisierung mit Mykorrhizapilzen und eine Vorratsdüngung mit dem Tree-Life-Verfahren wird in den nächsten 3 - 5 Jahren wieder zu einem besseren Wachstum führen und der Baum wird auch wieder mehr Blattmasse haben."

Wie Tiefbauamtsleiter Günther Gätzschmann gestern der Dorstener Zeitung mitteilte, wurden diese Maßnahmen aus der Zeit vor seiner Amtsleitung nicht durchgeführt. So blieb dem Baum aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht keine Chance, die Erwartungen des Gutachters zu erfüllen. Die Reste können nun auf dem Lagerplatz am Tiefen Weg besichtigt werden.

Was mit dem freien Platz vor dem ehemaligen Kirchlein passieren soll, ist noch offen.

 

 

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