Marienheim-Leiter Klaus Optenhövel geht - und hat noch viel vor

rnMarienheim

Mehr als 20 Jahre war Klaus Optenhövel Leiter der Schermbecker Alten- und Pflegeeinrichtung Marienheim. Jetzt kündigt er seinen Abschied an, will aber noch nicht „in den Lehnsessel“.

Schermbeck

, 14.04.2020, 15:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit 33 Jahren ist Klaus Optenhövel bei der Caritas in leitenden Funktionen tätig. Am 1. Januar 2000 startete er als Einrichtungsleiter im Marienheim an der Erler Straße - am 7. Mai 2020 ist sein letzter Arbeitstag dort. Die Entscheidung für Schermbeck habe er damals aus praktischen Gründen gefällt, sagt der Dorstener. Denn zuvor war er bei der Caritas in Köln und Bergisch Gladbach eingesetzt. „Wenn am am Tag bis zu 400 Kilometer gefahren ist, hat man irgendwann keine Lust mehr.“

Für den Schermbecker Standort habe noch etwas gesprochen: „Ich wollte mit Ordensschwestern arbeiten.“ Warum das? „Weil das eine andere Form der Zusammenarbeit und Begegnung ist.“ Ordensschwestern, die in Einrichtungen wohnten und lebten, seien weitaus mehr für die Menschen da, „als wenn wir Hauptamtlichen unseren Dienst machen“, sagt Optenhövel.

Ordensschwestern gibt es im Marienheim seit 2012 nicht mehr. „Wir haben den Weggang der Schwestern kompensieren können“, sagt Optenhövel. „Wir hatten auch Zeit, um uns darauf einzustellen.“

„Der heilige Bürokratismus“

Veränderungen haben Optenhövel in den 20 Jahren ständig begleitet. Stichwort Pflegereformen. „Wir waren ständig damit beschäftigt, uns zu verändern, obwohl die Arbeit immer die gleiche geblieben ist.“ Das größte Problem sei „der heilige Bürokratismus“, so Optenhövel. „Die Theorie-Praxis-Verschränkung ist in den letzten Jahren schwieriger geworden.“ Doch die Begegnung mit Menschen habe er immer „als sehr schön“ wahrgenommen.

Der Pflegebereich ist derzeit im Fokus der Öffentlichkeit: „Es wäre schön, wenn es nicht nur jetzt Applaus gäbe, sondern gesellschaftlich hingeschaut würde, was der soziale Bereich für die Gesellschaft tut. Das ist nicht nur ein Kostenfaktor“, sagt Optenhövel.

Coronavirus bedeutet für Optenhövel die schwierigste Zeit

Was war Optenhövels schwierigste Zeit in Schermbeck? „Die erlebe ich jetzt zum Schluss“, sagt der 62-Jährige. Das Coronavirus sei sehr anders als vorherige, „weil man nicht weiß, ist einer krank oder nicht, wer hat es in sich oder nicht. Aber auch diese Phase ist miteinander gut zu meistern.“

Jetzt lesen

Mit viel Kommunikation wolle man Angehörigen und Bewohnern die Ängste nehmen. „Wir haben von den Nachbarn Briefe bekommen für die alten Menschen. Enkelkinder malen. Wir sind dabei, auch noch ein Tablet anzuschaffen, damit wir auf andere Weise kommunizieren können.“ Es werde sehr viel telefoniert und im Eingangsbereich gebe es einen Post-Eingang und -Ausgang, der rege zum Austausch mit der Außenwelt genutzt werde.

„Man muss kreativ damit umgehen“, sagt Optenhövel, der seinen Mitarbeitern diesbezüglich ein hohes Lob ausspricht. Die Bewohner würden jeden Tag an die frische Luft gebracht. Und: „Wir müssen Kommunikation herstellen bei denen, die es nicht mehr selbst können.“ Noch sei viel Verständnis da, wobei sich der Einrichtungsleiter im Klaren ist: „Der Lagerkoller wird irgendwann kommen.“

„Es ist sehr familiär“

Was Optenhövel an Schermbeck zu schätzen gelernt hat, ist das Miteinander. Es gebe viele Zugezogene aus dem Ruhrgebiet, zahlreiche Vereine, ein gutes Miteinander der Kirchengemeinden und der politischen Gemeinde. „Es ist sehr familiär: Das mag vielleicht nicht jeder, ist auch nicht immer einfach, war und ist aber eine gute Kombination.“

Jetzt lesen

Bereits jetzt wird Optenhövels Nachfolgerin Angela Lause eingearbeitet. „Eine Pflegefachfrau durch und durch“, lobt Optenhövel. Die 51-jährige Pflegeexpertin war zuletzt freiberufliche Pflegeberaterin/Pflegesachverständige in stationären, teilstationären und ambulanten Einrichtungen. Darüber auch freiberufliche Dozentin an Fachseminaren für Pflegeberufe.

Das Schermbecker Marienheim bekommt eine neue Leiterin.

Das Schermbecker Marienheim bekommt eine neue Leiterin. © Berthold Fehmer

Noch nicht bereit für den Lehnsessel

Mit 62 Jahren ist Optenhövel noch nicht bereit für den Lehnsessel. In der Beratung und Begleitung von Menschen sei er seit Längerem unterwegs, um mit ihnen die Frage zu beantworten: „Was mache ich in meinem Leben?“ Optenhövel ist ausgebildeter geistlicher Begleiter, begleitet auch Gruppen oder Kirchengemeinden etwa bei der Erstellung von Pastoralplänen. Zudem ist er als Fortbildungsreferent tätig.

Daneben haben sich Optenhövel und seine Frau zu Schlaf- und Entspannungspädagogen fortbilden lassen. „Mit kassenärztlicher Zulassung“, so Optenhövel. Und auch als „Qi Gong“-Lehrer (eine chinesische Meditations-, Konzentrations- und Bewegungsform) will Optenhövel arbeiten. „Die Heilwirkung ist wissenschaftlich erprobt, deshalb erkennen die Krankenkassen das auch an.“ 75 bis 80 Prozent der Kosten würden diese erstatten.

Mit Menschen wird Optenhövel also weiter arbeiten. „Damit aufhören, das will und das kann ich nicht.“ Allerdings wird der 62-Jährige ein bisschen Verantwortung abgeben und als „Hausmann“ seine Frau unterstützen. „Ich freue mich auch darauf, noch ganz viele Bücher zu lesen, die ich noch nicht geschafft habe.“

Lesen Sie jetzt