Neue Wölfin: Warum zieht es immer mehr aus dem Rudel in unsere Region?

rnWolfsgebiet Schermbeck

Eine Verwandte der Wölfe aus dem Wolfsgebiet Schermbeck ist aus Niedersachsen kommend in Reken und Haltern nachgewiesen worden. Warum zieht es immer mehr Wölfe aus dem Rudel in die Region?

Schermbeck

, 20.10.2020, 12:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

Drei Losungsfunde konnte das Senckenberg Forschungsinstituts in Gelnhausen per genetischer Untersuchung eindeutig einer Wölfin aus dem Rudel Schneverdingen zuordnen. Die Kennung: GW1800f. Die Nachweise erfolgten am 8. und 20. Mai bei Reken (Kreis Borken) sowie am 19. Juli bei Haltern am See (Kreis Recklinghausen).

„GW1800f stammt aus dem niedersächsischen Rudel Schneverdingen und trägt aus diesem Grund dasselbe genetische Merkmal, den Haplotyp HW02, wie die ebenfalls aus diesem Rudel stammenden Wölfe im Territorium Schermbeck“, so das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW in einer Mitteilung.

Unter Haplotypen versteht man Varianten einer Nukleotidsequenz auf ein und demselben Chromosom im Genom eines Lebewesens. In Deutschland bei Wölfen am meisten verbreitet ist der Haplotyp HW01. Die Wölfe in unserer Region seien meistens vom Typen HW01 und HW02, so LANUV-Sprecher Wilhelm Deitermann.

Weitere Wolfsnachweise ohne Individualisierung

Es gab noch weitere Wolfsnachweise: Genetische Spuren eines Wolfes mit dem Haplotyp HW02 konnten ebenfalls an einem am 18. Mai in Dülmen (Kreis Coesfeld) gefundenen Wildtierkadaver nachgewiesen werden, so das LANUV. Dort war eine Individualisierung nicht möglich. Es liege aber sehr nahe, dass es sich um dieselbe Wölfin gehandelt haben könne, so Deitermann.

Und dies gelte auch für die Aufnahmen am 26. Juni gegen Mitternacht mithilfe einer Fotofalle von einem Wolf auf dem Gebiet der Gemeinde Reken (Kreis Borken) gemacht wurden. Alter, Geschlecht und Identität des betreffenden Wolfes sind auf den Aufnahmen der Fotofalle nicht zu erkennen. Ausschließen könne man allerdings auch nicht, dass ein zweiter Wolf in der Zeit durch das Gebiet gewandert sei, sagt Deitermann, doch aufgrund der zeitlichen Nähe geht er eher davon aus, dass es sich um die Wölfin handelte.

Im April 2018 wurde Wölfin Gloria (GW954f) erstmals in Schermbeck nach- und am 1. Oktober 2018 das Wolfsgebiet Schermbeck ausgewiesen. Dass ihr Bruder mit der Kennung GW1587m auch im Wolfsgebiet sesshaft wurde, meldete das LANUV im Mai dieses Jahres. Nun erscheint eine weitere Verwandte in der Region.

„Man weiß nie, wohin ein Tier läuft“

Das wirft die Frage auf, warum mehrere Nachkommen des Rudels Schneverdingen die rund 250 Kilometer nach Südwesten auf sich nehmen, um in diese Region zu gelangen. Wilhelm Deitermann: „Purer Zufall. Man weiß nie, wohin ein Tier läuft.“ Er könne auch nicht über die Gründe spekulieren, warum die Wölfin sich hier für rund acht Wochen aufgehalten habe.

Wolfsnachweise, die über ein halbes Jahr einem bestimmten Wolf zugeordnet werden, können dazu führen, dass ein Wolfsgebiet ausgewiesen wird. Was würde also passieren, wenn ab November die Wölfin erneut in der Region nachgewiesen werden könnte? Bislang habe man seit dem 19. Juli keine weiteren Hinweise auf die Wölfin erhalten, so Deitermann, der auch darauf hinweist, dass keine Nutztierrisse seitens dieser Wölfin verzeichnet wurden. „Das wäre das, was alle möchten: Ein Wolf, den man nicht sieht und hört, wo nichts passiert. Das wäre ein optimaler Zustand.“

„Wir müssen abwarten, wie sich das entwickelt“

Falls ein weiterer Wolfsnachweis in der Region geführt werden könnte, „würde mit der Prüfung begonnen werden, ob man ein Wolfsgebiet daraus machen müsste“, so Deitermann. Ob dann das Wolfsgebiet Schermbeck erweitert würde? Deitermann sagt, dass die Nachweise am Rand des Wolfsgebiets Schermbeck in der Pufferzone geführt wurden. „Wir müssen abwarten, wie sich das entwickelt.“

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