Ölpellets illegal in Tongrube bei Hünxe entsorgt?

Prozess um Umweltskandal

Ein mutmaßlicher Umweltskandal beschäftigt ab Dienstag (20. Juni) das Bochumer Landgericht. Es geht um die angeblich illegale Entsorgung von umweltgefährdenden Ölpellets in einer Tongrube an der Eichenallee in Hünxe - und zwar einer nicht geringen Menge: Es soll sich sich um 30.000 Tonnen handeln.

Schermbeck / Bochum

16.06.2017 / Lesedauer: 2 min

Angeklagt sind drei Männer und eine Frau – darunter ein vorbestrafter Abfallmakler und ein Kaufmann aus Schermbeck. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, zwischen April 2010 und April 2015 knapp 30.000 Tonnen Ölpellets mit anderen Industrieabfällen vermischt und ohne umweltrechtliche Erlaubnis in eine Tongrube an der Eichenallee in Hünxe gekippt und einplaniert zu haben.

Ursprüunglich als Ersatzbrennstoff weiterverkauft

Nach Erkenntnissen der Ermittler waren die Ölpellets bei der Schwerölvergasung in der Gelsenkirchener Raffinerie der Ruhr Oel angefallen. Ursprünglich waren sie offenbar als Ersatzbrennstoff weiterverkauft worden, bis es in mehreren Lagern von Industrieunternehmen zu Bränden kam. Die Pellets konnten sich scheinbar leicht selbst entzünden.

Da andere lukrative Absatzmöglichkeiten angeblich nicht in Sicht waren, sollen die Angeklagten, von denen sich einer vertraglich zur Abnahme großer Mengen verpflichtet haben soll, dazu übergegangen sein, die Pellets heimlich zu entsorgen – und zwar in Hünxe. Damit der Skandal nicht auffliegt, sollen die klebrigen und stark riechenden Ölpellets zuvor mit anderen Abfallstoffen, unter anderem Flugasche und Recyclingsand, vermischt worden sein.

Öllpellets sehen aus wie Kaviar

Laut Anklage sind die Ölpellets (die aussehen sollen wie Kaviar) wegen ihres Schwermetall- und Kohlenwasserstoffgehalts geeignet, Gewässer und Böden zu gefährden. Lukrativ soll die Entsorgung gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sich die beiden 54 und 48 Jahre alten Hauptangeklagten stark bereichert haben.

Die Richter der 2. Strafkammer am Bochumer Landgericht haben für den Prozess zunächst zwölf Verhandlungstage vorgesehen. Mit den Urteilen ist wohl erst im Oktober zu rechnen.