Ölpellets-Skandal: Angeklagter bleibt verschwunden

Prozess abgetrennt

Dramatische Entwicklung im Prozess um den mutmaßlichen „Giftmüllskandal“ in der Tongrube an der Eichenallee: Das Verfahren gegen den hauptangeklagten Abfallmakler Ingo L. wurde am Dienstag offiziell abgetrennt – ein Suizid wird befürchtet.

Schermbeck/Bochum

von Werner von Braunschweig

, 29.08.2017 / Lesedauer: 2 min
Ölpellets-Skandal: Angeklagter bleibt verschwunden

Das Bild zeigt den vermissten Abfallmakler beim Prozessauftakt im Juni (rechts daneben Verteidiger Ralf Neuhaus).

Vom 54-Jährigen fehlte am Dienstag am Bochumer Landgericht zum zweiten Mal hintereinander jede Spur. Zuvor hatte es offenbar auch Hinweise auf einen gefundenen Abschiedsbrief mit einer Suizid-Ankündigung gegeben. „Ich hoffe sehr, dass er noch lebt“, sagte Verteidiger Dr. Ralf Neuhaus am Rande des Prozesses. Der Kontakt zum Mandanten sei zuletzt aber völlig abgerissen.

Möglicher Todesfall

Weder die Richter der 2. Wirtschaftsstrafkammer noch die Staatsanwaltschaft haben zwischenzeitlich neue Informationen über Aufenthaltsort beziehungsweise Zustand des Abfallmaklers ermitteln können. „Wir wissen nicht, was mit ihm los ist“, sagte Richter Markus van den Hövel. Staatsanwalt Dr. Marc Sotelsek sprach die Befürchtung eines möglichen Todesfalls sogar aus: „Ob der Angeklagte noch lebt oder bedauerlicherweise nicht“, so der Ankläger, könne, solle und dürfe letztlich nicht zu Nachteilen für die Mitangeklagten führen. Während deren (nach Teilgeständnissen gut fortgeschrittener) Prozess nun fortgesetzt wird, wurde das Verfahren gegen den vermissten Hauptangeklagten abgetrennt. Sollte Ingo L. wieder auftauchen, würde gegen ihn in einem separaten Prozess verhandelt.

„Giftgrube“

Laut Anklage sollen Abfallmakler Ingo L. und drei Mitangeklagte, unter anderem ein 48-jähriger Schermbecker, aus purer Gewinnsucht die Tongrube an der Eichenallee in eine Art „Giftgrube“ verwandelt haben. Zwischen April 2010 und April 2015 sollen dort fast 30 000 Tonnen Ölpellets (ein Produkt, das bei der Schwerölvergasung anfällt) verkippt und einplaniert worden sein. Der Schermbecker soll beruflich unter Druck gestanden haben, täglich 40 Tonnen der schwarzen Kügelchen „kostensparend zu beseitigen“.

Der vermisste Abfallmakler war im Juni 2014 in Bochum in einem Komplex aus Scheinrechungen, Schmiergeld und Millionenschäden zu einer 18-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Der Prozess wird fortgesetzt.

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