Der Angeklagte an der Seite seiner zwei Verteidiger beim Prozessauftakt im Juni 2021. Links: Rechtsanwalt Lars Brögeler. © Werner von Braunschweig
Landgericht Bochum

Ölpellets-Skandal: Wortgefechte um Erinnerungslücken

Dicke Luft im Bestechungs- und Untreue-Prozess gegen den Ex-Nottenkämper-Prokuristen: Verteidigung und Zeugenbeistand gerieten verbal aneinander. Anlass waren Erinnerungslücken.

In teils hitziger Atmosphäre ist am Dienstag der Bestechungs- und Untreueprozess gegen den ehemaligen Prokuristen (58) der Firma Nottenkämper fortgesetzt worden. Auslöser war die Zeugenvernehmung eines Cousins des ehemals kaufmännischen Nottenkämper-Chefs.

In dem Prozess, bei dem die mutmaßlich illegale Entsorgung von 30.000 Tonnen Ölpellets in der Tongrube in Schermbeck bleiben weiterhin ausgeklammert ist, geht es in erster Linie darum, dass der Abfallmakler einst bei einer Lieferung von 181.000 Tonnen Eisensilikatsand seinen Chef hintergangen, heimlich eine Provision in Höhe von 5,50 Euro pro Tonne eingestrichen und auf seine private Millionenschuld bei dem Lieferanten anrechnen lassen haben soll.

Dass sich ein Cousin des verhandlungsunfähigen Nottenkämper-Chef nach eigenen Angaben bei Vertragsgesprächen an den Begriff einer „Verrechnungsabrede“ („Das ist ganz beiläufig gefallen“) allerdings an keine Einzelheiten mehr erinnern konnte, hinterfragte Verteidiger Lars Brögeler kritisch. Was die Anwältin des Zeugen prompt lautstark rügte – und dafür wiederum zurechtgewiesen wurde vom Gericht. Es folgte eine Sitzungsunterbrechung zur Abkühlung der Gemüter.

Verteidiger Lars Brögeler hatte bereits zuvor behauptet, dass dem Angeklagten ein Mitverdienen von Provisionen erlaubt gewesen sei, weil eine Verrechnungsabrede allseits bekannt gewesen sei.