Originalstück der Berliner Mauer enthüllt

Gesamtschule

Ein Denkmal, das zum Denken anregen soll: Ein mit dem Bildnis Nelson Mandelas verziertes Original-Teilstück der Berliner Mauer wurde am Dienstag an der Gesamtschule Schermbeck enthüllt.

SCHERMBECK

, 16.06.2015, 17:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als „Zeichen der Macht“ bezeichnete Bürgermeister Mike Rexforth bei der Enthüllung des Teilstücks der Berliner Mauer an der Schermbecker Gesamtschule am Dienstagmittag die Grenze, die Berlin trennte. „Ein Zeichen der Macht der Menschen. Es erinnert daran, dass nichts für ewig ist, wenn die Menschen das nicht wollen.“ Bevor das verhüllte Mauerstück am Projekttag „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ den Gästen und Gesamtschülern präsentiert wurde, dankte Rexforth dem ehemaligen Schermbecker Elmar Prost, der das Mauerstück gestiftet und auch den Transport finanziert hatte. Dessen Bruder Kurt Prost nahm den Dank in Vertretung entgegen: „Mein Bruder ist derzeit in Bulgarien.“ Außerdem dankte Rexforth der Firma „W.O.L.F.“ aus Marl, die die 3,5 Tonnen Beton am Montagnachmittag mit einem Autokran an die richtige Position gehievt hatte. Frank Braun vom gleichnamigen Schermbecker Garten- und Landschaftsbau-Betrieb hatte das Fundament gegossen, Rexforths Bruder Lars die erforderliche Statik errechnen lassen.

"Sektkorken knallten"

Mike Rexforth erinnerte an den Tag vor fast genau 25 Jahren, als begonnen wurde, die Berliner Mauer abzureißen. „Sektkorken knallten, Wunderkerzen brannten“. Er schlug einen Bogen zur derzeitigen Situation der Flüchtlinge. „Wir führen heute zum Teil absurde Diskussionen.“ Auch die Schülersprecher Bastian Ressing und Nele Vennemann äußerten ihre Gedanken. „Welche Mauern haben wir vielleicht in unseren Köpfen?“, fragte Vennemann. Ressing gab zu, dass den Schülern die Geschichte zur Berliner Mauer und dem auf dem Teilstück abgebildeten Nelson Mandela „nicht so präsent war, wie es das hätte sein müssen“. 400 Luftballons ließen die Schüler nach der Enthüllung des Mauerstücks steigen.

"In der Schule gedrängt"

Spannend war das anschließende Podiumsgespräch. Zunächst stellten Schüler die Ergebnisse der Beschäftigung der Q1 mit dem Thema „Erinnern für die Zukunft – Heimat Deutschland vor“. Anschließend befragten sie vier Lehrer, die in der ehemaligen DDR aufgewachsen sind. Etwa danach, was ihre Kindheit von der ihrer Kinder unterscheide. Matthias Trost: „Man wurde schon in der Schule gedrängt, einer politischen Vereinigung beizutreten. Hat man das nicht getan, standen einem nicht mehr alle Schulabschlüsse offen. Und ans Studieren war dann nicht mehr zu denken.“ Auf die Frage, was er als erstes nach dem Mauerfall getan habe, antwortete Lehrer Thorsten Ahr unter dem Gelächter der Schüler: „Ich habe mir eine Packung Twix gekauft.“ Ernst wurde es, als Trost erzählte, wie er im Wehrdienst zwei Stunden von der Stasi verhört wurde, da ein unter Verschluss stehendes Dokument verschwunden war. Oder dass das ein subventioniertes Zwei-Kilo-Brot umgerechnet für 12,5 Cent zu haben war. „Das waren Dinge, die die DDR in den Ruin getrieben haben.“

Mike Rexforth stellte sich den Fragen zur aktuellen Flüchtlingssituation und erläuterte, warum die Gemeinde mit der Caritas zusammen arbeite. Die Mitarbeiter des Sozialamts seien „keine Sozialpädagogen oder Psychologen“. Und dass man gern viel mehr für die Flüchtlinge tun würde, aber die finanziellen Mittel dies leider nicht zuließen. 

Lesen Sie jetzt