Marihuana sowie Pillen und ein Butterfly-Messer fanden Polizeibeamte bei einem 22-jährigen Schermbecker. (Symbolbild) © picture alliance / dpa
Drogen

Polizisten finden Drogen und Messer im Auto eines 22-Jährigen

Marihuana, diverse Pillen und ein Butterfly-Messer haben Polizeibeamte bei einem 22-jährigen Schermbecker im Auto gefunden. Aussagen eines Dealers brachten weitere Vorwürfe zu Tage.

Am 21. März 2021 durchsuchten die Beamten das Auto des gebürtigen Dorsteners (22), der mittlerweile in Schermbeck lebt. Dabei fanden sie Marihuana, Diazepam-Tabletten und andere, Druckverschluss-Tüten, Feinwagen und einen „Crusher“, der aufgrund von Anhaftungen wohl zum Zerkleinern von Marihuana eingesetzt wurde. Dazu ein Butterfly-Messer, das als Waffe eingestuft wird.

Vor dem Schöffengericht am Weseler Amtsgericht musste sich der Schermbecker am Donnerstag aber nicht nur dafür verantworten: Vorgeworfen wurde ihm vom Staatsanwalt auch, in zwölf Fällen von September bis Dezember 2020 wöchentlich jeweils 50 Gramm Marihuana und fünf Gramm Kokain gekauft und teilweise weiterverkauft zu haben, um so Einnahmen zu generieren.

„Weil es preislich billiger war“

Über seinen Anwalt räumte der Angeklagte ein, er habe in drei Fällen von September bis November jeweils einmal 50 Gramm Marihuana gekauft. „Für sich selbst“, so der Anwalt. Einmal im Monat, „weil es preislich billiger war“, so der Angeklagte. Drogen verkauft habe er nicht.

Es gebe Indizien, die für einen Verkauf sprechen könnten, so der Richter. So war das Mobiltelefon des Angeklagten ausgewertet worden. Ein Bekannter habe ihn darüber gefragt: „Kannste nicht mal einen oder so locker machen?“ Der Rechtsanwalt wies umgehend auf die damals vom Angeklagten gegebene Antwort hin: „Reicht leider echt nicht.“ Was mit dem Kokain gewesen sei, fragte der Staatsanwalt den Angeklagten: „Ich hab’s mal probiert.“

Ein 23-jähriger Schermbecker hatte ihm die Drogen verkauft. Dieser wurde als Zeuge vom Richter darauf hingewiesen, dass er vom Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen könne, weil sein Verfahren noch nicht abgeschlossen sei und er sich nicht selbst belasten müsse.

„Bin überrascht über so eine Verteidigungsstrategie“

Überrascht war der Staatsanwalt, dass der Zeuge trotzdem aussagen wollte. Dies sei mit seinen Verteidigern abgesprochen, gab er auf Nachfrage zu Protokoll. „Ich bin überrascht über so eine Verteidigungsstrategie“, so der Staatsanwalt kopfschüttelnd.

Der 23-Jährige bestätigte, dem Angeklagten dreimal Marihuana verkauft zu haben. Jeweils „um die 50 Gramm“. Und eine kleine Menge Kokain. Hierauf belehrte der Richter den Zeugen erneut, „dass Sie sich selbst verdächtig machen, vor der Polizei falsch ausgesagt zu haben. Möchten Sie noch mehr dazu sagen?“ „Nö!“

Bei der Polizei hatte der Zeuge nämlich am 10. Dezember 2020 ausgesagt, er habe dem Angeklagten zweimal monatlich 20 bis 30 Gramm verkauft. Aber auch, dass er ihm jede Woche 5 Gramm Kokain und 50 Gramm Marihuana verkauft habe. „Seine Erinnerung ist anscheinend nicht mehr die allerbeste“, folgerte der Richter, der dies auf Drogenkonsum zurückführte.

„Das wurde mir alles zu viel“

Der Vorwurf des gewerbsmäßigen Verkaufs sowie von neun Fällen von Drogenbesitz waren damit nicht aufrecht zu erhalten. Blieben noch vier Fälle von Drogenbesitz und der unrechtmäßige Waffenbesitz. Der Angeklagte, der bereits als Jugendlicher wegen Drogenhandels verwarnt worden war, sagte, er sei nun drogenfrei. „Das wurde mir alles zu viel. Ich will meinen Job nicht verlieren.“

Der Staatsanwalt forderte ein Jahr Haft, ausgesetzt zur Bewährung, und eine Geldauflage von 1.500 Euro. Der Rechtsanwalt plädierte für eine niedrigere Freiheitsstrafe, vielleicht sogar nur eine Geldstrafe. Am Ende waren es acht Monate Haft, ausgesetzt zur Bewährung.

Laut Urteil muss der Angeklagte sich drei Jahre straffrei halten und bekommt einen Bewährungshelfer. Zudem ordnete der Richter halbjährliche Drogenscreenings an und eine Geldauflage von 1.500 Euro an die FITKIDS-Beratungsstelle in Wesel, die Kindern aus suchtbelasteten Lebensgemeinschaften hilft. Der Rechtsanwalt behielt sich das Einlegen von Rechtsmitteln vor, lobte aber die angeordneten Drogenscreenings: „Das wird viel zu selten gemacht.“

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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Berthold Fehmer