Einen Rechtsanspruch von acht Stunden Förderung an fünf Tagen die Woche sollen Grundschulkinder ab 2026 erhalten. (Symbolbild) © picture alliance / Marcel Kusch/dpa
Grundschule

Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung: Was heißt das für Schermbeck?

Einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung wird es ab 2026 für Grundschulkinder geben. Was würde das für Schermbeck bedeuten?

Bundesweit nutzen etwa die Hälfte der Grundschulkinder ein Ganztagsangebot. Das Bundesfamilienministerium geht von einem Bedarf von etwa 75 bis 80 Prozent aus. Die Lücke soll nun geschlossen werden – zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Ab dem 1. August 2026 hat jedes Kind in der ersten Klasse den Rechtsanspruch, der jedes weitere Jahr um eine Klassenstufe ausgeweitet werden soll: Ab 2029 hätten dann alle Grundschulkinder Anspruch auf eine Förderung von acht Stunden an fünf Tagen die Woche – Unterricht eingerechnet.

„Es sind noch viele Dinge im Unklaren“

Das klingt eindeutig, ist es für Gerd Abelt, Vertreter des Bürgermeisters, aber noch nicht. „Es sind noch viele Dinge im Unklaren.“ Die SPD in NRW hatte sich nach der Einigung von Bund und Ländern gegen einen „Billig-Ganztag“ ausgesprochen. „Es macht Sinn, dass, wo Schule drauf steht, auch Schule drin ist“, so SPD-Schulexperte Jochen Ott.

Für Abelt klingt das nach Ganztagsschule. Bislang habe beim Offenen Ganztag eher die Betreuung im Vordergrund gestanden. Abelt verweist auf die Landtagswahl im kommenden Jahr: „Wie soll der Offene Ganztag 2026 aussehen? Das steht noch gar nicht fest.“

Schermbeck hat bereits jetzt eine hohe Ganztag-Auslastung an beiden Standorten der Grundschule Schermbeck von etwa 70 Prozent. „Das ist eine ganz schöne Nummer, die wir schon heute stemmen“, so Abelt: Mehr könne man derzeit nicht unterbringen. „Wir stoßen an räumliche Kapazitäten.“

„Die OGS kann man direkt mitplanen“

Beschlossen ist vom Rat, dass die Grundschule Schermbeck künftig am Standort an der Weseler Straße zusammengelegt werden soll. Dadurch, dass die Initiatoren eines Bürgerbegehrens ihre Klage kürzlich zurückgezogen haben, könnten nun die Planungen zur räumlichen Zusammenlegung beginnen. „Die OGS kann man direkt mitplanen.“

Was die Zeitschiene betrifft, glaubt Abelt, dass die Zusammenlegung der Schulstandorte an der Weseler Straße bis 2026 abgeschlossen sein dürfte. „Das sollte machbar sein.“ Doch er sagt auch: „Wir haben schon über ein Jahr Zeit verloren. Ich hoffe, dass wir nicht noch mehr Zeit verlieren durch Dinge, die wir nicht beeinflussen können.“

Offen ist etwa noch die Frage, ob es für die Baumaßnahmen Fördermittel gibt und wenn ja, wie viel. Ein „Bildungszentrum“ hatten die Schermbecker im Ratsbürgerentscheid abgelehnt – stattdessen soll ein Teil der Gebäude an der Weseler Straße erhalten bleiben und durch einen Neubau ergänzt werden. Ob das den von Fördergebern erwünschten „Pilot-Charakter“ hätte, konnte Abelt noch nicht sagen. „Aber da wir finanziell nicht auf Rosen gebettet sind, sollten wir das nicht unversucht lassen.“

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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Berthold Fehmer