Schermbecker droht nach Schlägen und Tritten Ordnungshaft

rnKörperverletzung

Mit Faustschlägen und Tritten soll ein Oberhausener einen Schermbecker malträtiert haben. Der Schermbecker muss sich nun auf ein Ordnungsgeld oder fünf Tage Haft einstellen.

Schermbeck

, 20.10.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit Baseballschlägern bewaffnet soll eine siebenköpfige Gruppe, die zuvor bei einer Gartenparty zusammengefunden hatte, am 14. Juli 2018 den Garten eines Schermbeckers gestürmt haben. Der war jedoch nicht zu Hause, stattdessen ein anderer Mann. Als dieser der Gruppe, die dabei war, sich zu entfernen, folgte und mit seinem Handy ein Foto von ihnen machte, drehten sich die sieben Männer um. Der 34-jährige Oberhausener soll mit Fäusten auf den Mann eingeprügelt haben, der auf den Hinterkopf fiel. Selbst am Boden habe der 34-Jährige noch auf sein Opfer eingetreten und die anderen Männer sollen drumherum gestanden haben.

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So lautet die Anklage am Weseler Amtsgericht. Bereits im Januar 2020 war der Fall dort verhandelt worden. Drei Männer waren angeklagt, der Rest konnte nicht ermittelt werden. Eine völlig andere Geschichte hatten die Angeklagten erzählt. Der 34-Jährige, der zuvor viel Alkohol getrunken hatte („Ich hatte mir vorher eine Flasche Whisky reingekloppt“), sei gestürzt, so der 24-jährige, und mit der Hand in eine Scheibe des Nachbarhauses gefallen. Dem Geschädigten habe er 30 Euro als Schadensersatz gegeben und sogar seine Handynummer dagelassen.

„Dann hat uns Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht“

Da der Geschädigte sowie eine weitere Zeugin nicht erschienen waren, wurde der Fall im Januar auf April vertagt. „Dann hat uns Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht“, so der Richter am Montag in Wesel beim Fortsetzungstermin.

Doch auch bei diesem neuen Termin konnte nicht geklärt werden, welche Rolle der 34-Jährige, sein Bruder, der zum Tatzeitpunkt angeblich im Hafturlaub, aber gar nicht in Schermbeck war, und ein weiterer Oberhausener (24) gespielt haben. Denn erneut fehlten die Zeugen - trotz ordnungsgemäßer Ladung.

„Vielleicht scheuen die nur die Situation hier im Sitzungssaal“

„Vielleicht scheuen die nur die Situation hier im Sitzungssaal“, vermutete der Richter und verhängte gegen alle drei geladenen Zeugen, den Geschädigten sowie zwei Frauen, ein Ordnungsgeld in Höhe von jeweils 250 Euro „ersatzweise fünf Tage Ordnungshaft“. Zudem müssen die Zeugen die Kosten des Verhandlungstags tragen.

Einer der drei Anwälte der Angeklagten zeigte zwar eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung einer 38-jährigen Zeugin, was dem Richter aber nicht ausreichte. „Sollte sie vom Arzt eine Bescheinigung bringen können, dass sie heute verhandlungsunfähig ist, kann ich darüber nachdenken, das Ordnungsgeld aufzuheben.“

Zeugin fühlte sich angeblich von der Polizei unter Druck gesetzt

Bereits in der ersten Verhandlung im Januar hatte der Richter die vielen Erinnerungslücken dieser Zeugin, die sich vor Gericht offensichtlich unwohl fühlte und bei der polizeilichen Vernehmung noch einen ähnlichen Tathergang wie der Geschädigte geschildert hatte, gefragt: „Hat Ihnen vielleicht jemand gesagt: Sei vorsichtig, was du aussagst?“ Bei der Aussage bei der Polizei sei sie unter Druck gesetzt worden, so die Zeugin damals. Der Richter behielt sich am Montag vor, den Polizisten, der damals die Aussage aufgenommen hatte, ebenfalls als Zeugen zu laden.

Als nächster Verhandlungstermin wurde vom Richter der 22. Februar 2021 festgesetzt. Einer der Angeklagten: „Dann Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch.“

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