Schermbecker Unternehmer Stephan Stender spendet für ein Projekt in Indien

Trinkwasser-Projekt

Einen Wasserhahn in Schermbeck aufdrehen und dann ein Glas mit gesundem Wasser füllen - für viele Menschen auf der Erde ein Traum. Zwei Schermbecker wollen in Indien diesen Traum erfüllen.

Schermbeck

, 13.10.2019, 16:30 Uhr / Lesedauer: 3 min
Schermbecker Unternehmer Stephan Stender spendet für ein Projekt in Indien

Pastor Xavier Muppala (r.) ist froh, in Stephan Stender (l.) einen großzügigen Spender für die Erzeugung sauberen Trinkwassers in seiner indischen Heimat gefunden zu haben. © Helmut Scheffler

In Ponugodu, einer indischen Ortschaft im Distrikt Nalgonda, kennt sich Xavier Muppala bestens aus. Der Pastor, der zurzeit in Schermbeck im Dienst ist, wuchs in dieser Region auf. Dort leben viele seiner Angehörigen. „Ponugodu ist eine Gemeinde in einer rückständigen Gegend“, beschreibt Muppala die Region.

Amtsantritt am 3. September 2013 in Schermbeck

Seit seinem Amtsantritt als Pastor von St. Ludgerus am 3. September 2013 hat er mit Unterstützung der Bevölkerung mehrere Projekte initiiert, um das Leben der Menschen in seiner Heimat zu verbessern. Dazu gehörten neben der Unterstützung mehrerer Schulprojekte auch der Aufbau einer Nähschule und der Bau einer neuen Kirche, die im November 2017 im Beisein einer Schermbecker Reisegruppe eingeweiht wurde.

An dieser Fahrt beteiligten sich auch der Schermbecker Unternehmer Stephan Stender und seine Frau Barbara. Beide zeigten sich beeindruckt von den schwierigen Lebensbedingungen vieler Menschen in Ponugodu und haben damals spontan beschlossen, einen Beitrag zur Verbesserung dieser Bedingungen zu leisten. Barbara Stender hat sich engagiert in die Förderung der Nähschule eingebracht. Ihr Mann Stephan hilft nun mit, dass neben der Nähschule eine Produktionsstätte entstehen kann, die der Bevölkerung sauberes Trinkwasser liefert.

Die Versorgung mit sauberem Trinkwasser ist in Ponugodu ein Problem. Zwar gibt es solches Wasser, aber es ist für einen Großteil der Bevölkerung nicht bezahlbar. Es werden keine öffentlichen Anstrengungen unternommen, das Problem anzugehen und der armen Bevölkerung zu sauberem Trinkwasser zu verhelfen. „Kommerziell angebotenes sicheres Trinkwasser kostet etwa fünf Euro pro 20 Liter“, berichtet Muppala und verweist darauf, dass dieses Wasser für Großfamilien mit einem täglichen Einkommen von etwa drei Euro unerschwinglich ist.

Wasser vermischt sich mit belastetem Wasser aus Abwassersystemen

Um den Wasserbedarf der Familie zu decken, entnehmen die Menschen Wasser aus offenliegenden Quellen oder pumpen Wasser aus angelegten Bohrlöchern. Dieses Wasser vermischt sich zum Teil mit belastetem Wasser aus dem offenen Abwassersystem. „Die hohe Belastung mit Fluoriden im Wasser verursacht viele Krankheiten“, so Stephan Stender, etwa die Schwächung des Skelett-Systems. Fluoride würden Verkalkungen der Knorpel verursachen, sie seien ein Gift für die Nieren. Xavier Muppala berichtet von einem hohen Anteil chronischer Nierenerkrankungen, die man bei Menschen in der Region Ponugodu festgestellt hat. Medizinische Forschungen haben zudem ergeben, dass eine Belastung mit Fluoriden Entzündungen der Herzkranzgefäße und Arteriosklerose verursachen.

Baukosten in Höhe von 50.000 Euro

Das Wissen um die Gefahren von verunreinigtem Trinkwasser hat Stephan Stender zu dem Entschluss gedrängt zu helfen. Den größten Teil der Baukosten in Höhe von 50.000 Euro finanziert er. Auch der Lions Club Wesel und die Sportwagenfahrer „Sandsportfreunde“ beteiligten sich mit jeweils 4000 Euro. Auch Pastor Muppala spendet regelmäßig Teile seines Gehaltes, damit eine Wasserfilterungsanlage errichtet werden kann. Von diesem Geld konnte Muppala ein 265 Quadratmeter großes Grundstück kaufen.

Schermbecker Unternehmer Stephan Stender spendet für ein Projekt in Indien

In diesem Gebäude werden nach der Einweihung im November 2019 2000 Liter Trinkwasser pro Stunde gewonnen. © privat

Im Mai wurde der Grundstein gelegt. Inzwischen ist ein stabiles Haus mit einer Grundfläche von 23 mal 11 Metern entstanden, das über ein Erdgeschoss und ein Obergeschoss verfügt. Gegenwärtig stehen Verputzarbeiten an. Im November findet die Einweihung statt, an der auch Stephan Stender und Xavier Muppala teilnehmen. Das Projekt wird den Namen „Stender Mineral Water Plant“ tragen.

Die Einweihung findet im November statt

Die Anlage ist so dimensioniert, dass sechs Stunden täglich 2000 Liter Trinkwasser pro Stunde entstehen können. Für die Verteilung des Wassers wird noch ein Fahrzeug gekauft. Das Wasser soll in Behältern mit 20 Litern Trinkwasser in Ponugodu und den zehn benachbarten Villages Gaddipalle, Ganugabanda, Garidepalle, Kalmala Chervu, Kaluvapalle, Kuthubshapuram, Raini Gudem, Sarvaram, Tallamalkapuram und Velidanda verkauft werden. 20 Liter Trinkwasser kosten rund 25 Cent, also 20-mal weniger als kommerziell vertriebenes Wasser. Der enorme Preisunterschied ergibt sich aus dem Geschäftsprinzip. „Der Kaufpreis dient nicht dazu, einen Profit zu erwirtschaften“, beschreibt Stender das Geschäftsmodell. Der Preis sei so angesetzt worden, dass mit den Einnahmen die Instandhaltung des Gebäudes und der Anlage ebenso finanziert werden kann wie laufende Kosten, zu denen die Stromkosten ebenso gehören wie die Kosten für die zur Reinigung benötigten Chemikalien, der Verdienst des Anlagenbetreuers und die Kosten fürs Tanken und für die Reparaturen des Autos.

Dank der Spenden konnte der Bau errichtet werden und der normale Betrieb ist gesichert. Um aber Rücklagen für unvorhergesehene Maßnahmen bilden zu können, sind Spenden herzlich willkommen. Diese Spenden können unter dem Verwendungszweck (Indien-Projekt) auf das Konto DE 06 4006 9363 0101 0059 02 der Katholischen Kirchengemeinde St. Ludgerus bei der Volksbank Schermbeck überwiesen werden.

Während seines Besuches in der Ludgerusgemeinde im September hat der indische Bischof Govindu Joji den Schermbeckern gedankt für ihre Unterstützung mehrerer Projekte in Ponugodu, einer indischen Ortschaft im Distrikt Nalgonda. Er hat Stephan und Barbara Stender sowie Pastor Xavier Muppala, die im November an der Einweihung des Trinkwasser-Projektes teilnehmen werden, zum Tee eingeladen.
Schlagworte:
Lesen Sie jetzt