Es spricht sich so langsam herum, dass das Tennenfest des Gahlener Heimatvereins zu den interessantesten Events der Gemeinde Schermbeck gehört. Von Jahr zu Jahr kommen mehr Besucher.

Schermbeck

, 29.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Einen lehrreichen und erlebnisreichen Ausflug in die Lebens- und Arbeitswelt ihrer Vorfahren boten die Landtechnikfreunde des Heimatvereins Gahlen im Umfeld der „Ollen Schüer“ an der Bruchstraße. Ganztägig nutzten mehrere hundert Besucher die Gelegenheit, verschiedenen Arbeitsgruppen des mehr als 600 Mitglieder zählenden Heimatvereins bei der Arbeit zuzuschauen.

Auf dem Acker des Heimatvereins wurde der von den Landtechnikfreunden gesäte Roggen geerntet. Dabei wurden unterschiedliche Maschinen eingesetzt, die den technischen Wandel deutlich machten. Zum Einsatz kam ein Mähbinder, der von zwei Personen bedient wurde, von einem Traktorfahrer und von einem Arbeiter hinter einem großen Flügelrad auf dem Mähbinder, der dafür sorgte, dass die mit einem horizontalen Schneidwerk abgemähten Halme in rechter Weise auf das Plattformtuch fielen, von wo aus sie über zwei Elevatortücher zum Knüpfer gelangten.

Erntebrauchtum veränderte sich innerhalb weniger Jahrzehnte

Einen wesentlichen Fortschritt in der Landtechnik bedeuteten Dreschmaschinen. Eine Dreschmaschine des Herstellers Holthaus kam am Sonntag zum Einsatz. Während die Dreschmaschine durch das Nacheinander des Getreideabmähens und seines Drusches zwei gesonderte Arbeitsabläufe erforderlich machte, verbanden die ausgestellten Mähdrescher beide Arbeitsvorhänge. Wie sehr sich innerhalb von wenigen Jahrzehnten das Erntebrauchtum verändert hat, wurde deutlich, als Holger Hemmert mit einem Claas-Mähdrescher einen Teil des Roggenfeldes erntete.

Tennenfest gibt lehrreiche Einblicke in die Lebensweise der Vorfahren

Holger Hemmert zeigte mit einem Mähdrescher, wie sehr die Koppelung des Mähens und Dreschens die Arbeitsabläufe in den landwirtschaftlichen Betrieben verkürzte. © Helmut Scheffler

Heiner Gülker begleitete die Besucher gerne zu den vielen landwirtschaftlichen Geräten, deren Funktionsweise er erklärte. Dazu gehörte eine Mühle, die von einem Standmotor mittels eines Transmissionsriemens angetrieben wurde. Ludger Jansen zeigte den Zuschauern, wie man mit einem hydraulischen Hecklader einen Miststreuer belud und wie mit Streuwalzen am hinteren Ende des Dungstreuers der Mist auf den Feldern verteilt werden konnte.

Große Treckersammlung

Zahlreiche Traktoren der Hersteller Schlüter, Fendt, Bautz, Güldner, Massey-Fergusan und Lanz boten am Sonntag in Gahlen ein riesiges Open-Air-Museum. Die große Sammlung kam dadurch zu Stande, dass der Bestand der Gahlener Landtechnikfreunde um jene Traktoren erweitert wurde, die von den Treckerfreunden Hünxe und Hiesfeld, von den „Erler Ackergiganten“, vom Dreschclub Darfeld und von den „Dammer Kolbenfressern“ mitgebracht wurden.

Die Besucher hatten Gelegenheit, die sanierte Museumsscheune zu besichtigen. Mit Unterstützung der Ton-Stiftung-Nottenkämper konnten vor zwei Jahren die Sanierungsarbeiten an der Scheune abgeschlossen werden. So konnten die bisherigen Ausstellungsräume mit einer Vielzahl von Gerätschaften des alltäglichen Lebens um einen Gebäudeteil erweitert werden, der die Wohnweise der Vorfahren zeigt. Ein Schlafzimmer, ein Wohnzimmer, eine Küche und ein Vorratsraum bergen eine Vielzahl von Gerätschaften, die zu einer Wohnung gehörten, wie sie vor einem halben Jahrhundert aussah.

Tennenfest gibt lehrreiche Einblicke in die Lebensweise der Vorfahren

In der Klumpenkammer zeigten Claus Matrose und Stefan Krüger (v.r.), wie man Holzschuhe maschinell herstellen kann. © Helmut Scheffler

In der zur Museumsscheune gehörenden Klumpenkammer zeigten Claus Matrose und Stefan Krüger bei der Arbeit mit einer Kopierdrechselmaschine und einer Kopierfräse, wie man Holzschuhe maschinell herstellen kann.

Die „Historische Löschgruppe“ brachte Feuerwehrgerätschaften zum Einsatz, unter anderem eine Multicar-Drehleiter „MC 22-1“, die früher in der ehemaligen DDR im Einsatz war, im Jahre 2010 am Ende einer langen Odyssee nach Gahlen kam und dann erst einmal von Holger Hemmert restauriert werden musste.

In Zeiten von vollautomatischen Waschmaschinen kann man sich kaum noch vorstellen, dass in den Haushalten früher einmal ein ganzer Waschtag eingeplant wurde. Sabine Höchst und Beate Heyne vermittelten als „Waschwiever“ die beschwerliche Arbeit der Wäschepflege vor über einem halben Jahrhundert. Die älteren Besucherinnen konnten sich daran erinnern, wie sie selbst einmal am Waschbrett standen, mit einer „Miele 42“ das Auswringen der Wäsche bewerkstelligten oder mit einer Mangel die Falten aus den Wäschestücken beseitigten.

„Vom Schaf zur Socke“

Die Arbeitsgruppe „Vom Schaf zur Socke“ zeigte, wie man die Wolle der Schafe zu Garn verarbeiten kann, das fürs Stricken von Textilien verwendet wird.

Die Braugruppe hatte ihre Arbeit bereits vor Wochen für das Tennenfest erledigt. Ihr gebrautes „Göhlzen Lippebräu“ wurde zum Renner am Getränkestand. Für das leibliche Wohl sorgten gleich mehrere Verpflegungsstände.

Auch an die Kinder hatte der Heimatverein gedacht. Auf sie warteten eine Hüpfburg und eine Torwand. Country-Freunde wurden von der Sängerin Sally Sue bestens unterhalten. Um den Besuchern im Rahmen ihres fünften Auftritts beim Tennenfest ein paar musikalische Neuigkeiten zu bieten, ergänzte die Schermbeckerin ihre Western-Titel um Schlager und Oldies.

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