Terrorverdächtiger wohnte seit drei Jahren in Schermbeck

"Wenige soziale Kontakte"

Der am Mittwoch in Essen verhaftete Schermbecker (16), der mitverantwortlich für den Bombenanschlag auf den Essener Sikh-Tempel sein soll, ist 2013 von Dinslaken nach Schermbeck gezogen. „Wenige soziale Kontakte hier vor Ort“, soll der 16-Jährige laut Aussagen des Staatsschutzes gehabt haben, sagt Bürgermeister Mike Rexforth.

09.05.2016, 15:10 Uhr / Lesedauer: 1 min
Terrorverdächtiger wohnte seit drei Jahren in Schermbeck

Joginer Singh, ein Prediger des Sikh-Gemeindezentrums, zeigte am 21. April in Essen den zerstörten Eingangsbereich des Gebetshauses. Ein Schermbecker Jugendlicher soll für den Bombenanschlag mitverantwortlich sein.

Am 19. Januar wurde Rexforth erstmals vom Staatsschutz über den 16-Jährigen informiert, der sich islamistisch radikalisiere und einer terroristischen Vereinigung außerhalb Deutschlands anschließen wolle. „Wir reden über den IS“, so Rexforth. Um dies zu verhindern solle die Gemeinde ihm Reisepass und Personalausweis entziehen.

„Für uns war das Neuland“, gesteht Rexforth, der sich mit Landrat und Vertretern von Städten austauschte, die ähnliche Verfahren durchgeführt hatten. Der Verwaltungsakt sei beklagbar, so Rexforth: „Wir wollten keine Fehler machen. Sichergehen, dass uns vor Gericht keine Niederlage droht.“ Einen Tat später stellte die Gemeinde die Aufforderung zu, wiederum einen Tag später habe die Mutter die Dokumente übergeben. „Ohne Probleme“, so Rexforth. Der Jugendliche, „deutscher Staatsbürger“, erhielt Passersatzdokumente.

Hausdurchsuchung

Am Mittwoch vergangener Woche, dem Tag der Verhaftung, erfuhr Rexforth vom Staatsschutz, dass man den 16-Jährigen verdächtige, neben zwei Gleichaltirgen am Anschlag auf die Sikh-Hochzeit beteiligt gewesen zu sein, bei dem drei Menschen verletzt wurden. Auch die Hausdurchsuchung in Gahlen wurde angekündigt. Diese fand, wie berichtet, am Freitag statt. „Abgesprochen mit der Familie.“

„Nicht auffällig“

„Für uns war er nicht auffällig geworden“, sagt Rexforth als Gemeindevertreter über den 16-Jährigen und die Zeit von 2013 bis Januar 2016. Vom Staatsschutz habe er gehört, dass der 16-Jährige Schüler der Gesamtschule Schermbeck war, bis zum Ende der Regelschulzeit 2015, oft aber nicht am Schulunterricht teilgenommen habe. Weitere Auskünfte wollte Schulleiter Norbert Hohmann aufgrund des hohen Persönlichkeitsschutzes des Minderjährigen nicht geben. Es sei nicht zu vermuten, so Rexforth, dass der 16-Jährige viele Kontakte zu Schermbeckern gehabt habe. Mit ihm und der Familie habe der Staatsschutz Gespräche geführt. Auch Beratungsprogramme seien seines Wissens eingeleitet worden. Rexforth: „Im Alter von 16 Jahren hat man große Hoffnung, dass man an die Menschen herankommt.“ 

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