„Abgeschnitten“ – Gartencenter-Inhaber fürchten wegen Baustelle um ihre Existenz

rnRadwegneubau an L104

Sandra und Thomas Grebe ärgern sich über die Baustelle vor ihrem Gartencenter. Noch wütender macht sie die Informationspolitik des Bauträgers. Die Grebes erwägen nun drastische Maßnahmen.

Schermbeck

, 15.11.2019, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sandra und Thomas Grebe sind sauer. Der Grund: Die Baustelle vor ihrem Gartencenter macht ihnen die Geschäfte schwer. „Es kann uns niemand erreichen. Wir sehen unsere Existenz gefährdet“, sagt Sandra Grebe. Auf rund 40 Prozent beziffert sie die bisherigen Einbußen durch die Baustelle an der Ecke Nierleistraße / Kirchhellener Straße / Bestener Staße in Besten.

Am Wochenende droht wieder der Ausnahmezustand, denn dann wird die Kirchhellener / Bestener Straße voll gesperrt. „Wie eingeschneit. Dann sind wir komplett von der Außenwelt abgeschnitten“, ärgert sich Thomas Grebe. Denn auch über die Nierleistraße sind sie seit Wochen nicht erreichbar. Vollsperrung. „Da kommen 50 Prozent der Kunden her“, so Thomas Grebe.

Viel mehr als die Baustelle an sich ärgert ihn aber die Informationspolitik der Bauträger. Von der aktuellen Vollsperrung habe er erst in der Dorstener Zeitung erfahren, gemeldet habe sich bei ihm niemand. Für ihn vollkommen unverständlich: „Das wissen die doch lange vorher. Die stellen doch die Schilder her.“

„Jeder verweist woanders hin“

Bereits im Juni habe es eine Ortsbegehung mit den Vertretern von Straßen.NRW und der Gemeinde gegeben. Da habe man ihm noch mitgeteilt, dass keine Vollsperrung geplant sei. Kurz darauf sei dann die Nierleistraße gesperrt worden.

Daraufhin habe sich das Ehepaar an die Gemeinde Schermbeck gewendet. Die jedoch habe auf Straßen.NRW verwiesen. Bauamtsleiter Rainer Eickelschulte bestätigt: „Auftraggeber ist Straßen.NRW. Wir sind da nicht weisungsbefugt und auch nur Informationsempfänger.“

Jetzt lesen

Doch auch bei Straßen.NRW habe er keine Informationen erhalten, klagt Thomas Grebe. Immer wieder habe man ihm mitgeteilt, nicht zuständig zu sein. Bei der Regionalniederlassung in Mönchengladbach. Bei der Außenstelle Wesel. Auch an die ausführende Baufirma habe man sie verwiesen, sagt Sandra Grebe. „Jeder verweist woanders hin“, sagt ihr Mann.

Niemand zu sprechen bei Straßen.NRW

Während die Niederlassung Mönchengladbach für den Grunderwerb verantwortlich gewesen sei, liege die Zuständigkeit für Bau-Details bei der Unterabteilung, „nach unseren Erkenntnissen bei der Unterabteilung Wesel“, klärt Bauamtsleiter Eickelschulte auf.

Weder in der Pressestelle in Mönchengladbach noch in Wesel war am Freitag ein Sprecher für eine Stellungnahme zu erreichen. Die aktuelle Sperrung wiederum geht auf die Rheinisch-Westfällische Wasserwerksgesellschaft (RWW) zurück. Aber auch von dieser wurden die Grebes nicht informiert.

„Wir bringen den Bauarbeitern schon immer Kaffee und Brötchen, um an Infos zu kommen“, berichtet Sandra Grebe. Mit überschaubarem Erfolg. „Wir sind die letzten in der Kette, die irgendwas erfahren“, sagt einer der Bauarbeiter am Freitag.

Angst um das Hauptgeschäft im Frühjahr

„Dass man mit Einschränkungen rechnen muss, ist klar“, so Thomas Grebe. „Aber es gibt keine Infos, keine Ansprechpartner.“ Rainer Eickelschulte stellt Hilfe in Aussicht: „Wenn gar keine Kommunikation zustande kommt, können wir versuchen, Kontaktadressen weiterzugeben.“

Nun befürchten die Gartencenter-Inhaber, dass sich die Baustelle bis in die Hauptsaison im Frühjahr zieht. Und dann werde es dramatisch. „Da machen wir fast die Hälfte des Jahresumsatzes“, erklärt Thomas Grebe. „Es ist ein Saisongeschäft. Da müssen wir verkaufen“, sagt seine Frau. Schließlich hätten sie auch eine Verantwortung für die Angestellten.

Deshalb denken die beiden auch über drastische Maßnahmen nach. „Wenn sich das bis April oder Mai hinzieht, werden wir einen Anwalt einschalten und versuchen, die Baustelle stillzulegen“, sagt Thomas Grebe.

Lesen Sie jetzt

Jahrzehntelang haben Bürger für den Radweg zwischen Gahlen und Kirchhellen gekämpft: Ab Montag (14. Oktober) starten die Arbeiten. So lange muss die Landesstraße dafür gesperrt werden. Von Berthold Fehmer

Lesen Sie jetzt