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Unfallfahrer wegen fahrlässiger Tötung verurteilt

Eine Sekunde nicht aufgepasst

Ein Knall, ein Schrei. Laute Schleifgeräusche. „Was ist jetzt?“ „Ich bin in den Gegenverkehr geraten.“ Gebannt lauschten Prozessteilnehmer und -beobachter am Amtsgericht Wesel, was ein Diktiergerät am 8. Juni 2015 um 15.38 Uhr aufgezeichnet hatte. Jenen Moment, als ein 76-jähriger Mann aus Bad Essen tödlich verletzt wurde.

Schermbeck

, 02.09.2016 / Lesedauer: 2 min

Auf der Anklagebank: ein 64-jähriger Berufskraftfahrer aus Kleve. Er hatte an diesem Tag um 6 Uhr morgens einen Bauingenieur nach Bremen gefahren. Während der eine Baustelle kontrollierte, ruhte sich der Fahrer aus. Mittags ging es zurück. „Das ist ein sicherer Autofahrer“, sagte der Bauingenieur am Freitag über den 64-Jährigen, der mittlerweile Rentner ist, zu jener Zeit aber 80 000 bis 90 000 Kilometer pro Jahr fuhr.

"Ich kann es mir nicht erklären"

Am Unfalltag fuhren beide in einem BMW auf der B 58 in Richtung Wesel. Der Bauingenieur saß hinten rechts, diktierte, ohne auf den Verkehr zu achten, ein Baustellenprotokoll in sein Gerät, als es etwa in Höhe der Gaststätte Wortelkamp krachte. Mit einer Radbreite, so der Angeklagte, sei er in den Gegenverkehr geraten – der Sachverständige errechnete, dass mindestens die Hälfte des Wagens über die Mittellinie geraten sein musste. Warum? „Ich kann es mir nicht erklären“, sagte der Angeklagte kopfschüttelnd. Bevor er zurücklenken konnte, schrammte der BMW am Auto des 76-jährigen Mannes vorbei. Dabei wurde ein Rad vom BMW abgerissen, die Bremsanlage versagte. Trotzdem blieben der 65-Jährige und der Bauingenieur unverletzt.

76-Jähriger starb im Krankenhaus

Der 76-Jährige verlor hingegen die Kontrolle und kollidierte frontal mit dem nachfolgenden Transporter eines 30-jährigen Bochumers. Die Frau des 76-Jährigen auf dem Beifahrersitz überlebte, ihr Mann starb drei Tage später im Krankenhaus an Multiorganversagen – vermutlich auch, weil das Herz vorgeschädigt war, so ein Sachverständiger.

Sechs Monate

Der Staatsanwalt forderte vier Monate Freiheitsstrafe zur Bewährung, der Verteidiger ein mildes Urteil: „Eine Verkettung unglücklicher Umstände“. Die Richterin verhängte sechs Monate Freiheitsstrafe (drei Jahre Bewährung) sowie 1800 Euro Geldstrafe: „Ich bin mir durchaus bewusst darüber, dass das jedem von uns passieren kann.“

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