Vier Schafe wurden in Dinslaken gerissen. © AG Wolf
Wolfsgebiet Schermbeck

Vier Schafe gerissen – Massive Kritik am Wolfsmanagement

Vier Schafe wurden in Dinslaken hinter einem 1,90 Meter hohen Stabgitterzaun gerissen. Massive Kritik am Wolfsmanagement äußern Viehhalter und nennen zahlreiche Beispiele.

Mindestens drei Fährten seien am Dienstag auf dem Dinslakener Acker neben dem Zaun gefunden worden, hinter dem die Schafe getötet wurden, so Eckhard Vornbrock von der AG Wolf des Bürgerforums Gahlen. Der Zaun, 1,90 Meter hoch, sei zehn Zentimeter tief im Boden eingegraben. Es seien keine Untergrabungen gefunden worden. Oben am Zaun seien Haare gefunden und gesichert worden.

Hinter diesem Metallzaun wurden die vier Schafe gerissen.
Hinter diesem Metallzaun wurden die vier Schafe gerissen. © AG Wolf © AG Wolf

Auf dem Hof Neuenhoff im Schermbecker Ortsteil Damm bemängelten Viehhalter am Dienstagabend das Wolfsmanagement. Zum Gespräch mit 30 Personen aus den Kreisen Wesel, Kleve und Recklinghausen, überwiegend Viehhalter, hatten die CDU-Landtagsabgeordneten Charlotte Quik und Bianca Winkelmann eingeladen. Winkelmann ist Sprecherin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz der Landtagsfraktion.

30 Personen beteiligten sich am Dienstagabend auf dem Hof der Dammer Familie Neuenhoff an einem Gespräch über das Wolfsmanagement in NRW.
30 Personen beteiligten sich am Dienstagabend auf dem Hof der Dammer Familie Neuenhoff an einem Gespräch über das Wolfsmanagement in NRW. © Helmut Scheffler © Helmut Scheffler

Kritik an Umweltministerin Ursula Heinen-Esser, der mangelnden Unterstützung der Tierhalter seitens der Politik, der schleppenden Bearbeitung von Fragen an das Umweltamt (LANUV) und an der zu starken Einbeziehung von Naturschutzverbänden in die Behandlung von Wolfsproblemen seitens des LANUV wurde geäußert.

„Wir als Landwirte sind haftbar“

Hartmut Neuenhoffs Erfahrungen machten mehrere Schwachstellen deutlich. Nach einer Begegnung mit einem Wolf waren die Rinder so aufgeschreckt, dass ein Ausbruch aus der Lippeaue zu befürchten war. „Wir als Landwirte sind haftbar, wenn es zu einem Zusammenstoß zwischen den Tieren und Autos auf der Bundesstraße 58 kommt.“ Aus der Runde kam der Hinweis, dass Versicherungen dann eine Kündigung des Versicherung anstreben.

Als Neuenhoff sich am 20. Februar 2021 entschied, einen Antrag auf Einzäunung der Wiesen zu stellen, musste er drei E-Mails schreiben und zweimal anrufen, weil er keine Antwort von der Behörde erhielt. Am 5. Juli kam die Antwort, in der die Sorgen des Landwirts klein geredet wurden.

Als Neuenhoff in einer Videokonferenz am 10. März 2021 die Frage stellte, wieso ein Wolf einen vom LANUV genehmigten Zaun überqueren konnte, habe ihm LANUV-Vertreter Dr. Matthias Kaiser geantwortet: „Wir wissen nicht, wie er hineingekommen ist, aber gesprungen ist er nicht.“ Das sei typisch für die Kommunikation, so Neuenhoff.

Einsperrung der Tiere

Ein Kirchhellener Landwirt bemängelte den indirekten Zwang: Jahrelang habe man den Landwirten empfohlen, die Türen ihrer Ställe zu öffnen, und jetzt setzten die Behörden völlig kontrovers dazu auf eine Einsperrung der Tiere.

Als Vorsitzender der Schafhalter im Kreis Wesel kritisierte Maik Dünow, dass bei Schutzzäunen nur das Material gezahlt werde. Die Kosten für die Arbeit würden ebenso wenig übernommen wie für die Zaunpflege und für das regelmäßige Freischneiden, damit der Strom durch die Litze fließen könne. Hinzu kämen noch Personalkosten durch die Bearbeitung der Anträge.

Wölfe werden zusehends zu einem Problem für die öffentlichen Kassen. Auf eine entsprechende Frage verwies Bianca Winkelmann auf die Drucksache 17/14866 des NRW-Landtags vom 19. August 2021. Danach wurden in NRW seit Oktober 2018 insgesamt 941 Anträge auf Förderung von vorbeugenden Herdenschutzmaßnahmen gestellt.

Hohe Kosten für Herdenschutzhunde

Die Kosten für Herdenschutzhunde werden auch nicht komplett erstattet. Zu den 5.000 Euro für den Hund kämen die Kosten für Lehrgänge sowie pro Jahr etwa 1.200 Euro für Hundefutter. Die Teilnehmer wiesen zudem auf bellende Herdenschutzhunde in der Nacht hin, was Nachbarn verärgere. Probleme gebe es, wo Absperrungen Spaziergängern den freien Zugang verwehrten.

„Zehn Schafhalter in der Region haben schon aufgegeben“, gab Jürgen Höchst als Mitglied des Gahlener Bürgerforums zu bedenken. Dadurch entstehende Veränderungen in der Kulturlandschaft wurden auch von anderen Teilnehmern befürchtet. Höchst forderte ein Vier-Augen-Prinzip bei der Rissbegutachtung. „Wer Wölfe will, muss auch für deren Bejagung sein“, so Höchst. Gesetzgeber, Staat und Behörden müssten Wildtiere so managen, dass keine untragbaren Kosten entstünden. Es müsse eine Untergrenze für Europa und für Deutschland definiert werden, die den Fortbestand der Spezies Wolf sichere.

Neben den Belastungen durch den Wolf gebe es noch viele andere für Landwirte, sagte der Hünxer Landwirt Gisbert Fuest: Düngeverordnung, Insektenschutzpaket, Kälbertransport, Verordnung zur Lagerung von Gülle und Jauche, Nutztierverhaltungsverordnung, Cross Compliance, Uferrandstrandstreifen, Flächenstilllegung und anderes seien immer mehr Anforderungen – zu Preisen wie vor 30 Jahren. So könne man junge Leute nicht mehr für die Landwirtschaft gewinnen.

„Ich wurde bedroht von einem Wolfsbefürworter“

Heinrich Peters aus Hünxe geht davon aus, dass Wölfe lernten, mit den Menschen zu leben. Er berichtete von einem gefilmten fünfköpfigen Wolfsrudel in einem Hünxerwalder Vorgarten. „Der Wolf kommt den Menschen immer näher, aber auch der Mensch ist schützenswert.“ Peters warnte vor einer kleinen Gruppe von Naturschutzideologen, „die hervorragend vernetzt sind mit Politikern und Verwaltungen“. Peters berichtete: „Ich wurde bedroht von einem Wolfsbefürworter.“

„Keine Sprüche, sondern Taten!“, forderte Peters von den Politikern. „Wir nehmen den Druck von hier mit“, versprach Bianca Winkelmann, „und wir versuchen einen Weg zu finden, um den Wolfsbestand zu definieren und zu kontrollieren.“ Dass sich Charlotte Quick für eine „wolfsfreie Zone“ aussprach, freute die Versammlung.

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Im Verlauf von mehr als vier Jahrzehnten habe ich das Zusammenwachsen von acht ehemals selbstständigen Gemeinden miterlebt, die 1975 zur Großgemeinde Schermbeck zusammengefügt wurden. Damals wie heute bemühe ich mich zu zeigen, wie vielfältig das Leben in meinem Heimatort Schermbeck ist.
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Helmut Scheffler
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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Berthold Fehmer