Schwester Nila war bis zuletzt im Schermbecker Marien-Hospital tätig. Das Foto entstand im Herbst 1987. © Helmut Scheffler (A)
Krankenhaus

Vor 150 Jahren: Franziskanerschwestern begannen Dienst im Krankenhaus

Wenn Schermbecker ins Krankenhaus müssen, fahren sie meistens nach Dorsten, Wesel oder Borken. Doch das war nicht immer so. Vor 150 starteten Franziskanerschwestern ihren Dienst an Kranken.

Im Jahr 1994 feierten die Krankenschwestern vom Regulierten Dritten Orden des heiligen Franziskus in Münster ihr 150-jähriges Bestehen. 27 Jahre nach der Gründung (1844), am 24. Mai 1871, traf der von Pater Christoph Bernsmeyer gegründete Orden eine für Schermbeck bedeutsame Entscheidung: Vor 150 Jahren begann die Unterstützung des Schermbecker Krankenhauses durch die Mauritzer Franziskanerschwestern.

Das erste Schermbecker Krankenhaus stand auf dem Gelände der heutigen Arztpraxis Ammenwerth nahe der Burg. Am 24. Mai 1871 wurden die Schwestern Brigitta und Jovita in Schermbeck eingeführt. Dieses Marien-Hospital nahe der Burg, das Platz für 15 Patienten bot, wurde am 28. April 1889 nach einer entsprechenden Erlaubnis durch Kaiser Wilhelm von der Schermbecker Ludgerus-Kirchengemeinde als Eigentum übernommen.

Umzug zur Erler Straße

Schon bald stellte sich heraus, dass das Krankenhaus bei wachsender Bevölkerung nicht mehr ausreichte. Ein Neubau an der bisherigen Stelle wurde nicht genehmigt. Auf der Suche nach einem neuen Standort kam die Schenkung eines Grundstücks an der Erler Straße durch den Landwirt und späteren Bürgermeister Heinrich Schetter genau passend.

Der Neubau wurde vom Duisburger Architekten Otto Höing geplant. 20 Betten waren vorgesehen. 1909 begannen die Bauarbeiten. Die Arbeiten gingen so zügig voran, dass Pfarrer Hockenbeck die Einweihung noch im selben Jahr vornehmen konnte. 136 Kranke wurden bereits 1909 behandelt. Dr. Siepmann wurde Leitender Arzt. Vier Schwestern vom Dritten Orden des heiligen Franziskus standen ihm zur Seite.

Hälfte des Krankenhauses im Krieg zerstört

In den ersten Jahren des Zweiten Weltkrieges blieb das Krankenhaus verschont. Als 1945 Schermbeck zum Ziel mehrerer Bombenangriffe wurde, erlitt auch das Krankenhaus Schäden. Fast die Hälfte des Gebäudes wurde zertrümmert, darunter auch die Hauskapelle.

Nach der Zerstörung wurde unter der Leitung der Oberin Agathopia sofort mit Aufräumarbeiten begonnen. Spender und freiwillige Arbeitskräfte trugen zum schnellen Wiederaufbau bei. Auch unter Führung der nachfolgenden Oberinnen Bertrandine, Titiana, Genetia, Adelia und Laurenza halfen Franziskanerschwestern Schermbecker Kranken. Als Schwester Oberin Maria Ursula im Oktober 1987 ihren Dienst in Schermbeck antrat, gehörten noch 14 Franziskanerinnen zum Schermbecker Konvent.

Erweiterung wurde notwendig

Aufgrund des medizinischem Fortschritts und des Wachsens der Gemeinde wurden bereits in den 1950er-Jahren eine Modernisierung und Erweiterung erforderlich. Pfarrer Gerdemann sorgte für die Anschaffung eines Aufzuges und für den Ausbau des Dachgeschosses. Nach mehrjähriger Planungsphase erteilte der Regierungspräsident am 18. September 1957 die Genehmigung zur Erweiterung des Krankenhauses.

Am 18. Februar 1958 erfolgte der erste Spatenstich. Im November 1959 konnte die Bevölkerung den fertigen Bau in Augenschein nehmen. Im Sommer 1960 wurde die neue Küche in Betrieb genommen. Die gesamte Modernisierung wurde erst durch den Umbau des Krankenhaus-Altgebäudes abgeschlossen. Für die Schwestern wurde Mitte der 1960er-Jahre ein Wohnheim errichtet, das 1993 zu einem Behindertenwohnheim umgebaut wurde.

Lange gegen Schließung gewehrt

Die Auflösung des Krankenhauses wurde von Politikern und dem Träger lange Zeit verhindert. Aber auch die Spezialisierung als Fachabteilung für Urologie konnte die Schließung zum 31. Dezember 1987 nicht verhindern. Der Druck des Krankenhausbedarfsplanes wurde in den 1980er-Jahren so groß, dass die Kirchengemeinde am 24. Juli 1986 schweren Herzens den Wünschen der Landesregierung und damit einer Schließung zustimmte. Nur so konnte wenigstens ein Alten- und Pflegeheim für Schermbeck gerettet werden.

Auch in diesem Marienheim blieben die Franziskanerschwestern in die Arbeit eingebunden, sei es als Schwestern im Gebet, in der Pflege, bei der Gestaltung von Begegnungsstunden mit den Senioren und bei der Mitwirkung am Altersehrentag in St. Ludgerus. Das blieb auch so, als die Betriebsführung des Marienheims im Jahre 1994 durch die Caritas-Betriebsführungs- und Trägergesellschaft Marl übernommen wurde.

Zum 125-jährigen Ortsjubiläum des Schermbecker Franziskaner-Konvents kamen im Juni 1996 viele Schwestern nach Schermbeck, die früher einmal ihren Dienst in Schermbeck verrichteten oder als Schermbecker Schwestern an einem anderen Ort tätig waren.
Zum 125-jährigen Ortsjubiläum des Schermbecker Franziskaner-Konvents kamen im Juni 1996 viele Schwestern nach Schermbeck, die früher einmal ihren Dienst in Schermbeck verrichteten oder als Schermbecker Schwestern an einem anderen Ort tätig waren. © Helmut Scheffler (A) © Helmut Scheffler (A)

Das Münsteraner Mutterhaus hat nach und nach – zum Bedauern der Schermbecker – den Konvent verringert. Nur noch die drei Schwestern Ursula, Alberika und Reingard verrichteten 1996 ihren Dienst in Schermbeck. Zur Feier des 125-jährigen Ortsjubiläums kamen im Juni 1996 viele Schwestern, die früher in Schermbeck gearbeitet hatten oder als Schermbecker Schwestern an einem anderen Ort tätig waren. Nur noch die beiden Schwestern Ottokaris und Alberika erlebten im Mai 2012 die Abschiedsfeier der Franziskanerschwestern mit.

In ihrer Abschiedsrede dankten Pastor Klaus Honermann und Einrichtungsleiter Klaus P. Optenhövel den Schwestern. „Rückblickend auf die 141 Jahre müssen wir feststellen, dass das Marien-Hospital und das Marienheim ohne das Engagement der Schwestern nicht denkbar war. Ihr Lebenszeugnis im Tun am Menschen, ihre Begleitung im Gebet für die Kranken und auch für die Pfarrgemeinde, das Mittragen von Leid und Schicksalsschlägen, all das hat diese Einrichtung geprägt, hat die Menschen geprägt, die hier Pflege gelernt und in Hauswirtschaft und Pflege gearbeitet haben, war Anlaufstelle für Ratsuchende und auch Obdachlose, war viel mehr, als wir hier in Worten beschreiben können.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Im Verlauf von mehr als vier Jahrzehnten habe ich das Zusammenwachsen von acht ehemals selbstständigen Gemeinden miterlebt, die 1975 zur Großgemeinde Schermbeck zusammengefügt wurden. Damals wie heute bemühe ich mich zu zeigen, wie vielfältig das Leben in meinem Heimatort Schermbeck ist.
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Helmut Scheffler

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