Das Dach dieses Vorläuferbaus der heutigen Ludgeruskirche stürzte ein und machte einen Neubau erforderlich. Die Kirche stand in Ost-West-Richtung. Vorgelagert war die Küsterei. Der Eingang befand sich an der Erler Straße. Der Fotograf stand damals auf der heutigen Mittelstraße in Höhe der Branntweinbrennerei und Likörfabrik Tüshaus (heute „Rossmann“). © Helmut Scheffler (Repro)
Ludgeruskirche

Vorgänger der Ludgeruskirche: Dach brach während der Sonntagsmesse ein

Da, wo heute die Schermbecker Ludgeruskirche steht, war noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Vorläuferbau. Er wurde vor 180 Jahren eingeweiht und hätte fast für eine Katastrophe gesorgt.

Nach den Befreiungskriegen 1815 beantragte Pfarrer Budde „die Erweiterung der viel zu kleinen Pfarrkirche“, berichtete Bruno Loewenau in der Pfarrchronik. Auch der Nachfolger Buddes, Wilhelm Nientiet, drängte auf einen Neubau, zumal 1830 die Katholiken aus Schermbeck, Bricht und Overbeck zur Pfarrei hinzukamen.

Am 26. März 1840 wurde das letzte Hochamt in der alten Kirche gehalten. Am 28. April 1840 wurde der Grundstein für den Neubau gelegt. Bauinspektor Johann Christoph Teuto von der Münsteraner Regierung wies für das Kirchenschiff eine Länge von 25,12 Meter aus und eine Breite von 17,11 Meter.

„Kegel, Kreuz und Hahn“

Eine Baubeschreibung der Kirche ist erhalten geblieben, die Wolfgang Neugebauer in den „Monatsblättern für Landeskunde und Volkstum Westfalens“ vorstellte: „Die fünfachsige, geostete, mit einem Satteldach überdeckte frühere Kirche schloß an der Westseite den vorhandenen Turm ein und besaß im Osten einen Chor mit 5/8-Schluß, an den beiderseits niedrige Sakristeianbauten angefügt waren. Das Mauerwerk bestand aus quaderförmigen, hammergerecht behauenen, im Verband vermauerten Natursteinen mit durchlaufenden Lagerfugen. (…) Der spitze Turmhelm hatte die Form einer achtseitigen Pyramide und trug Kegel, Kreuz und Hahn. Auf den Dachflächen des Schiffes saß in der Achse der Seitenportale je eine mit einem Satteldach überdeckte Gaupe.“

Der Neubau schritt rasch voran. Am 19. Oktober 1841 nahm Weihbischof Dr. Franz Arnold Melchers in Gegenwart von 26 Geistlichen und der politischen Repräsentanten die Einweihung vor. Das Innere der Ludgeruskirche des 19. Jahrhunderts war lange Zeit unbekannt. Bei Aufräumarbeiten im Archiv der Kirchengemeinde fand Willy Tasse vor etwa 30 Jahren ein Foto vom Inneren. Man erkennt darauf den dreischiffigen, verputzten Kirchenraum.

Das Foto zeigt die Innenansicht jener Kirche, die 1841 eingeweiht wurde und im Jahre 1913 einstürzte.
Das Foto zeigt die Innenansicht jener Kirche, die 1841 eingeweiht wurde und im Jahre 1913 einstürzte. © Helmut Scheffler (Repro) © Helmut Scheffler (Repro)

An der neuen Kirche stellten sich schon bald bauliche Mängel ein. Zudem entsprach sie nach den Feststellungen Bruno Loewenaus in ihrer Größe auch nicht mehr den Anforderungen des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Schon 1895 gab es Pläne für eine neue Kirche. Dafür hatte Pfarrer Carl Koch vor seinem Tode am 17. Dezember 1895 in Dülken 30.000 Mark in seinem Testament vermacht.

Diese Kirche wurde jedoch niemals verwirklicht. Vielleicht lag es daran, dass im selben Jahr 1895 der Pfarrer Carl Koch starb, der als Initiator eines Kirchenneubaus angesehen wird. Wäre die Kirche nach den Plänen von 1895 gebaut worden, hätte sie noch ihre ehemalige Ost-West-Ausrichtung.

Kirchendach brach ein

Fast zwei Jahrzehnte später brachen während einer Sonntagsmesse Teile des Kirchendaches ein. Stephan Schulzes Bericht von 1990 lässt Gründe erahnen: „Das Fundament wurde zu wesentlichen Teilen mit dem Material der mittelalterlichen Vorgängerkirche hergestellt, der romanische Turm aus dem 12. Jahrhundert blieb ganz erhalten. Das Gewölbe der dreischiffigen Kirche wurde von Holzsäulen getragen. So kam denn schließlich, was kommen mußte: Die ältesten Mitglieder unserer Pfarrgemeinde wissen zu berichten, daß mitten in der Feier der Sonntagsmesse ganz unvermittelt ein Teil des Kirchendaches einbrach und auf die ‚Frauenseite‘, also die linke Bankreihe, herabstürzte. Ernstlich verletzt wurde gottlob niemand, das Hochamt konnte natürlich nicht fortgesetzt werden, und die Kirche wurde einen Tag später baupolizeilich geschlossen.“

Nun war Eile geboten. Der Baubeschluss wurde am 8. August 1913 gefasst. 140.000 Mark wurden als Bausumme bewilligt. „Am nächsten Sonntag-Nachmittag um 4 ½ Uhr wird Herr Dechant Sturmann von Osterfeld in feierlicher Weise den Grundstein zu unserer neuen Kirche legen“, schrieb die „Dorstener Volkszeitung“ am 31. Juli 1914 und mutmaßte: „Der Bau, welcher schon mächtig gefördert ist, wird allem Anscheine nach ein schönes Gotteshaus, eine Zierde für unsern Ort werden.“

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Freier Mitarbeiter
Im Verlauf von mehr als vier Jahrzehnten habe ich das Zusammenwachsen von acht ehemals selbstständigen Gemeinden miterlebt, die 1975 zur Großgemeinde Schermbeck zusammengefügt wurden. Damals wie heute bemühe ich mich zu zeigen, wie vielfältig das Leben in meinem Heimatort Schermbeck ist.
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Helmut Scheffler