Rote Karte gegen Rassismus. Ein Vereinsvorstand aus dem Sauerland und der Kreisschiedsrichterausschuss haben konsequent gehandelt. © picture alliance/dpa
Fußball-Bezirksliga

Drei Platzverweise in einem Bezirksligaspiel: Auch der Schiedsrichterassistent sieht Rot

In der Fußball-Bezirksliga haben sich der Geisecker SV und BW Alstedde am Sonntag 1:1 getrennt. Gesprächsstoff lieferte die Schlussphase. Beide Klubs haben unterschiedliche Ansichten.

Was sich in den Schlussminuten der Bezirksliga-Partie zwischen Blau-Weiß Alstedde und dem Geisecker SV abspielte, war schon kurios. Der Schiedsrichter Ayoub Kaichoub aus Hamm zeigte dreimal Rot und einmal auf den Elfmeterpunkt.

„Er hat astrein gepfiffen“, meinte Dirk Goldschmidt, Co-Trainer des Geisecker SV, zu der Leistung des Unparteiischen – was für die Schlussminuten aber nicht mehr galt aus seiner Sicht. Denn da regierte auf der Sportanlage Am Heikenberg im Lüner Norden Hektik. Der Unparteiische habe den Überblick verloren, meinte Goldschmidt. Weil Thomas Wotzlawski aus Urlaubsgründen nicht dabei war, fungierte Goldschmidt diesmal als Chefcoach an der Seitenlinie. Goldschmidts Ausführungen wollte Alsteddes Co-Trainer Andreas Hermes nicht bestätigen: „Der Schiedsrichter hat bis zum Schlusspfiff eine gute Partie abgeliefert. Die Hektik kam nur von der Geisecker Seite.“

Thomas Redel: „Elfmeter ist eine Lachnummer“

Auslöser der Geisecker Aufregung war Kaichoubs Elfmeterpfiff in der 85. Minute. Geiseckes Torwart Sebastian Beutler hatte aus Geisecker Sicht bei seinem Rettungsversuch im eigenen Strafraum eindeutig den Ball gespielt. „Eine Lachnummer“, wie Thomas Redel, Sportlicher Leiter der „Kleeblätter“ und in seiner aktiven Zeit selbst Torwart, meinte. Alsteddes Andreas Hermes: „Das war ein klarer Elfmeter. Unser Stürmer geht auf den Torwart zu und der foult ihn mit gestrecktem Bein.“

Dann begannen die großen Diskussionen auf Geisecker Seite. Zunächst sah der erst kurz vorher eingewechselte Dennis Huck wegen eines Foulspiels im Vorfeld der Elfmeterszene nachträglich die Gelbe Karte. Weil Huck nicht aufhörte zu reklamieren, folgte die Ampelkarte.

Spielfeld betreten und lautstark reklamiert

Laut den Geiseckern soll der Schiedsrichter den Elfmeterpfiff freigegeben haben, obwohl Huck noch nicht den Platz verlassen hatte. Das veranlasste Jörg Scharf nach dem verwandelten Elfmeter von Dominik Hennes auf den Platz zu gehen und den Schiedsrichter darauf hinzuweisen. Der Geisecker Torwarttrainer fungierte als Schiedsrichter-Assistent mit der Fahne an der Seitenlinie, also praktisch in unterstützender Funktion für den Schiedsrichter. Von Unterstützung konnte nun aber keine Rede mehr sein.

Zweimal Rot an der Seitenlinie für den Geisecker SV: Jörg Scharf und Dirk Goldschmidt (v.li.), hier am Rande eines Testspiels im August. © Manuela Schwerte © Manuela Schwerte

„Der Assistent stand plötzlich so zehn Meter im Feld und hat mit dem Schiedsrichter diskutiert“, sagte Hermes. Kaichoub zeigte Scharf deshalb die Rote Karte – mit der Begründung, dass er nach Ausführung des Elfmeters das Spielfeld betreten und lautstark reklamiert habe. „Ich kann gar nicht sagen, ob der sanktionierte Spieler beim Elfmeterschuss auf dem Feld stand“, sagte Hermes, „wenn er es war, hat er aber weder den Schützen noch den Torwart irritiert. Beide hatten sich wie wir auch, nur auf den Elfmeter konzentriert.“

Dirk Goldschmidt sah dann auch Rot. „Spielverzögerung und Betreten des Spielfeldes“ war im Falle des Trainers die offizielle Begründung des Schiedsrichters. Das deckt sich mit Goldschmidts Statement, der großen Wert darauf legte, niemanden verbal angegangen oder gar beleidigt zu haben. Ein Verfahren vor dem Bezirkssportgericht wird es aber wohl trotzdem geben – das ist automatisch der Fall, wenn ein Team-Offizieller die Rote Karte sieht.

Später Ausgleich macht den Ärger erträglich

Als sich die Geisecker Gemüter wieder einigermaßen beruhigt hatten, lief es auch auf dem Platz wieder besser. Im Anschluss an einen Freistoß lupfte Luis Pothmann den Ball zum späten 1:1-Ausgleich für Geisecke ins Tor – da gerieten bei den Geiseckern auch die Roten Karte kurzzeitig in Vergessenheit.

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