Ein heimischer Fußballer könnte bald auch auf der Trainerbank Platz nehmen. © Nico Ebmeier
Fußball

Schwerter Trainer verbrachte seine Mittagspausen auf dem Sportplatz – bis Corona kam

Seit Sommer ist Claudio Marzolla Co-Trainer des Bezirksligisten ETuS/DJK Schwerte. Der Holzener ist begeistert über die Zusammenarbeit mit André Haberschuss und die Herzlichkeit im Verein.

Vielseitiger geht’s nicht mehr. Jeden Freitag kommt ein Schwerter Fußball-Trainer mit einem Transporter vom Freischütz herunter und serviert im Hof der Snackeria ein Schöpfgericht für Menschen ohne festen Wohnsitz, im normalen Leben ist er Abteilungsleiter im Schwerter Restaurant Freischütz. Und wenn dann noch Zeit bleibt, trainiert er die Fußballer des Bezirksligisten ETuS/DJK Schwerte. Seit Sommer ist Claudio Marzolla Co-Trainer neben dem langjährigen Coach André Haberschuss, der sich sehr positiv zur Zusammenarbeit mit Marzolla äußert.

Claudio Marzolla (re.), hier mit Jasmin Smajlovic, wechselt als Co-Trainer vom ETuS/DJK Schwerte nach Holzwickede. © Manuela Schwerte © Manuela Schwerte

Der Tag müsste für den 36-Jährigen eigentlich 48 Stunden dauern, der Spagat zwischen seinem Job im Restaurant und seinem Job auf dem Sportplatz könnte krasser nicht sein. „Manchmal verbringe ich die Mittagspause auf dem Platz. Und sonntags geht’s nach dem Spiel bis in die Nacht in den Betrieb“, erklärt der in Holzen wohnende Marzolla. Das war vor Corona so, bis Oktober. Jetzt ruht nicht nur der Ball, sondern auch die Gastronomie.


Bleibt die Frage, warum führte ihn der Weg ausgerechnet zum Bezirksligisten ETuS/DJK Schwerte, zumal er im Dortmunder Raum bekannt ist wie ein bunter Hund. Er spielte selbst für den Hörder SC und die SG Holzwickede auf Kreisebene, arbeitete beim Hörder SC und beim Kirchhörder SC mehrere Jahre als Coach. Zuletzt war er zwei Jahre lang bei der Hammer SpVg für die U21 und die A-Jugend verantwortlich.

Der Verein ist familiär geführt – die Atmosphäre herzlich

Nach der Trennung in Hamm wollte Marzolla eigentlich ein Sabbatjahr einlegen. Man könnte auch sagen: ein Jahr Pause machen. Daraus wurde nichts. Claudio Marzolla und der langjährige ETuS/DJK-Coach Detlev Brockhaus kannten sich, Marzolla wollte sich nach der intensiven Zeit in Hamm mit ewig langen An- und Abreisen zu den Spielen und zum Training etwas ruhiger setzen. Und der Schwerter Bezirksligist suchte Unterstützung für André Haberschuss. „Ich musste nicht lange überlegen, der Klub ist sehr familiär geführt, die Atmosphäre absolut herzlich“, so Marzolla.

Zusammenarbeit mit Coach André Haberschuss klappt hervorragend

Die Zusammenarbeit zwischen Haberschuss und Marzolla klappt hervorragend. „Wir teilen uns die Trainerarbeit, tauschen uns in der Kommunikation aus und wenn einer von uns verhindert ist, springt der andere dafür ein“, zeigt sich Marzolla angetan. Der gelernte Innenverteidiger setzt dabei auf akribische Vorbereitung, beschäftigt sich mit dem Gegner, schaut Videos auf Soccerwatch, um etwas über die Spielstärke zu erfahren. 30 Stunden pro Woche investiert er dabei an Zeit. Und in naher Zukunft will er endlich seine B-Lizenz als Trainer machen. „Eigentlich hätte ich die Trainer-Lizenz schon längst gehabt. Aber eine Woche bevor es losgehen sollte, habe ich mir das Kreuzband gerissen“, blickt der 36-Jährige auf seine Anfänge zurück.


Fünf Spiele hat der Bezirksligisten ETuS/DJK Schwerte erst bestritten, zwei davon gewonnen, drei verloren, rangiert auf Platz zwölf nur hauchdünn vor den abstiegsbedrohten Teams. Viele einfache Fehler hätte man bei den Niederlagen gemacht, so Marzolla: „Es gab gute Spiele – und es gab schlechte Spiele.“ Ob und wie die Saison weitergeht, darüber macht sich Marzolla natürlich reichlich Gedanken. Eine Fortsetzung fände er nicht gut, appelliert an den FLVW, sich nicht unter Druck zu setzen und die Saison endlich zu den Akten zu legen.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Ein waschechter Dortmunder, Jahrgang 1957. Vor dem Journalismus lange Jahre Radprofi, danach fast 30 Jahre lang Redakteur bei Dortmunder Tageszeitungen, seit 2015 bei den Ruhr Nachrichten, natürlich im Sport.
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Peter Kehl

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