150 einst ungewollte Tiere leben in Refflingsen

Der "Lebenshof" im Video

In der Iserlohner Idylle, zwischen Wiesen und Feldern gelegen, wohnt Wibke Skoeries mit ihrer Familie. Sie nimmt auf ihrem "Lebenshof für Tiere" Haus- und Nutztiere auf, die sonst keiner mehr haben möchte. Mittlerweile leben 150 Vierbeiner bei ihr. Wir waren vor Ort und haben ein Video mitgebracht.

SCHWERTE/ISERLOHN

von Sarah Jansen

, 16.08.2016, 16:46 Uhr / Lesedauer: 3 min

An der Refflingser Straße in Iserlohn, auf dem 10.000 Quadratmeter großen Grundstück ihres Vaters betreibt Wibke Skoeries ihren „Lebenshof für Tiere“. Sie und ihre vier Söhne leben dort mit den verschiedensten Tieren zusammen. 

Zur ihrer Familie gehörten schon immer viele Tiere – Hunde, Katzen, Sittiche oder Fische waren ganz normal. Der erste ungewöhnliche Bewohner zog 2002 ein. Als Lamm wurde Shawn gefunden und ihm folgten in den nächsten Jahren etliche weitere Artgenossen. Mittlerweile leben 14 Schafe auf dem Lebenshof, die meist von ihren Müttern verstoßen wurden, und um die sich die Schäfer aus Zeitgründen nicht kümmern konnten. Dramatischer war die Rettung von Erna und Else, die Wibke Skoeries vom Schlachter frei kaufte.

150 Haus- und Nutztiere gibt es auf dem Lebenshof 

Außerdem leben eine Hündin, 9 Katzen, 4 Minischweine, 22 Kaninchen, 13 Meerschweinchen, 5 Hühner, 2 Laufenten und insgesamt 80 Tauben auf dem Hof, den es Offiziell seit Ende 2013 gibt. Jedes Tier hat seine eigene Geschichte und natürlich auch seinen eigenen Namen.

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So sieht es auf dem Lebenshof für Tiere aus

Knapp 150 Tiere leben auf dem Lebenshof für Tiere in Refflingsen, Iserlohn. Inhaberin Wiebke Skoeries nimmt dort Tiere auf, die von ihren Besitzern nicht mehr gewollt werden. Hier gibt es Fotos von den Vierbeinern.
16.08.2016
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13 Meerschweinchen haben auf dem Lebenshof ein Zuhause gefunden.© Foto: Bernd Paulitschke
Neun Katzen hat Wibke Skoeries im Moment - eine zehnte soll bald dazu kommen.© Foto: Bernd Paulitschke
Auf dem Lebenshof für Tiere werden sowohl Haus- als auch Nutztiere aufgenommen.© Foto: Bernd Paulitschke
Die eigentlichen "Minischweine" können bis zu 120 Kilo schwer werden und leben auf dem Hof in einem 2.000 Quadratmeter großem Gehege.© Foto: Bernd Paulitschke
Wibke Skoeries ist Veganerin und absolute Tiernärrin. Sie betreibt den Lebenshof der Tiere.© Foto: Bernd Paulitschke
Wenn die Schweine zu groß werden, können sie oft nicht mehr in Wohnungen gehalten werden.© Foto: Bernd Paulitschke
Wibke Skories, die Betreiberin des "Lebenshof für Tiere".© Foto: Bernd Paulitschke
Auf dem Lebenshof für Tiere tummeln sich einige Schafe.© Foto: Bernd Paulitschke
Auf dem Lebenshof für Tiere wird jeder Vierbeiner herzlich aufgenommen.© Foto: Bernd Paulitschke
Futterspenden sind auf dem Lebenshof für Tiere immer gern gesehen.© Foto: Bernd Paulitschke
Ein Schaf auf dem Lebenshof für Tiere.© Foto: Bernd Paulitschke
Diese zwei Laufenten leben auf dem Lebenshof für Tiere.© Foto: Bernd Paulitschke
Auf dem Lebenshof für Tiere werden Vierbeiner aufgenommen, die ihre Besitzer nicht mehr halten möchten.© Foto: Bernd Paulitschke
Auch Vögel tummeln sich auf dem Lebenshof für Tiere.© Foto: Bernd Paulitschke
Auf dem Lebenshof für Tiere werden Vierbeiner aufgenommen, die ihre Besitzer nicht mehr halten möchten.© Foto: Bernd Paulitschke
Zurzeit hat Wibke Skories 22 Kaninchen auf dem Lebenshof für Tiere.© Foto: Bernd Paulitschke
Kaninchen kommen oft zum Lebenshof für Tiere, wenn die Kinder sich nicht mehr um sie kümmern möchten.© Foto: Bernd Paulitschke
Wibke Skories hat sich auf Tauben spezialisiert. 80 Stück hält sie auf dem Lebenshof für Tiere.© Foto: Bernd Paulitschke
Laut Wibke Skories sind Tauben "verkannte Tiere" und haben ein tolles Sozialverhalten.© Foto: Bernd Paulitschke
Erst vergangenes Wochenende holte Wibke Skories eine verletzte Taube aus Hagen zu sich.© Foto: Bernd Paulitschke
Tauben sind mit 80 Tieren am stärksten auf dem Lebenshof für Tiere vertreten.© Foto: Bernd Paulitschke
Anhand der Verbandsringe lassen sich Alter und Herkunft der Tauben feststellen.© Foto: Bernd Paulitschke
Brieftauben aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden leben mittlerweile auf dem Lebenshof für Tiere in Iserlohn.© Foto: Bernd Paulitschke
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Mittlerweile hat sich die vegan lebende Mutter auf Tauben spezialisiert. Immer wieder werden verletzte, geschwächte oder verwirrte Vögel gefunden, die es nicht mehr zu ihren Züchtern nach Hause schaffen. Anhand der Verbandsringe lassen sich Alter und Herkunft der Tiere feststellen, sogar weit gereiste Brieftauben aus Frankreich, Belgien oder den Niederlanden haben mittlerweile Unterschlupf in Iserlohn gefunden.

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„Tauben sind verkannte Tiere. Sie haben ein tolles Sozialverhalten und sind schon längst keine gefährlichen Krankheitsüberträger mehr. Aber manchmal sehe ich sogar erwachsene Menschen nach Tauben treten“, erzählt Wibke Skoeries. Sie kann diese Abwehrhaltung nicht verstehen. Noch in der Nacht von Samstag auf Sonntag machte sie sich extra auf den Weg nach Hagen, um einen verletzten Vogel zu sich zu holen.

Ungewollte Tiere finden auf dem Lebenshof ein Zuhause 

Das Elend vieler Tiere sieht sie in der Zucht begründet, die sie strikt ablehnt. Auf dem Hof sind alle Tiere kastriert, und die Eier der Tauben werden ausgetauscht. „Im Jahr legen die Tiere bis zu sieben mal zwei Eier, das wurde ihnen so angezüchtet“, erklärt die Tierretterin.

Kaninchen oder Meerschweinchen finden ihren Weg nach Iserlohn meist, wenn die Kinder keine Lust mehr haben sich zu kümmern. Die Schweine wiederum lebten in Wohnungshaltung, aber blieben nicht "mini" - sie können bis zu 120 Kilo schwer werden und haben auf dem Lebenshof ein 2000 Quadratmeter großes Gehege.

Unterstützung bekommt die Familie vor allem von anderen Veganern, die durch das Internet aufmerksam werden. Hilfe wird an allen Ecken gebraucht. Geld- und Sachspenden, sowie Patenschaften helfen bei der Finanzierung. aber auch praktische Mithilfe kommt immer gelegen. Die Helfer können in einem Bauwagen übernachten, es kommen aber auch Freiwillige mal nur für einen Nachmittag vorbei.

Die Arbeit ist sehr hart 

Skoeries‘ Erfahrung zeigt: „Oft kommen die Leute nie wieder, weil sie nicht mit so einer harten Arbeit gerechnet haben. Aber aus einigen Bekannten sind mittlerweile Freunde geworden und wir haben einen festen Stamm von Unterstützern.“ Für eine komplette Finanzierung des Hofes reichen die Spenden trotzdem noch lange nicht. 2014 musste die Familie noch 4000 bis 5000 Euro selbst aufbringen.

Zwei Wochen die Großeltern in Spanien besuchen, das können nur Wibke Skoeries Söhne, die ihre Mutter aber ansonsten tatkräftig unterstützen. Der Hof ist ihr Vollzeit-Job. Sie versucht immer über artgerechte Haltung aufzuklären, und sogar bei einem seltenen Wochenendausflug nach Hannover kümmerte sie sich um eine verletzte Krähe.

Ihre Tierliebe lebt die heute 43-Jährige schon immer. Mit 15 Jahren wurde sie Vegetarierin und 1999 zur Veganerin. Für sie gibt es besonders heute keinen Grund mehr, nicht vegan zu leben, aber 1000 Gründe dafür.

Das ist der Tagesablauf im Hause Skoeries 

Ein ganz normaler Tag beginnt im Hause Skoeries um 6 Uhr. Nachdem die Kinder zur Schule und zum Kindergarten gebracht wurden, versorgt Wibke Skoeries die Tiere und kümmert sich um Anfragen per E-Mail. Vom Lebenshof weitervermittelt werden Tiere nur im äußersten Notfall und dann auch nur an Bekannte. Aber durch ihre Kontakte findet Skoeries auch oft neue Unterkünfte für Tiere, die sie selbst nicht aufnehmen kann.

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Obwohl schon acht Katzen mehr als genug sind, rettete Wibke vor zwei Wochen die heute acht Wochen alte verwilderte Katze „Mimi“ und nahm sie bei sich auf. Bis sie gesund und kräftig genug ist, lebt sie provisorisch in Quarantäne in einem Badezimmer. Damit sie dort nicht zu einsam ist, hat Wibke eine fast gleichaltrige Kitten im Hagener Tierheim ausfindig gemacht, die bald als zehnte Katze einziehen wird. Einem Tier in Not die Hilfe zu verweigern, das kann Wibke Skoeries nicht. Für sie zählt der Satz, der auf ihrer Internetseite zu finden ist: „Ein Tier zu retten verändert nicht die ganze Welt, aber die ganze Welt verändert sich für dieses Tier.“

Weitere Informationen zu dem Lebenshof für Tiere
Als Unterkunft für Tiere dient die Refflingser Straße 82 in Iserlohn schon seit die Familie vor 18 Jahren dort einzog.
Ende 2013 gab Wibke Skoeries ihrem Projekt dann den Namen „Lebenshof für Tiere“ und machte es öffentlich. 
Knapp 150 Tiere teilen sich das 10 000 Quadratmeter große Grundstück mit der Familie.
Unterstützen kann man den Hof durch Geldspenden, Partnerschaften oder durch eigenes Handanlegen.
Auch Sachspenden werden immer gebraucht. Dazu zählen beispielsweise Futter, Einstreu, Wolldecken oder Transportboxen.
Kontakt aufnehmen kann man telefonisch unter (02371) 46 14 56, über die oder die .

 

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