20 Jahre später dient die Tiefgarage offiziell noch als Luftschutzbunker

Mauerfall

SCHWERTE Dicke Panzertüren, gefüllt mit Beton, schirmen die geheimen Strom- und Frischlufträume ab. 20 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges ist die Tiefgarage unter dem Markt offiziell noch ein Luftschutzbunker.

von Von Reinhard Schmitz

, 16.11.2009, 17:36 Uhr / Lesedauer: 2 min
Seit 1987 betreut Hans Dieter Hoffmann aus dem städtischen Bereich Schule und Sport die als Bunker geplante Tiefgarage unter dem Markt.

Seit 1987 betreut Hans Dieter Hoffmann aus dem städtischen Bereich Schule und Sport die als Bunker geplante Tiefgarage unter dem Markt.

Damals standen sich die SS 20- und Pershing II-Atomraketen beiderseits der innerdeutschen Grenze noch drohend gegenüber. Trotzdem wurde der trostlose Bunker lediglich mit 30 Trockenklos im schmucken Bundeswehr-Grün ausgestattet. Samt 180.000 Plastikbeuteln, die jeweils nach der Benutzung zugebunden und in bereit stehenden Mülltonnen gelagert werden sollten. „Ich habe sie nie nachgezählt“, ließ Hoffmann die Kartons bis heute ungeöffnet. Die Planen, die die stillen Örtchen vom Großraum abtrennen, wurden zum letzten Mal bei der Großübung im September 1986 ausgepackt. „Hier passiert nicht mehr viel“, musste Hoffmann die Wartung auf das Notwendigste zurückschrauben. Ganze 630 Euro überwies das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe der Stadt in diesem Jahr. Gerade mal genug, um Strom und Diesel für das Notstromaggregat kaufen zu können.

80 Liter füllen den Tagestank über dem Motor, der im Notfall auch die Beleuchtung der Tiefgarage übernimmt. „Er läuft noch einwandfrei“, berichtet Hoffmann. Auch wenn auf Probeläufe verzichtet wird, weil der Auspuff unter dem Pflaster den Platz zwischen Kleinem Markt und City-Centrum verräuchert. Der mächtige Betonpfeiler nebenan, mittlerweile bunt bemalt, ist dagegen ein versteckter Ansaugstutzen für die Frischluftversorgung. „Darunter ist ein Sandfilter“, weiß Hoffmann – zum Abkühlen, falls eine Feuerwalze die Häuser ringsum erfasst. Einstürzende Wände können die Eingangstreppen nicht verschütten. Die hässlichen Betonarkaden dienen als Trümmerschutz.

„Die Mitarbeiter, die früher für die Bedienung des Bunkers geschult wurden, sind längst in Rente“, sagt Hoffmann: „Ich denke, heute würde keiner mehr die Tore zukriegen.“ Wenn die Kollegen überhaupt die Kurbeln zum Schließen per Muskelkraft fänden, die hinter einer Stahltür verborgen sind. 

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