Sechs Kandidaten und ein eindeutiges Ergebnis - die Bürgermeister-Wahl 2018 hat Schwerte bewegt wie kaum eine zuvor. Ein Jahr später fragen wir: Was machen die Kandidaten eigentlich heute?

Schwerte

, 04.03.2019, 18:49 Uhr / Lesedauer: 4 min

Ich wäre bereit gewesen, die Karre aus dem Dreck zu ziehen.“ Die Kampfeslust hallt noch nach bei Dirk Hanné, wenn er über den Wahlkampf 2018 spricht. Gern wäre er mehr geworden als selbstständiger Glasermeister, Vorsitzender der Schützen und der Werbegemeinschaft in Westhofen und Initiator des Holzener Karnevals.

Dirk Hanné wäre gern Bürgermeister von Schwerte geworden. Als parteiloser Kandidat trat er an - genau wie Christiane Ganske, Stefan Barthel und Gregor Podeschwa. Dass sie am Ende alle chancenlos blieben mit 2,5 bis 4,2 Prozent der Stimmen - war das nun ein Fluch oder ein Segen für die Kandidaten?

„Ich wäre bereit gewesen, die Karre aus dem Dreck zu ziehen.“
Dirk Hanné, Einzelkandidat

Hanné schwankt. „Manche haben mir schon gesagt: ‚Na, ein Glück für dich, dass du es nicht geworden bist.‘ Und vielleicht haben sie auch Recht. Das ist ja kein einfacher Job, wie man jetzt sieht. Ich mache einfach meine Sache an anderer Stelle.“

Seinen Ideenreichtum hat er nicht verloren: „Ich wäre vielleicht ein bisschen kreativer gewesen als Bürgermeister.“ Jobs nach Parteibuch - die hätte es mit ihm als Rathaus-Chef jedenfalls nicht gegeben, unterstreicht er.

365 Tage nach Schwertes Bürgermeister-Wahl 2018 - Was machen die Kandidaten heute?

Welche konkreten Projekte will er angehen? Dirk Hanné zeigte es im Wahlkampf. © Bernd Paulitschke

Ein neues Ziel: Mit der SPD in den Stadtrat

Alleine und als Unabhängiger kann man am besten etwas erreichen? Christiane Ganske würde Dirk Hanné mittlerweile widersprechen: „Ich bin zwischenzeitlich in die SPD eingetreten“, erklärt sie. „Damit hatte ich früher schon kokettiert. Jetzt habe ich mich dazu entschieden, weil ich versuchen möchte, etwas für Schwerte zu tun.“

Ihr Ziel: Nach der Wahl 2020 im Schwerter Stadtrat zu sitzen. Und etwas gegen die „Blockade-Politik“ der CDU zu tun. „Ich muss schon sagen: Ich finde einiges gut, was Herr Axourgos macht.“ Zum Beispiel die Planung rund um den Schützenhof: „Da sind die Bürger sehr früh mit einbezogen worden.“

„Ich bin zwischenzeitlich in die SPD eingetreten.“
Christiane Ganske, Einzelkandidatin

56,63 Prozent aller Stimmen hatte Axourgos am 4. März 2018 erhalten. Ein Erdrutschsieg war das, der zum fast ungläubigen Jubel beim Kandidaten selbst und bei der Schwerter SPD gesorgt hatte.

Die Mienen bei CDU, FDP und Grünen hingegen zeigten: Fassungslosigkeit. Nur 29,8 Prozent für Adrian Mork, den amtierenden Stadtplaner, ihren gemeinsamen Kandidaten?

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Hatte nach der Wahl nur noch wenige öffentliche Auftritte: Adrian Mork. © Bernd Paulitschke

Dimitrios Axourgos, Adrian Mork und die Zusammenarbeit

Wie sollten diese beiden nach der Wahl zusammenarbeiten? Reibungslos? Wohl kaum. Das zeigte sich in den Monaten danach. In Pressemitteilungen der Stadt wurde dem Stadtplaner die Schuld zugeschrieben, etwa beim Streit um die Anliegerbeiträge bei der Neugestaltung der Bahnhofstraße.

Öffentliche Auftritte von Adrian Mork nach der Wahl? Selten, äußerst selten für einen, der weiterhin auf der zweitobersten Stufe der Rathaus-Hierarchie steht.

Was hat der Wahlkampf 2018 mit ihm gemacht? Wie blickt er nun darauf zurück? Adrian Mork antwortet lieber nicht: „Aus Loyalitätsgründen zu meinem Arbeitgeber ist es mir untersagt, mich öffentlich zu äußern.“

Dem kann man nicht widersprechen. Dieses rechtliche Argument gilt für jeden Mitarbeiter einer Stadtverwaltung.

Und was sagt Axourgos? Im Telefonat ist er gewohnt eloquent, antwortet ausgiebig, ausführlich, manchmal sogar ausschweifend.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit Adrian Mork, Herr Axourgos?

Schweigen. Hörbares Überlegen. „Professionell.“ Kein weiterer Satz.

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Nach Heinrich Böckelührs Rücktritt war der Erste Beigeordnete der Stadt, Hans-Georg Winkler (Mitte), Übergangs-Chef im Rathaus. Hier gratuliert er seinem neuen Vorgesetzten, Dimitrios Axourgos. © Bernd Paulitschke

Vermisst der ehemalige Lehrer eigentlich die Schule?

Über sich selbst gibt Schwertes Bürgermeister deutlich lieber Auskunft: „Ich wusste ja, was auf mich zukommt. Und es hat sich das bewahrheitet, was ich mir gedacht hatte.“

Vor 365 Tagen war Dimitrios Axourgos noch Lehrer am Friedrich-Bährens-Gymnasium. Am Wahlabend war er froh, am Montagmorgen erst zur dritten Stunde zu müssen.

Vermisst er die Schule? Ja, ein bisschen schon - „vor allem die Arbeit mit jungen Menschen. Wenn man von der Klasse 7 bis zum Abitur mit denselben Schülern zu tun hat, dann verfolgt man das Leben der Individuen. Das ist schon spannend.“

Vermisst er die Ferien? Ja, schon, deutlich mehr freie Zeit sei das schon gewesen. „Mein Terminkalender ist in der Tat sehr gut gefüllt.“ Und selbst Urlaub sei nicht immer nur Urlaub.

Vermisst er den festen Stundenplan? Ja, denn: „Als Bürgermeister muss man schon oft schnell reagieren.“

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2018 noch Einzelkämpferin, 2019 in einer Partei: Christiane Ganske. © Bernd Paulitschke

Wie oft werden die Kandidaten von damals noch angesprochen?

Bereut Axourgos also den Schritt zum Bürgermeister? Nein, das nicht, auf keinen Fall. „Es ist nach wie vor sehr spannend und erfüllend, dass man jeden Tag mit Neuem konfrontiert wird.“

Das treffe auf die Themen im Büro zu. Aber auch auf die Anmerkungen der Bürger. Bald, wenn er in die Schwerter Innenstadt ziehe, könne er zwar zu Fuß ins Rathaus, sagt Axourgos und fügt lachend hinzu:. „Aber ich gehe davon aus, dass ich dann deutlich früher zu Hause los muss, weil ich so oft angesprochen werde.“

Und die Unterlegenen, die vorher Unbekannten, deren Gesichter dann 2018 auf vielen Wahlplakaten zu sehen waren? „Wenn ich heute auf Veranstaltungen bin, passiert es mir schon mal, dass ich angesprochen werde“, sagt Christiane Ganske. „Man ist durchaus noch bekannter geworden“, unterstreicht Dirk Hanné. Nicht dass das berufliche Vorteile für ihn als Selbstständiger mit sich gebracht hätte, aber angenehm sei es doch.

Dass der Schritt in die Öffentlichkeit auch Negatives mit sich bringt, davon berichten mehrere Kandidaten. Sei es, dass das eigene Programm nicht genügend gewürdigt worden sei. Oder sei es dieser aggressive Ton auf Facebook gewesen. „Da waren viele Kommentare schon unter der Gürtellinie. Das war schon fies“, bilanziert Hanné.

Treten die Kandidaten 2025 wohl noch einmal an?

Würden die Kandidaten erneut antreten? Hanné sagt nein - aus Altersgründen. 59 Jahre ist er jetzt, am Ende von Axourgos‘ Amtszeit 2025 wäre er zu alt, um hauptamtlicher Bürgermeister zu werden. Bei Ganske sieht das ähnlich aus.

Auch bei Gregor Podeschwa und Stefan Barthel dürfte das unwahrscheinlich sein. Podeschwa, der im Urlaub war und deshalb nicht für Antworten zur Verfügung stand, trat nach dem Wahlkampf 2018 nicht mehr politisch in Erscheinung.

Und Barthel, der jetzt auf Anfragen zum Rückblick auf die Wahl nicht reagierte, hatte schon nach Bekanntgabe des Ergebnisses einen bemerkenswerten Satz gesagt für einen Kandidaten, der 2,5 Prozent der Stimmen holte: „Grundsätzlich bin ich mit dem Ergebnis absolut zufrieden. Ich glaube, wir haben jetzt einen sehr guten und dynamischen Bürgermeister.“

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