A1-Zufahrten in Schwerte für halbes Jahr gesperrt

Wegen B236-Ausbau

Vor einer harten und unangenehmen Bauphase wegen der B236-Erweiterung hatte Schwertes Bürgermeister Heinrich Böckelühr schon im Vorfeld gewarnt. Was nun jedoch kommt, wird viele Autofahrer schocken: Die beiden Auffahrten zur A1 an der Hörder Straße in Schwerte werden jeweils für ein halbes Jahr gesperrt.

SCHWERTE

, 13.10.2017, 18:13 Uhr / Lesedauer: 3 min
A1-Zufahrten in Schwerte für halbes Jahr gesperrt

"Zeit für Ihre Fragen“ hieß der letzte Tagesordnungspunkt der Versammlung zum B236-Ausbau. Doch nicht auf alle Fragen, die Anwohner und Gewerbetreibende stellten gab es Antworten

Was das Straßenbauunternehmen von Bund und Ländern, die Deges, am Donnerstagabend bei einer Info-Veranstaltung verkündete, schockte die meisten Zuhörer. Wenn 2018 und 2019 die Hörder Straße ausgebaut wird, dann sind die beiden Autobahnanschlüsse für jeweils ein halbes Jahr gesperrt.

Und auch die Bergstraße soll während der Bauarbeiten länger von der Hörder Straße abgebunden werden. Die Umleitung dafür zwängt sich durch die ohnehin schon jetzt schwer belasteten Anliegerstraßen.

Brücke am Freischütz wird abgerissen

Rund 300 Nachbarn aus Schwerte und dem Dortmunder Süden waren der Einladung der Deges gefolgt. Die Firma wollte die Bauarbeiten erläutern. Allerdings wenig anschaulich, wie sich schnell herausstellt. Projektleiter Karl-Heinz Aukschun zeigte einige Folien, mit Texten, kaum Pläne und nur eine Simulation, nämlich, wie die Fußgängerbrücke aussehen könnte. „Ich hätte noch Baupläne, aber die helfen ja nicht weiter“, so Aukschun.

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Fest steht: Zunächst beginnt man in diesem Jahr mit Abholzungsaktionen und im nächsten mit dem Neubau der Fußgängerbrücke am Freischütz. Die alte ist nicht breit genug.

Ab Herbst 2018 soll es los gehen

Die eigentliche Straße wird in vier Abschnitten gebaut. Wenn alles glatt läuft, geht es im Herbst 2018 richtig los. Ende 2020 soll die Strecke vom Tunnel bis zur Autobahn dann ausgebaut sein. Gleich im ersten Bauabschnitt wird die Autobahn Richtung Köln gesperrt. „Wir bauen quasi einen neuen Autobahnanschluss“, erklärte Aukschun.

Gleichzeitig soll die Bergstraße vom Verkehr abgebunden werden. Die Umleitung soll dann über den Klusenweg und den Talweg erfolgen. Im Anschluss daran geht es mit der gegenüberliegenden Seite und damit der Anschlussstelle Richtung Bremen weiter. In dieser Bauphase soll die Heidestraße gesperrt werden.

Einspurig am Freischütz vorbei

Erst wenn diese beiden Bauabschnitte erledigt sind, geht es mit dem großen Stück zwischen Heidestraße und Ausbauende weiter. Hier wird erst die östliche Seite, dann die westliche gebaut. 

Während der gesamten Bauphase wird sich der Verkehr einspurig über den Freischütz quälen müssen.

Ausbau im Zentrum weiter Thema

„Ich bin mir sicher, dass der Ausbau ein wesentlicher Beitrag zur Mobilität der Region leisten wird“, sagte Bürgermeister Heinrich Böckelühr, der die Gäste im Freisschütz begrüßte. Doch für die Entlastung Schwertes sei die Ortsdurchfahrt entscheidender. Für dieses Vorhaben soll die Planfeststellung im Herbst angegangen werden.

Insgesamt sollen in den kommenden zwei Jahren rund 950 Meter Lärmschutzwände entlang der Trasse gebaut werden. Wie diese sechs Meter hohen Bauwerke letztlich aussehen werden, blieb die Deges den Zuhörern schuldig. „Das genaue Gestaltungskonzept ist noch nicht abgestimmt“, so Aukschun.

Viel Unmut im Publikum

Überhaupt gab es viel Unmut im Publikum. Die Umleitung über Klusenweg und Talweg ärgert Rolf Scherdt. „Hier ist die Belastungsgrenze für die Anwohner schon jetzt deutlich überschritten“, sagt er.

Sorgen machten sich auch Pendler und Vertreter von Speditionen. Denn ein echtes Alternativkonzept zu den gesperrten Auffahrten bleib der Projektleiter ihnen schuldig. Doch ohne Sperrung könne man nicht bauen, betonte er immer wieder.

Für Fragen nach der Verkehrsregelung rund um das Gartencenter Augsburg, die auch von vielen Nachbarn gestellt wurden, war der Bauplaner allerdings auch nicht zuständig. Die Deges baut nur, was der Landesbetrieb Straßen geplant hat. Und das Verfahren ist längst gelaufen.

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Redakteur Heiko Mühlbauer kommentiert:

Wenig professionelle Vorstellung

Das hätte man professioneller handhaben können. Die Deges hatte einen großen Saal gemietet, viel Publikum eingeladen, eine große Leinwand bestellt, dann aber leider nichts zu zeigen.

Das wäre noch zu verschmerzen gewesen, wenn es wenigstens ausreichend Antworten gegeben hätte. Aber auf viele Fragen der Bürger hatte der Projektleiter keine Antwort, vertröstete auf nach der Sitzung oder später.

Sicher, für Fragen nach einer Änderung der Pläne war es am Donnerstag zu spät. Aber auch das hätte der Mann aus Berlin deutlich machen müssen. So geriet die Veranstaltung zu einer Farce. Dass die Vorstellung unbequemer Tatsachen, wie einer Sperrung der viel genutzten Auffahrten oder die Umleitung durch ein Wohngebiet, nicht vergnügungssteuerpflichtig ist, war klar.

Aber wie man so was professionell handhabt, da sollten sich die Berliner bei einem Planungsamt in der Provinz mal Tipps holen.

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