Abriss-Frist wäre abgelaufen - doch das Haus von Familie Ahlers in Schwerte steht noch

rnFalsche Baugenehmigung

Normalerweise wäre die Frist jetzt abgelaufen, und Familie Ahlers müsste ihr frisch ausgebautes Haus abreißen. Doch die Familie aus Schwerte hat vor Gericht widersprochen. Und Zeit gewonnen.

Schwerte

, 09.05.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Neun Monate Zeit hatte die Stadt Schwerte der Familie gelassen, ihr Haus an der Unteren Meischede dem Erdboden gleichzumachen: von Ende Juli 2018 bis in die Woche nach Ostern 2019.

Die Stadt hatte eigentlich den Ausbau des Hauses vom Bungalow zum zweistöckigen Gebäude genehmigt. Ein Nachbar hatte geklagt - und vor Gericht Recht bekommen: Der Bauantrag hätte nicht umgesetzt werden dürfen. Und weil der Bauantrag für beide Geschosse gelte, gebe es keine andere rechtliche Wahl als zu sagen: Das ganze Haus muss weg - und nicht nur das, was ab 2015 neu dazu gebaut wurde.

So zumindest setzte die Stadt das um und setzte die Neun-Monats-Frist, die die Familie wiederum nicht akzeptierte. Sie reichte beim Verwaltungsgericht Gelsenkirchen Klage gegen den Abriss ein.

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Das Gericht lehnte ab, machte aber keinen Gegenvorschlag

Seitdem zieht sich das Verfahren hin. Alle Seiten dürfen sich äußern und neue oder altbekannte Argumente vorbringen - zunächst Familie Ahlers selbst. „Unsere Klagebegründung ist mittlerweile raus“, sagt Markus Ahlers. Dem seien viele Absprachen mit dem Architekten und dem Rechtsanwalt vorausgegangen.

Das große Problem sei halt, so Ahlers, dass es sich vorher um ein „qualitatives Urteil“ gehandelt habe. Einfach gesagt: Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen hatte nach der Klage des Nachbarn geprüft und entschieden, so wie einst von der Stadt Schwerte genehmigt hätte das Haus der Ahlers nie gebaut werden dürfen.

Aber im Urteil hätte eben nicht so etwas gestanden wie: Hier 50 Zentimeter weg, da die Mauer um 2,50 Meter verschieben, dazu eine um 1,75 Meter flachere Dachform - und dann passt es.

Da ist einzig diese eine Formulierung, die Auslegungssache ist: Die Gruppe der vier Häuser an der Unteren Meischede müsse ein „harmonisches symmetrisches Bild“ ergeben. Der Rest, so fügt Markus Ahlers hinzu, sei dann eben Auslegungssache vor Gericht.

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Vor einem Urteil passiert nichts, danach droht ein rascher Abriss

Bis zu einer Entscheidung des Gerichts passiert zwar nichts. Doch die Abrissbirne kreist immer noch über Ahlers‘ Haus: Lehnt das Gericht die Klage und das architektonische Gegenangebot ab, könnte es ganz schnell gehen.

Auch deswegen greifen die Eheleute Ahlers nach jedem Strohhalm. Vor wenigen Tagen wandten sie sich erneut an Schwertes Politiker. Sinngemäß fragten sie: Wolltet ihr nicht überlegen, ob es irgendwie einen neuen Bebauungsplan für die Siedlung Untere Meischede geben könnte? Das könnte vielleicht nachträglich unseren Bau legitimieren, mindestens aber dazu beitragen, „dass der soziale Frieden gewahrt bleibt“.

Von der CDU gab es mittlerweile eine Antwort: Man habe sich mit dem Bürgermeister und den Verantwortlichen im Rathaus unterhalten. Man wolle - idealerweise noch 2019 - den alten Bebauungsplan aufheben. Dann solle eine Bürgerversammlung mit Diskussion folgen.

Ein neuer Bebauungsplan sei aber nicht vorgesehen, hieß es. Denn das Aufstocken von Gebäuden sei auch an der Unteren Meischede schon heute möglich, „wenn diese sich in die Eigenart der näheren Umgebung einfügen und nachbarliche Interessen gewahrt bleiben“.

Mit anderen Worten: Mit Unterstützung kann die Familie nicht rechnen.

Rechtlicher Hintergrund

Die Länge der Häuserreihe ist entscheidend

50 Meter sind die Grenze. Ist eine Häuserreihe kürzer, bildet sie eine Einheit für sich - und jedes einzelne Haus muss ins Gesamtbild der Häuserreihe passen. Dies ist auch im Fall Ahlers so. Die Bungalow-Reihe ist knapp kürzer als 50 Meter. Ist eine Reihe länger als 50 Meter, ist rechtlich etwas anders: Dann reicht es, wenn sich die einzelnen Häuser in das Gesamtbild der Siedlung einfügen. Das wäre im Fall Ahlers gegeben - wenn ihre Häuserreihe lang genug wäre.
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