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Abrissreife Fußgängerbrücke erhielt nagelneue Auffahrtsrampe - die niemand benutzen darf

rnAusbau B236

Der Übergang über die B236 im Schwerter Wald muss weichen, um die Straße vierspurig auszubauen. Trotzdem wurde die Zugangstreppe mit Beton in eine Schräge verwandelt - und zum Zankapfel.

Schwerte

, 16.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Rausgeschmissenes Steuergeld? Eigentlich sollte die alte Fußgängerbrücke am Freischütz für die Verbreiterung der B236 längst abgerissen sein. Doch dann hat sie auf der östlichen Seite sogar noch eine nagelneue Rampe erhalten. Die Treppenstufen, die in Richtung Waldstraße hinunterführten, sind mit einer dicken Schicht aus Beton abgeschrägt worden. Ein Hindernis für Fahrradfahrer wäre damit beseitigt. Aber die dürfen das Provisorium, das an beiden Seiten mit einem Geländer aus grobem Bauholz gesichert ist, gar nicht benutzen. Auch keine Bürger im Rollstuhl, mit Rollator oder Kinderwagen, für die die Konstruktion wie gemacht scheint. Die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges), federführend für den Ausbau der Hörder Straße in diesem Bereich, verbietet es.

Deges ist mit der Qualität nicht zufrieden

„Im Grundsatz ist die Rampe derzeit nicht für eine Benutzung zugelassen, da es hinsichtlich der Qualität zwischen dem Auftragnehmer und der Deges unterschiedliche Auffassungen gibt“, erklärt Deges-Sprecherin Simone Döll (Düsseldorf) auf Anfrage. Strittig sind offenbar unter anderem der Beton und die Ausführung der Auffahrt. Die sei auch mit ein Grund gewesen, warum der Vertrag mit der Baufirma aufgelöst worden sei, die nebenan schon im vergangenen Jahr begonnen hatte, eine neue Brücke mit größerer Spannweite zu errichten. Diese Arbeiten wurden im Frühstadium von der Deges gestoppt.

Abrissreife Fußgängerbrücke erhielt nagelneue Auffahrtsrampe - die niemand benutzen darf

Die Deges hat die neue Rampe an der Freischützbrücke sofort wieder gesperrt, weil sie nicht ihren Qualitätsansprüchen genügt. Doch immer wieder räumen Passanten die Gitter zur Seite. © Deges

„Bis eine Einigung zwischen den Beteiligten vorliegt, wird die Rampe dauerhaft gesperrt bleiben“, so die Sprecherin. Es gebe ja noch einen anderen Zugang auf die alte Brücke, der mit einem kleinen Umweg von rund 150 Metern zu erreichen sei, so die Sprecherin. Der führt aus Richtung Bushaltestelle allerdings quer über das beim Beginn der Baustelle aufgewühlte Gelände.

Diese Alternative gefällt aber ganz offensichtlich manchen Radfahrern und Spaziergängern an diesem Nadelöhr zwischen dem östlichen und dem westlichen Teil des Schwerter Waldes nicht. Sie machen sich selbst den direkten Weg zur Betonrampe frei. „Leider wird der geschlossene Bauzaun häufiger von Unbekannten geöffnet“, weiß Simone Döll. Ihre Kollegen müssen dann immer wieder herausfahren, um ihn zur Sperrung aufzustellen und zu verschließen. Ob die Rampe noch einmal nachgebessert werde, damit sie benutzt werden kann, hänge vom Termin mit dem Gutachter und dessen Einschätzung ab: „Wir möchten des Weiteren anmerken, dass es sich bei der Brücke am Freischütz um eine Fußgängerbrücke handelt; Radfahrer müssen ihr Fahrrad bei der Benutzung schieben.“

Zeitplan für den Start des Straßenbaus wird knapp

Auch der Neubau, der die künftig auf vier Spuren verbreiterte Hörder Straße am Freischütz überspannen wird, ist als reine Fußgängerbrücke geplant. Er werde vor dem Abriss der alten Überführung errichtet, erklärt Simone Döll. Der Baugebinn für die Brücke sei noch in diesem Jahr geplant, die Bauzeit auf ein Jahr kalkuliert: „Die Nutzung der Brücke ist voraussichtlich ab Ende nächsten Jahres möglich.“

Die Erneuerung der Fußgängerbrücke sei „Teil der derzeit in Vorbereitung befindlichen Ausschreibung zum gesamten Umbau der B236 zwischen der Autobahn-Anschlussstelle Schwerte und der Stadtgrenze Schwerte/Dortmund“. Die Veröffentlichung der Ausschreibung sei für Juni 2019 geplant. Der Vergabeprozess dauere dann - abhängig von der Auswertung der Angebote - drei bis vier Monate: „Der Prozess folgt dabei der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (kurz VOB), die vom Deutschen Vergabe- und Vertragsausschuss für Bauleistungen entwickelt wurde.“ Bei diesem Fahrplan wird es eng für den oft verschobenen und zuletzt für den Spätsommer angekündigten Start des Straßenbaus.

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