Abstand zu Fahrradfahrern: Wie soll das am Bahnhof funktionieren?

rnNeue Straßenverkehrsordnung

Wer am Steuer nicht genug Abstand zu Fahrradfahrern einhält, muss seit April mit hohen Bußgeldern rechnen. Doch wie läuft das, wenn es an den wichtigen Punkten nicht genug Platz gibt?

Schwerte

, 18.05.2020, 17:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fahrspuren für PKW und Fahrradstreifen wechseln sich ab an der Beckestraße, kurz vor der großen Kreuzung am Schwerter Bahnhof. Jeweils eine für Linksabbieger, jeweils eine für Rad- und Autofahrer, die geradeaus fahren oder rechts in die Bahnhofstraße abbiegen wollen.

Da bleibt ja kaum Platz – stellt Wolfgang Siefke hinter dem Steuer seines Autos fest: „Die noch nicht so alten Fahrstreifenmarkierungen lassen doch zweifelsfrei den nun vorgeschriebenen Mindestabstand von 150 Zentimetern seitlich überhaupt nicht zu.“

Anderthalb Meter Sicherheitsabstand zwischen Auto und Fahrrad

Seit dem 28. April müssen Siefke und alle übrigen Autofahrer mindestens anderthalb Meter Abstand zu Fahrradfahrern halten. So sieht es die aktualisierte Straßenverkehrsordnung vor. Sie soll auch Radfahrer besser schützen.

Doch die Regelung wird besonders im innerstädtischen Bereich zum Problem, wenn nicht genug Platz da ist, um den Abstand beim Überholen einzuhalten. Außerorts gelten sogar zwei Meter.

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„Wie stellt sich die Stadt vor, wie sich Autofahrer beispielsweise im Bereich der Bahnhofskreuzung gegenüber Radfahrern verhalten sollen?“, fragt Siefke. Die Verkehrsordnung sieht auch vor: Wenn der Mindestabstand im fließenden Verkehr nicht eingehalten werden kann, sind Autofahrer aufgefordert, versetzt hinter den Radfahrern zu bleiben. Das gelte also auch für den Bereich an der Beckestraße.

Stadt: Nur da überholen, wo es gefahrlos möglich ist

„Die Stadt appelliert an die Rücksichtnahme und den Schutz der schwächeren Verkehrsteilnehmer“, heißt es dazu von Stadtsprecher Ingo Rous. „Autofahrer werden gebeten, nur dort zu überholen, wo Sicherheitsabstand eingehalten werden kann und ein gefahrloses Vorbeifahren möglich ist.“

Das „Mobilitätskonzept 2025“ der Stadt hat das Ziel, den Anteil auf Radverkehr auf 13 Prozent zu verdoppeln. Außerdem soll es weniger Unfälle mit Fahrrad-Beteiligung im Stadtgebiet geben.

Im Überlick: Das müssen Autofahrer jetzt im Umgang mit Radfahrer beachten

  • Autofahrer müssen mindestens 1,50 Meter Abstand halten, wenn sie Radfahrer oder Fußgänger überholen.
  • Außerhalb geschlossener Ortschaften sind es sogar zwei Meter. Auf Schutzstreifen für Fahrradfahrer, also mit einer Linie auf der Fahrbahn markierten Radwegen, gilt für Autos ein generelles Halteverbot.
  • An Straßen mit getrennten Radwegen müssen Autofahrer nun mindestens acht Meter Abstand von Einmündungen halten. Vorher waren fünf Meter vorgeschrieben.
  • Künftig gibt es die Möglichkeit, sogenannte Fahrradzonen – ähnlich den Fahrradstraßen – einzurichten. Dort gilt eine Höchstgeschwindigkeit für alle Fahrzeuge von 30 km/h.
  • Ein neues Schild verbietet das Überholen von einspurigen Fahrzeugen (Fahrrad, Motorroller) mit mehrspurigen Fahrzeugen, wie etwa Pkw.
  • Fahrzeuge über 3,5 Tonnen dürfen künftig nur noch mit Schrittgeschwindigkeit rechts abbiegen.
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