Coronavirus in Schwerte

Ärger nach Impfaktion für Schwerter Schüler: Warum kaum jemand kam

Eine große Impfaktion hatte das Impfzentrum Unna für alle weiterführenden Schwerter Schulen durchgeführt. Doch nur wenige kamen. Ein Vater ärgert sich über die Gründe.

Das Impfzentrum Unna hatte ein mobiles Impfteam ans Friedrich-Bährens-Gymnasium geschickt. Die Impfaktion für alle weiterführenden Schulen in Schwerte sollte Schülerinnen und Schülern die Gelegenheit zur Impfung „vor der Haustür“ geben.

Doch dann kamen viel weniger Schüler als erwartet. Denn die Impfung war nicht für Mädchen und Jungen ab 12 Jahren vorgesehen, sondern erst für die ab 16-Jährigen.

„Warum wurden nicht auch 12-Jährige geimpft?“

Das ärgert einen Vater von zwei Kindern. Er sagt: „Ich kann nicht verstehen, warum nicht auch 12-Jährige schon geimpft werden durften. Angeblich gab es dafür nicht das Personal. Und die Jugendlichen ab 16 waren eben zu einem Großteil schon geimpft.“

Auf Nachfrage habe man den Eltern mitgeteilt, für die jüngeren Kinder sei ein anderes Impfpersonal nötig als für die älteren Kinder. Die 12- bis 15-Jährigen könnten an diesem Tag alternativ mit dem Bus zum Impfzentrum nach Unna gebracht werden.

„Das verstehe ich erst recht nicht“, sagt der Vater. Die jüngeren Kinder müssen mit dem Bus nach Unna gekarrt werden und die Älteren dürfen an der Schule vor Ort geimpft werden? Das ist für mich unlogisch.“

Termin kam sehr kurzfristig

Schulleiter Heiko Klanke vom „gastgebenden“ FBG erklärt auf Anfrage, das Gesundheitsamt habe den Impftermin sehr kurzfristig für Jugendliche ab 16 Jahren angeboten. „Das war in den Ferien, da mussten wir schnell zusagen, ob wir das wollen. Natürlich wollten wir.“ Die Schulleiterinnen der beiden Gesamtschulen und des Ruhrtalgymnasiums hätten ebenfalls zugestimmt. „Und es gab auf die Schnelle keine große Gelegenheit, zuvor den Bedarf bei den Eltern abzufragen.“

Daher waren offenbar so wenig ältere Schüler gekommen. „Für die jüngeren Schüler hätten wir eine Genehmigung gebraucht, oder die Eltern hätten dabei sein müssen“, sagt der Schulleiter. „Das war jetzt ein bisschen verschenkte Zeit, und das tut uns auch Leid“, räumt Klanke ein.

Impfquote in der Altersklasse bereits hoch

Die Zusammenarbeit mit dem Impfteam – Lehrer des FBG hatten ihre Unterstützung angeboten – sei allerdings super gelaufen. Alle seien sehr engagiert gewesen und hätten sich gut gekümmert. Klanke: „Das gute Signal ist außerdem, dass man davon ausgehen kann, dass die Impfquote in dieser Altersklasse bereits sehr hoch ist.“

Eine Impfaktion vor Ort für die ab 12-jährigen Kinder und Jugendlichen – das ist etwas, was sich auch die Schulleiter wünschen würden. Heiko Klanke sagt dazu: „Es wäre toll, wenn wir da in naher Zukunft einen Termin finden könnten. Das würden wir wirklich für sinnvoll halten und das auch gerne wieder unterstützen.“

Eva Brinkhoff von der Theodor-Fleitmann-Gesamtschule sieht das genauso: „Wenn sich der Kreis dazu entschließen würde, auch Impfaktionen für die 12- bis 16-Jährigen anzubieten, würden wir dies sehr begrüßen“, sagt sie. Viele der Kinder seien bereits geimpft, „aber dennoch könnten durch gemeinsame Impfaktionen Ängste seitens einiger Kinder und Eltern abgebaut werden.“ Das würde letztlich allen zugute kommen.

Eva Graß-Marx von der Gesamtschule Gänsewinkel verweist wie Heiko Klanke auf das „sehr kurzfristig kommunizierte“ Impfangebot des Kreises. Auch an der Gesamtschule seien bereits viele Schüler ab 16 geimpft, daher „fand das Angebot auch mit Blick auf Ort und Zeit bei uns im Haus keinen großen Anklang“.

Wünschenswert wäre ein niederschwelliges Impfangebot für ab 12-Jährige mit einer Einverständniserklärung der Eltern, zum Beispiel ein Shuttle-Service zum Impfzentrum. „Das Impfangebot betrifft selbstverständlich alle Schülerinnen und Schüler ab 12 Jahren, die ein Elterneinverständnis haben und impfwillig sind.“ Die Schule würde ein solches Angebot organisatorisch unterstützen.

Entscheidung liegt allein bei den Eltern

„Ich würde mir für Schwerte wünschen, dass entweder der Impfbus zu uns an die Schule kommt oder die Kinder bei ihrem Weg zum Impftermin unterstützt werden.“ Die Schulleiterin betont aber auch, dass die Entscheidung für die Impfung allein bei den Eltern oder bei den volljährigen Schülerinnen und Schülern liege.

Die Schulleiterin sagt: „Impfwillige verdienen nach ihrer Entscheidung für das Impfen den barrierefreien Zugang zu den Impfungen und somit die Unterstützung des Kreises.“ Ein individuelles Angebot und eine rechtzeitige Koordination seien für das nächste Impfangebot entscheidend.

Kreis Unna: „Stiko-Empfehlung kam spät“

Max Rolke, Pressesprecher des Kreises, erklärt: „Als wir die Impfaktion für die ab 16-Jährigen organisiert hatten, gab es noch keine Empfehlung der Stiko für Jüngere.“ Man habe aber kurz nach Änderung der Stiko-Empfehlung die Schulen im Kreis angeschrieben, ob sie Bedarf hätten, dass ein Impfbus die Kinder ab 12 Jahren ins Impfzentrum fährt.

Rolke: „Das war letzte Woche. Die Nachfrage war bisher eher mau.“ Nur sieben Schulen hätten sich zurückgemeldet. Das Problem sei auch, dass die Impfzentren mit ihren Aktionen an Schulen nur noch wenig Zeit hätten, da sie ja Ende September geschlossen werden.

Endspurt bis Ende September: Noch weitere Impftermine möglich

Der Pressesprecher weist daher für interessierte Eltern und Kinder auf folgende mobile Angebote hin:

  • Am Donnerstag, 9. September, findet zwischen 10 und 14 Uhr eine Impfaktion an der Schwerter Tafel, Ostenstraße 17, statt. Auch ab 12-Jährige dürfen dort hinkommen, am besten in Begleitung ihrer Eltern.
  • Bis Ende September ist das Impfzentrum in Unna, Platanenallee 20a, mittwochs und samstags von 8 bis 20 Uhr geöffnet. „Hier können auch Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren jederzeit ohne Termin hinkommen.“
  • Zum Endspurt der Impfzentren läuft in der Woche vom 13. bis 19. September die Bundesaktion #hierwirdgeimpft. In dieser Woche ist das Impfzentrum Unna zusätzlich Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 14 bis 20 Uhr geöffnet.
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Begegnungen mit interessanten Menschen und ganz nah dran sein an spannenden Geschichten: Das macht für mich Lokaljournalismus aus.
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Martina Niehaus