Ärzte arbeiten ungeschützt: Schwerter stellt Visiere im 3D-Drucker her

rnCoronavirus in Schwerte

Trotz Coronavirus fehlt medizinischem Personal die Schutzausrüstung. Ein Schwerter will helfen und hat spezielle Visiere entwickelt. Die druckt er zuhause und weiß: Es werden mehr gebraucht.

Schwerte

, 02.04.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ärzte, Apotheker, Pfleger und Erzieher: Sie alle sind systemrelevant, versorgen Kranke und Kinder, sie stehen täglich bereit, arbeiten auf engem Raum mit Menschen. Und dabei könnten sie sich jederzeit mit dem gefährlichen Coronavirus infizieren.

Ausgerechnet dort fehlen Mundschutze, Handschuhe und Desinfektionsmittel. Wie können sie sich also schützen?

„Man liest es überall, dass kaum Material für Ärzte übrig bleibt. Es ist erschreckend und sollte anders sein“, sagt der Schwerter Christopher Schulze-Bentrop. „Als ich gesehen habe, wie Leute plötzlich Mundschutze selbst nähen, wollte ich auch etwas tun.“

Produktion für Schutzvisiere in wenigen Tagen auf die Beine gestellt

Wenige Tage später hat der 35-Jährige eine eigene Produktion für Schutzvisiere, die er rund um die Uhr in seinen eigenen 3D-Druckern herstellt. Mit seiner selbst entwickelten Vorlage kann er den Kunststoff in die richtige Form bringen und so den Rahmen für das Visier drucken. Was dann noch fehlt, ist ein Klettband zum Verschließen und eine Plexiglasscheibe, die das Gesicht schützt.

So sehen die gedruckten Visiere aus. Was noch fehlt, ist die Plexiglasscheibe.

So sehen die gedruckten Visiere aus. Was noch fehlt, ist die Plexiglasscheibe. © Schulze-Bentrop

150 Masken hat Christopher Schulze-Bentrop schon an Krankenhäuser, Arztpraxen und Apotheken geliefert. 60 davon gingen in der vergangenen Woche zur Intensivstation des Marienkrankenhauses. Aber er weiß auch, dass noch mehr Bedarf besteht.

„Mit meiner Produktion bin ich aktuell relativ gut aufgestellt. 50 bis 60 Masken am Tag kann ich fertigen.“ Die Produktion hat er mittlerweile komplett ins Homeoffice verlagert. Jetzt stehen acht Drucker auf zwölf Quadratmetern und arbeiten rund um die Uhr.

„Ich schlafe zwischendurch mal. Es ist ja nicht auf Dauer“

Genauso wie Schulze-Bentrop selbst. Ein Visier benötigt etwa zweieinhalb Stunden im Drucker, dann muss es der Schwerter herausnehmen und den nächsten Druck starten. „Ich schlafe dann dazwischen. Es ist ja nicht auf Dauer“, sagt der Familienvater.

Acht 3D-Drucker laufen derzeit rund um die Uhr im „Homeoffice“ des Schwerters.

Acht 3D-Drucker laufen derzeit rund um die Uhr im „Homeoffice“ des Schwerters. © Schulze-Bentrop

Material für etwa 500 Stück lagert er gerade bei seiner kleinen Drucker-Farm. Den Kunststoff bezieht er von der Rolle. Woran es hakt, sind die Klettbänder und Plexiglasscheiben. „Es gibt viele, die mittlerweile ähnliche Produkte fertigen. Und Plexiglas ist derzeit ja sowieso beliebt und kommt überall als Barriere zum Einsatz. Deshalb ist der Preis auch schon um 50 Prozent gestiegen.“

Praxen, die noch Bedarf haben, können sich bei ihm melden

Für seine Schutzvisiere zahlen die Ärzte übrigens nicht mehr als den Materialpreis. „Falls Praxen noch Bedarf haben, können die sich gerne bei mir melden“, so Schulze-Bentrop.

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Generell habe sich in den vergangenen Tagen in der Hinsicht viel getan: So können Ärzte auf Plattformen wie „Makers versus Virus“ das dringend benötigte Material von privaten Herstellern wie Christopher Schulze-Bentrop anfragen. Und umgekehrt: Wer selbst die Möglichkeiten hat, kann sich dort registrieren.

Für den 35-Jährigen ist die Arbeit mit dem 3D-Drucker nicht neu. Seit 2014 gibt es seine Firma Heroprint in Villigst, die sich auf Zubehör für Actioncams oder Drohnen spezialisiert hat. Die Produktion der Schutzvisiere sei also eine neue Herausforderung, aber eben gleichzeitig auch eine „sinnvolle und schöne Abwechslung“.

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