Als die i-Männchen auf dem Weg zum Unterricht an britischen Panzern vorbeilaufen mussten

rnFeldschule Schwerte

Knallkorken unter den Beinen des Pauker-Stuhls. Über ihre Streiche können die Ex-Feldschüler auch 70 Jahre nach der Einschulung bei ihrem Treffen herzhaft lachen. Sie haben noch mehr erlebt.

Schwerte

, 10.06.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Pepe Nietnagel, der Lümmel von der letzten Bank aus den Paukerfilmen der 1970er-Jahre, hätte in der Feldschule seine diebische Freude gehabt. In Sachen Streiche standen ihm die Schwerter Schüler in nichts nach. „Wir haben dem Lehrer Knallkorken unter die Stuhlbeine gelegt“, erzählt Ulrich Niehaves (77). Eine Art starker Knallerbsen, die ihre volle Wucht entfalteten, wenn sich der Pädagoge zu Unterrichtsbeginn in den Sitz fallen ließ. Bei den Jungen beliebt war es auch, über die niedrige Trennwand ins Mädchen-WC herüberzupinkeln.

Als die i-Männchen auf dem Weg zum Unterricht an britischen Panzern vorbeilaufen mussten

Kleine Zuckertüten hatte Ursula Bleyer (r.) für ihre Mitschüler anlässlich der Einschulung vor 70 Jahren in der damaligen Feldschule gebastelt. © Reinhard Schmitz

Auch darüber können jetzt alle lachen. Immerhin sind 70 Jahre vergangen, seit die Damen und Herren, die im Restaurant Ellinikon so angeregt miteinander plaudern, mit der Zuckertüte unter dem Arm zur damaligen Feldschule (später Kardinal-von-Galen-Schule) gingen. Zu Ostern 1949 machten sie als i-Männchen erstmals Bekanntschaft mit ihrem Klassenlehrer Karl Kramer und der Lehrerin, die statt mit Vornamen nur als „Fräulein“ Enste in Erinnerung geblieben ist. Ein Jahr später kam eine Parallelklasse dazu, als die ebenfalls katholische Haselackschule geschlossen wurde. „Wir waren 53 Mädchen und 55 Jungen in zwei gemischten Klassen“, erinnert sich Niehaves. Doch bevor die Pubertät nahte, wurden die Geschlechter im vierten Schuljahr züchtig getrennt.

Schulweg vorbei an britischen Panzern

Für das Wiedersehen hat Organisator Niehaves 61 Ehemalige angeschrieben, von denen 22 am Samstag gekommen sind - sogar aus Heek, Brühl und St. Georgen im Schwarzwald. Zur Erinnerung überrascht Ursula Bleyer alle mit einer selbst gebastelten (und gefüllten) Zuckertüte. Auch der stellvertretende Bürgermeister Jürgen Paul wird bedacht - als Ehrengast. Der 70-Jährige wurde im Jahr der Einschulung der anderen gerade erst geboren. Auf dem Weg zum Unterricht waren damals noch die britischen Besatzungstruppen sehr präsent. „Auf dem Graf-Adolf-Platz standen noch die Panzer im Rondell“, berichtet Niehaves, der ganz in der Nähe wohnte. Für die Jungs kein Schrecken, eher ein Glücksfall. Denn die Soldaten steckten ihnen schon mal Schokoladenriegel zu. Oder Zigaretten in Zwei-Stück-Kleinpackungen, die brav an den Vater weitergegeben wurden: „Wir haben dann die leeren Schachteln gesammelt.“

Der Stoff zum Erzählen geht bis zum Abend nicht aus. Von der Schulspeisung, die vielen wegen des fehlenden Zuckers nicht schmeckte - und deshalb die Abflussrohre verstopfte. Oder von dem Klassenkameraden, der die Aufforderung zum Jäten im Schulgarten allzu ernst nahm. Ein Zinken seiner Hacke bohrte sich durch die Hand eines Mitschülers. „Wenn der seine Hand nicht weggezogen hat“, hieß die Entschuldigung. Er müsse fertig werden.

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