Als Schwerte noch die Hauptstadt der Kneipen war

Serie: Ehemalige Gaststätten

Aus dem Stadtbild von Schwerte sind viele Kneipen verschwunden. In einer Sommerserie wollen wir einige von ihnen wieder auferstehen lassen und uns anschauen, wie es heute an ihrem Platz aussieht. Wir suchen Ihre Kneipen-Erinnerungen und Bilder aus alten Zeiten - schreiben Sie uns!

SCHWERTE

, 26.07.2017, 18:44 Uhr / Lesedauer: 1 min
Der Gasthof "Zur Helle" stand einst an der Ecke Hellpoth-/Ostenstraße, wo heute der Parkplatz zu finden ist. Die Wirtsstube befand sich in einem historischen Burgmannshaus, das 1963  abgerissen wurde.Dessen Anbau war schon im Zweiten Weltkrieg zerbombt worden.

Der Gasthof "Zur Helle" stand einst an der Ecke Hellpoth-/Ostenstraße, wo heute der Parkplatz zu finden ist. Die Wirtsstube befand sich in einem historischen Burgmannshaus, das 1963 abgerissen wurde.Dessen Anbau war schon im Zweiten Weltkrieg zerbombt worden.

Vom Alt Schwerte in der Hüsingstraße bis Zum Brauhaus an der Bahnhofstraße – zum gepflegten Bierchen hatten es die Schwerter einst nicht weit. Gefühlt fast an jeder Ecke lockte eine Kneipe zur Einkehr. „Die Hochzeit war Anfang der 1970er-Jahre“, weiß Heimatvereins-Vorsitzender Uwe Fuhrmann. Die Namen von 70 bis 80 Gaststätten findet er in den Adressbüchern jener Ära: „Allein in der Innenstadt waren es locker gut 30.“

Das Herstellen und Trinken von Bier – so zitiert Fuhrmann aus alten Akten – sei so alt wie die Stadt selbst. Schon die Urkunden zur Verleihung der Stadtrechte im Jahre 1397 durch Graf Diederich von der Mark enthalten viele Bestimmungen für den Gerstensaft. So drohten beispielsweise vier Pfennig Strafe jedem Brauer, „der den von der Stadt genormten Becher nicht voll einschenkt“.

Machen Sie mit!
Für unsere Serie brauchen wir natürlich Ihre Erinnerungen: Haben Sie noch Fotos, Geschichten oder andere Andenken zu alten Schwerter Kneipen? Was haben Sie dort erlebt - die Ansprache eines Bundeskanzler, eine wichtige WM-Partie, die Olympischen Spiele? Und welche Gaststätten gab es überhaupt?
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Im 18. Jahrhundert waren es 18 Brauereien 

Der Durst muss groß gewesen sein. Nach der ältesten Gewerbezählung von 1723 versorgten 18 Brauereien die damals noch kleine Ackerbürgerstadt. Für die Qualität ihres Getränks sprach, dass es die Grafen von der Mark für ein Treffen eigens aus Schwerte herbeikarren ließen. Und wer das volle Nachbarrecht erwerben wollte, musste erst einmal eine Tonne Freibier (114,5 Liter) springen lassen, wie Fuhrmann weiter herausfand.

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„Man trinkt viel Bier in Schwerte“, titelte die Schwerter Zeitung im April 1958. Nach einer städtischen Statistik waren damals allein in Schwerte-Mitte (die Ortsteile hatten noch eine eigene Verwaltung) 46 Schankwirtschaften konzessioniert.

"Auf 230 Einwohner kam eine Gaststätte"

Nicht mitgezählt die neun Übernachtungsbetriebe und neun Cafés mit Alkoholausschank sowie acht Kioske. „Auf 230 erwachsene Einwohner kam eine Gaststätte“, rechnet Fuhrmann vor. Es ließ sich kaum vermeiden, irgendwo auf dem Weg von der Arbeit oder zum Einkaufen an einem Tresen vorbeizukommen. Schwerte, so der Heimatvereins-Vorsitzende, sei eine Hauptstadt der Kneipen gewesen.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Die Schwerter Kneipenlandschaft

In der Schwerter Kneipenlandschaft hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan: Mehrere Traditionsgaststätten mussten schließen, manche wurden wieder eröffnet, andere Kneipen laufen weiterhin gut. Hier eine Bestandsaufnahmen in Bildern - ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
13.04.2012
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Haus Maifeld: Heruntergelassen sind die Rollläden der Gaststätte Haus Maifeld schon seit zwei Jahren, berichtet Eigentümer Anton Maifeld.
© Foto: Reinhard Schmitz
"Pappala-Pub": Simone Aring betreibt die Kneipe im City-Centrum seit 2010. Sie verspricht in ihrer Kneipe eine gemütliche Atmosphäre und überträgt zudem alle Spiele der Fußball-Bundesliga© Foto: Bodo Brauer
"Haus Zier": Oliver Hillen hat Spaß an seiner Arbeit: "Der Klügere kippt nach" ist nur einer der Sprüche, den der Wirt von der Reichshofstraße auf das Schild vor der Tür schreibt.© Foto: Bodo Brauer
"Im Reiche des Wassers": Sylvia Schülke stand hier zwölf Jahre hinter der Theke, wechselte im April 2012 zur Waage. Ihre Nachfolgerin ist Ulrike Engelmann-Surkamp.© Foto: Bernd Paulitschke
Zum Brauhaus: Meike Bresser möchte die Gaststätte wieder beleben. Sie sucht eine Pächterin für das Objekt, das sie von der zu Jahresbeginn verstorbenen Wirtin Margret Kamphausen geerbt hat.© Foto: Reinhard Schmitz
Seit einem Jahr hat Peter Piwek in Villigst schon mit mehreren Interessenten verhandelt: "Aber es ist nicht so leicht, jemanden zu finden." Er vermieten seine Räume nur gelegentlich für Partys oder Familienfeiern.© Foto: Reinhard Schmitz
"denk-mal": Überraschend hat die Gaststätte vor einigen Wochen geschlossen - die Zukunft ist offen. Vor allem die Stammgäste bedauern den Verlust.© Foto: Bodo Brauer
"Feuerteich-Schänke": Seit über 40 Jahren gibt es die Kneipe an der Mährstraße. Wirt Bernd Bay begrüßt regelmäßig Sportfans, die bei den Live-Übertragungen der aktuellen Fußballspiele dabei sind.© Foto: Bodo Brauer
"Die Keule": Rustikal und gemütlich - so beschreiben Rainer und Jochen Melzer die "Keule". Die Brüder haben die Esskneipe mit Wintergarten im Oktober 1984 eröffnet. Auch nachts gibt es hier noch etwas zu essen.© Foto: Bodo Brauer
"Zum Kreuzeck": Die Gaststätte existiert bereits seit 1958, vor 13 Jahren übernahm Albrecht "Bubi" Bubenzer den Betrieb. Stammgast Uwe Keil weiß, warum sich ein Besuch lohnt: "Weil das Bier schmeckt und günstig ist."© Foto: Bodo Brauer
"Haus Kreinberg": Die Gaststätte in Schwerte-Ost gibt es schon seit 1930. An der Lichtendorfer Straße 5 servieren Monika und Bernd Herrmann Getränke und Speisen aus der gutbürgerlichen Küche.© Foto: Bodo Brauer
"Lo Canta": Spanisches Flair verbreitet die Tapas-Bar am Marktplatz. Hassen Er eröffnete den Betrieb vor zehn Jahren. Hier ist immer etwas los: Theater, Musik und andere kulturelle Veranstaltungen lockern den Restaurantbetrieb auf.© Foto: Bodo Brauer
"Dorfschänke Peukmann": Die Dorfschänke in Villigst hat eine lange Geschichte - um 1820 wurde sie gegründet. Heute richten Peter und Ursula Bach vor allem Vereinstreffen und Familienfeiern in den Räumen aus.© Foto: Bodo Brauer
"Rettelmühle": Ein idyllisches Ausflugsziel soll die "Rettelmühle" wieder werden. Die Gräflich von Stosch'sche Renteiverwaltung ist auf der Suche nach einem Pächter.© Foto Bodo Brauer
"Zur Waage": Die Gaststätte, die fast ein halbes Jahrhundert von der Familie Kühne geführt wurde, hatte seit November 2011 geschlossen. Anfang April eröffnete Sylvia Schülke die Kneipe am Postplatz neu.© Foto: Bodo Brauer
Kutscherstube: Familie Fromme hat jahrzehntelange Gastronomie-Erfahrung. Am 27. April 1981 eröffneten die Mitglieder das "Restaurant Kutscherstube" mit Bundeskegelbahnen und Biergarten an der Gotenstraße.© Foto: Bernd Paulitschke
"Restaurant Im Grüntal": "Es wird keine Gaststätte mehr", hat Inhaberin Anne Potthoff die Suche nach einem neuen Pächter für das traditionsreiche Lokal aufgegeben. Künftig werden die Räume am Grüntaler Teich anderen Zwecken dienen. © Foto: Reinhard Schmitz
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